Verletzte und hohe Schäden: Orkan „Niklas“ tobt über NRW

Von: red/dpa
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In Hückelhoven wurde ein großes Loch in das Dach eines Discount-Supermarktes im Stadtteil Ratheim gerissen. Foto: Claudia Krocker
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In Hückelhoven wurde ein großes Loch in das Dach eines Discount-Supermarktes im Stadtteil Ratheim gerissen. Foto: Claudia Krocker
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In Hückelhoven wurde ein großes Loch in das Dach eines Discount-Supermarktes im Stadtteil Ratheim gerissen. Foto: Claudia Krocker
unfall siersdorf
Dieser Sattelschlepper verunglückte am Dienstag auf der Bundesstraße 56 unweit der Kreisstraße 12 in Richtung Siersdorf. Foto: Jan Mönch
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Dieser Sattelschlepper verunglückte am Dienstag auf der Bundesstraße 56 unweit der Kreisstraße 12 in Richtung Siersdorf. Foto: Jan Mönch
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Dieser Sattelschlepper verunglückte am Dienstag auf der Bundesstraße 56 unweit der Kreisstraße 12 in Richtung Siersdorf. Foto: Jan Mönch
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Um 3.49 Uhr war in der Nacht zum Dienstag ein Baum in Stolberg auf die Straße gestürzt. Foto: Ralf Roeger
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Um 3.49 Uhr war in der Nacht zum Dienstag ein Baum in Stolberg auf die Straße gestürzt. Foto: Ralf Roeger
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Um 3.49 Uhr war in der Nacht zum Dienstag ein Baum in Stolberg auf die Straße gestürzt. Foto: Ralf Roeger
Venlo Niklas
In Venlo musste die Autobahn A67/A40 zeitweise gesperrt werden, nachdem Teile eines Betriebsdaches in Richtung der Autobahn flogen. Foto: Jungmann
Roermond Niklas
Bei Roermond hatten sich die Folienabdeckungen eines Spargelfeldes gelockert und flogen teilweise auf die angrenzende Bahnstrecke. Foto: Jungmann

Region/Düsseldorf. Der Orkan „Niklas“ hatte das Land fest im Griff. Die Deutsche Bahn stellte den Betrieb am Dienstag in mehreren Bundesländern ein, auch den Regionalverkehr in NRW. Auf vielen Straßen und Autobahnen behinderten umgestürzte Bäume den Verkehr. In der Region waren Feuerwehr und Polizei im Dauereinsatz - und bewiesen dabei manchmal Improvisationsvermögen, etwas im Kreis Heinsberg.

„Niklas” sei mit Spitzenböen von rund 150 Kilometern pro Stunde einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre, sagte Meteorologe Lars Kirchhübel vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Sein Sturm- und Orkanfeld werde im Lauf des Dienstags weite Teile Deutschlands erfassen. Der DWD gab Unwetterwarnungen für große Teile des Landes heraus.

Auch in der Region rund um Aachen, wo in der Nacht Windgeschwindigkeiten von bis zu 99 Kilometern pro Stunden gemessen wurde, wurden am Dienstag zahlreiche Sturmschäden gemeldet.

Bei Aldenhoven im Kreis Düren stürzte gegen 8.30 Uhr ein Lastwagen auf der Bundesstraße 56 in der Nähe der Kreisstraße 12 bei Dürboslar, der in Richtung Puffendorf gefahren war. Zur Bergung des Fahrzeugs war die Bundesstraße zeitweise gesperrt.

Insgesamt verzeichnete die Dürener Kreispolizei sieben Einsätze. „Es wurde aber glücklicherweise niemand verletzt“, meldete die Pressestelle am Nachmittag. Seit etwa 4 Uhr in der Nacht waren die Mitarbeiter im Dauereinsatz, da abgebrochene Äste, umgestürzte Bäume und in Nörvenich-Binsfeld auch Dachziegel auf der Fahrbahn gemeldet wurden.

Im Stolberger Stadtteil Breinig rückte die Feuerwehr um 3.50 Uhr zur Landesstraße 12 aus. An der Straße „Auf dem Acker“ war ein Baum auf die Straße gestürzt. Rund 15 Einsatzkräfte der Wache und der Löschgruppen Breinig und Venwegen zerlegten den gefällten Riesen. Gegen 6 Uhr war der Einsatz beendet.

In Eschweiler drohten in der Nacht zum Dienstag zwei Bäume auf die Gleise der Euregiobahn zu stürzen. Die Bäume konnten allerdings rechtzeitig gefällt und abtransportiert werden. Eine Beeinträchtigung des Bahnverkehrs gab es nicht.

Im Kreis Heinsberg gab es bis 13 Uhr eine Reihe von Unfällen. So kippten mehrere Anhänger während der Fahrt durch den starken Seitenwind um. Die Beamten halfen beim Wiederaufrichten. Bei einem Lastzug an der Bundesstraße 221 baten sie dazu kurzerhand den Fahrer eines größeren 40-Tonners um Hilfe. Dieser fuhr schließlich auf der Windseite neben dem kleineren Lastzug her und bot ihm somit Windschutz bis zum Gewerbegebiet in Dremmen.

An anderen Stellen auf der Bundesstraße 221 und der Landstraße 228 zwischen Dremmen und Randerath wurden mehrere Bäume auf die Fahrbahn geworfen. Der Bauhof beseitigte die Hindernisse.

In Hückelhoven wurde gegen 7.30 Uhr ein großes Loch in das Dach eines Discount-Supermarktes im Stadtteil Ratheim gerissen. Bei Geilenkirchen stürzte gegen 5.50 Uhr ein Baum auf die Landesstraße 24, ein Autofahrer konnte nicht mehr bremsen und fuhr dagegen. Es entstand ein Sachschaden. Die L24 war bis etwa 8 Uhr gesperrt.

Die Deutsche Bahn stellte den Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen um 11 Uhr komplett ein. Auch im Fernverkehr gebe es wegen Unwetterschäden Störungen, sagte eine Sprecherin. Die Strecke zwischen Dortmund und Köln etwa sei gesperrt.

Umgestürzte Bäume hatten bereits am Morgen zu zahlreichen Ausfällen und Verspätungen geführt. Betroffen waren unter anderem die Strecke zwischen Stolberg und Aachen. Die S-Bahn zwischen Duisburg und Düsseldorf Hauptbahnhof und der Regional- und Fernverkehr zwischen Köln und Solingen. In Hilden bei Düsseldorf mussten Fahrgäste eine S-Bahn verlassen. Die S-Bahn-Strecke zwischen Hilden und Düsseldorf war komplett gesperrt.

Auch auf den Straßen im Land behinderten umgefallene Bäume den Verkehr. So stürzten Bäume auf Fahrbahnen der Autobahnen 2 bei Essen und 52 bei Marl. Auf der Autobahn 45 bei Hagen kippte auf einer Talbrücke ein mit Paletten beladener Lkw-Anhänger um. Es sei jedoch noch unklar, ob dies durch den Sturm passiert sei, sagte ein Polizeisprecher.

Zu einem schweren Unfall kam es auf der Baustelle für die neue Lennetalbrücke an der Autobahn 45. Nach Angaben des Landesbaubetriebs Straßen.NRW wurde ein Gerüst umgeweht und riss einen Arbeiter mit sich. Er musste ins Krankenhaus gebracht werden. Ein weiterer Bauarbeiter wurde leicht verletzt.

In Kerpen kippte in der Nacht durch den Sturm ein Kran in einem Kieswerk. Er blieb jedoch an einem Hausdach hängen. Der Kranführer erlitt zwar keine Verletzungen. Der Mann musste aber von der Feuerwehr befreit werden, weil sich die Tür des Krans verkeilt hatte. In Köln lief eine Unterführung voll Wasser. In Mettmann und Neuss wehte der heftige Wind Mülltonnen und Verkehrsschilder um.

Auch Stromausfall gab es, wie Einwohner von Haan-Gruiten im Kreis Mettmann berichteten. Anderenorts sorgte heftiger Regen für Probleme, den das Sturmtief mit sich führte. In Ostwestfalen behinderte in der Nacht Schnee den Verkehr. Auf der Autobahn 44 bei Warburg gab es eine geschlossene Schneedecke, sagte ein Polizeisprecher. Streufahrzeuge waren deshalb im Einsatz.

Auch im Grenzgebiet kam es zu Behinderungen im Zug- und Straßenverkehr. Bei Roermond hatten sich die Folienabdeckungen eines Spargelfeldes gelockert und flogen teilweise auf die angrenzende Bahnstrecke. Polizei und Feuerwehr sicherten die losgerissenen Abdeckungen bevor diese Schaden anrichten konnten. In Venlo musste die Autobahn A67/A40 zeitweise gesperrt werden, nachdem Teile eines Betriebsdaches in Richtung der Autobahn flogen. Es wurde eines Geschwindigkeitsbegrenzung angeordnet, die vermutlich bis Mitternacht andauern wird.

Mit teilweise extremen Orkanböen erreichte das Tief Bayern. Wegen Sturmschäden wurde die ICE-Strecke zwischen München und Augsburg gesperrt. Es stand nach Angaben eines Bahnsprechers zunächst nicht fest, wann der Verkehr wieder freigegeben werden würde.

Am Frankfurter Flughafen kam es wegen des Sturms zu vereinzelten Verspätungen, wie der Betreiber Fraport mitteilte. Eine von drei Startbahnen konnte am Morgen wegen des starken Windes nicht genutzt werden.

Extreme Orkanböen wurden laut dem Wetterdienst am Morgen auf der Zugspitze (164 km/h), dem Feldberg im Schwarzwald (151) und auf dem Weinbiet bei Neustadt an der Weinstraße (148) gemessen. Im Flachland habe es verbreitet Orkanböen von mindestens 118 Kilometern pro Stunde gegeben.

Das stürmische Wetter bleibt Nordrhein-Westfalen erhalten. „Letztendlich geht das bis zum Dienstagabend so weiter. Wir müssen mit der Windstärke 9 bis heute Abend leben”, sagte Ines Wiegand, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Essen.

Der bisherige Höchstwert des Tages wurde auf dem Kahlen Asten gemessen mit knapp 116 Stundenkilometern. „Das ist eine gute Windstärke 11”, sagte die Meteorologin. Ansonsten gebe es verbreitet Windgeschwindigkeiten zwischen 80 und 90 Stundenkilometern. Eine Warnung vor Unwetter und orkanartigen Böen veröffentlichte der Wetterdienst für das Bergland sowie den Norden und Osten von NRW.

Die Wetterexpertin sagte, auch die Nacht auf Mittwoch bleibe stürmisch. Für Mittwoch sei Schauerwetter angekündigt, und tagsüber müsse mit Windstärke 8 gerechnet werden. Für Donnerstag sagte sie: „Ganz raus ist der Wind dann noch nicht.”

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