Vergewaltigung und versuchter Totschlag: Prozessauftakt in Heerlen

Von: Angela Delonge, Jos Emonts und Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
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Hamid S. ist auch in Deutschland registriert – und hier ebenfalls polizeibekannt. Symbolbild: imago/Ralph Peters

Maastricht/Aachen. In Maastricht hat am Freitag der Prozess gegen einen 19-jährigen Mann wegen Vergewaltigung und versuchten Totschlags begonnen. Der Vorwurf gegen den aus Libyen stammende Aslybewerber lautet, er habe eine 51-jährige Frau aus Heerlen missbraucht und versucht, sie zu ersticken.

Der 19-Jährige, der in den Niederlanden in Haft sitzt, ist in Deutschland ebenfalls als Asylbewerber registriert und auch hierzulande schon straffällig geworden. Das haben Recherchen unserer Zeitung und der niederländischen Zeitung De Limburger ergeben.

Wie die Staatsanwaltschaft Leipzig gegenüber unserer Zeitung bestätigte, ist Hamid S. Anfang vergangenen Jahres bereits in Leipzig wegen sexueller Nötigung angeklagt gewesen. Das Verfahren wurde aufgrund mangelnder Beweise eingestellt, teilte Staatsanwältin Jana Friedrich mit. Das Jugendschöffengericht verurteilte den Angeklagten jedoch im Mai 2016 wegen verschiedener kleinerer Delikte zu vier Wochen Dauerarrest.

In Deutschland laufen derweil noch Ermittlungen gegen Hamid S. wegen Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz. Ende September 2016 war er ohne gültige Aufenthaltspapiere am Aachener Hauptbahnhof von der Bundespolizei aufgegriffen worden.

Nach Auskunft von Behördensprecherin Katja Schlenkermann-Pitts hatte die Staatsanwaltschaft Aachen damals ein Ermittlungsverfahren gegen Hamid S. wegen Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz eingeleitet, den Fall jedoch an die Staatsanwaltschaft Leipzig abgegeben, nachdem festgestellt worden war, dass er bei der dortigen Ausländerbehörde gemeldet war.

Abschiebung stand bevor

Obwohl sowohl die Leipziger als auch die Maastrichter Staatsanwaltschaft es inzwischen für möglich halten, dass S. mit wechselnden Identitäten unterwegs war, seine Konflikte mit der deutschen Justiz waren den niederländischen Behörden bis zum Prozessauftakt nicht bekannt.

Polizeichef Gery Veldhuis versichert, keine Fehler begangen und nach geltendem Recht gehandelt zu haben. Hamid S. hatte sich in den Niederlanden als asylsuchend gemeldet und sei dort wie jeder andere Asylbewerber registriert worden. Er sei in der Unterkunft in Imstenrade in Heerlen untergebracht worden. Seit seiner Festnahme Mitte Oktober in Heerlen sollte S. nach Deutschland abgeschoben werden, weil er dort zuerst Asyl beantragt hatte.

Hamid S. leugnete am Freitag zum Prozessauftakt, der Frau Gewalt angetan zu haben. Auch von Vergewaltigung wollte er nichts wissen. Laut seinem Anwalt habe die Frau sich ihm als Prostituierte angeboten, er habe ihr 20 Euro für Sex gezahlt. Das Opfer war am 13. Oktober 2016 bewusstlos von der Polizei aufgefunden worden – mit einer leichten Gehirnerschütterung und einem blauen Auge.

Nach Aussage der Frau soll der Angeklagte ihr vier Finger so in den Hals gesteckt haben, dass sie keine Luft mehr bekommen habe. Laut Sachverständigen seien jedoch keine Spuren von Verletzungen in ihrem Hals gefunden worden. Eine DNA-Untersuchung steht noch aus. Auch eventueller Drogengebrauch soll noch untersucht werden.

Hinweis: Aufgrund eines Übersetzungsfehlers in dem gemeinsam mit unseren niederländischen Kollegen der Zeitung De Limburger recherchierten Sachverhalt war in einer früheren Version des Artikels zu lesen, die 51-jährige Frau sei getötet worden. Tatsächlich erlitt sie Verletzungen. Nach ihrer Aussage habe der Angeklagte versucht sie zu töten. Wir entschuldigen uns für den Fehler.

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