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Verkehrsprojekte: Der Kampf um die Zukunft der Region

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Heute Kraftwerk, morgen Logistik: Spätestens wenn der Tagebau Inden 2030 ausgekohlt ist, soll nahe des Kraftwerks Weisweiler ein Logistikzentrum entstanden sein. Die Politik hofft, so viele der durch das Ende der Braunkohle wegfallenden Arbeitsplätze ersetzen zu können. Foto: stock/A. Prost

Aachen/Düren. Helmut Etschenberg hatte sich auch Donnerstagmittag noch nicht richtig beruhigt, er schimpfte, wetterte und zeterte. „Unsere Grenzregion spielt in Düsseldorf und Berlin überhaupt keine Rolle“, sagte Etschenberg, „Ich erlebe das nicht zum ersten Mal.“

Was Etschenberg derart verärgerte, war die vorläufige Entscheidung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), kein drittes Gleis für die Bahnverbindung Aachen-Köln zu bauen. Wer weiß, wie bedeutend der Ausbau der Infrastruktur für die Region Aachen- Düren-Heinsberg ist, kann Etschenbergs (CDU) Aufregung verstehen: Er ist als Städteregionsrat gewissermaßen auch ihr oberster Zukunftsplaner.

Doch ein gutes Zeichen?

Dabei ist es nicht allein das verwehrte dritte Gleis, es ist auch der Ausbau der A4 zwischen Holland und dem Kreuz Aachen und der A44 zwischen Broichweiden und dem Aachener Kreuz, der Etschenberg aufbringt. Im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans, den Dobrindt am Donnerstag vorstellte und in dem die vom Bund geförderten Projekte aufgenommen sind, ist kein einziges Großprojekt für die Region zu finden.

Etschenberg sagt: „Wir können uns das nicht gefallen lassen.“ Er regt an, vor der Verabschiedung der endgültigen Fassung des Bundesverkehrswegeplans noch einmal bei der Bundesregierung vorstellig zu werden und die Wichtigkeit der Projekte dort erneut vorzutragen.

Etschenbergs Dürener Amtskollege, Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU), versucht, der Entscheidung gegen das dritte Gleis etwas Positives abzugewinnen, denn immerhin: Dass die Bahnverbindung Aachen-Düren schneller werden muss, steht ausdrücklich in Dobrindts Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan. „Ich habe das so erwartet“, sagt Spelthahn, „für die große Lösung drittes Gleis gibt es keine Chance.“ Aber immerhin: Es wird ein Überholgleis am Bahnhof Aachen-Rothe Erde geplant und eines am Bahnhof Eschweiler. Dass beide Gleise in den nächsten Jahren gebaut werden können, sieht Spelthahn als gutes Zeichen.

Dennoch verweist er darauf, dass die aktuelle und die vorherigen nordrhein-westfälischen Landesregierungen möglicherweise in Berlin nicht genügend für die Verkehrsprojekte der Region geworben haben. „Berlin zeigt auf Düsseldorf, Düsseldorf zeigt auf Berlin, und wir als kleine Region werden zwischen Landes- und Bundespolitik zerrieben“, sagt Spelthahn. Auch er will gemeinsam mit Etschenberg und anderen Akteuren in Berlin nochmals für die Verkehrsprojekte werben, die für die Zukunft der Region von großer Bedeutung sind, wie viele glauben.

Zu denen, die die Region Aachen-Düren-Heinsberg bereits als künftiges Logistikzentrum sehen, gehört auch Michael Bayer, Hauptgeschäftsführer der für die gesamte Region zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen.

Eigentlich ist es eher Spekulation als gesicherte Erkenntnis, dass sich durch ein oder mehrere Logistikzentren zumindest ein Teil der 26.000 Arbeitsplätze ersetzen ließe, die durch das Ende der Braunkohle bis spätestens 2045 verloren gegangen sein werden; denn wer soll heute schon wissen, wie die Welt in 30 Jahren aussieht?

Dennoch spricht Bayer, als sei die Bedeutung der Logistik für die Region bereits Gewissheit. Allein aus dem Seehafen Antwerpen würden jährlich 55 Millionen Tonnen Güter über Aachen und Düren nach Deutschland und Osteuropa transportiert, Bayer glaubt, daraus müsse sich für die regionale Wirtschaft Kapital schlagen lassen.

Ebenso wie Etschenberg ist er enttäuscht, dass in den nächsten Jahren kein wirklich großes Verkehrsprojekt in der Region verwirklicht wird, der Entwurf des Bundesverkehrswegeplans sei „in der Summe sicher kein Meilenstein“ für seinen Kammerbezirk. „Das ist ein klares Signal, dass wir uns als Region auf die Hinterbeine stellen müssen, um für unsere Zukunft gemeinsam etwas zu erreichen“, sagt Bayer. Er glaubt, viele hätten „zu lange unterschätzt, wie wichtig der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur für uns ist“.

Bayer hofft, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, und darin ist er sich mit den Bundestagsabgeordneten Ulla Schmidt (SPD, Aachen), Helmut Brandt (CDU, Alsdorf) und Rudolf Henke (CDU, Aachen) einig. Alle drei Abgeordneten teilten mit, die kommenden Wochen zu nutzen, um nochmals im Bundesverkehrsministerium für die Projekte in der Region zu werben.

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