Aachen - Vergewaltiger vom Westfriedhof muss ins Gefängnis

Vergewaltiger vom Westfriedhof muss ins Gefängnis

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Der Angeklagte Enrico P. mit seinem Anwalt vor dem Landgericht. Foto: Ralf Roeger
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Mit diesem Foto hatte die Polizei nach dem 24-Jährigen gefahndet. Foto: Polizei

Aachen . Dreieinhalb Jahre nach der ersten von insgesamt drei Taten am 14. April und 26. Oktober 2014 sowie am 25. März 2015 in Aachen und Übach-Palenberg ist der erst 24-jährige Vergewaltiger Enrico P. aus Aachen am Freitag zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Die 5. Große Strafkammer des Landgerichts Aachen unter Vorsitz von Richterin Regina Böhme ging damit noch um ein Jahr über das von der Staatsanwaltschaft beantragte Strafmaß hinaus, der Täter sei voll schuldfähig, hieß es.

Das Gericht bestimmte zusätzlich, dass sich Enrico P. einer Therapie unterziehen muss, während er seine Strafe verbüßt. Sollte die Therapie nicht erfolgreich sein und P. damit weiter eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen, könne eine künftige Strafvollstreckungskammer immer noch entscheiden, den Häftling zu einer anschließenden Sicherungsverwahrung zu verurteilen, so die Richter.

Eigentlich ist Enrico P. das, was man landläufig einen „netten Jungen“ nennt: freundlich, mit weichen Zügen, einer, der schnell weint, wenn er mit schlimmen Tatsachen konfrontiert wird.

Umso unbegreiflicher erscheinen die ebenso brutalen wie heimtückischen Taten, die der damals 22-Jährige Einzelhandelskaufmann und Freizeitfußballer an wehrlosen Frauen verübte – häufig nach dem Fußballspiel, immer dann, wenn er Alkohol getrunken hatte und wenn er den Drang verspürte, sich nackt und mit entblößtem Geschlechtsteil fremden Frauen zu zeigen, zu „exhibieren“, wie die Gutachter es nennen.

„Enrico P.“, so die Vorsitzende Richterin am Freitag, „erscheint vordergründig wie ein ganz normaler junger Mann.“ Aber, so schränkte sie in der Urteilsbegründung drastisch ein: „Die Sachverständigen haben massive Problem in seiner Persönlichkeit aufgedeckt“, Probleme, die er bearbeiten müsse, falls er nicht ein Leben lang hinter Gitter bleiben will.

Enrico P. hatte zunächst im Außenbezirk Aachen-Richterich, dann Monate später auf einer Hauptverkehrsstraße in Aachen und schließlich nachts mitten auf einer Straße in Übach-Palenberg seine weiblichen Opfer von hinten angefallen und dabei eine der Frauen brutal vergewaltigt.

Fast zwei Jahre lang wurde nach dem Vergewaltiger gefahndet. Auch bundesweite Aufrufe wie von der TV-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ blieben zunächst ohne Erfolg. Das habe wohl auch daran gelegen, vermutete die Richterin, dass P. kurz nach seiner letzten Tat „eine ganz normale Beziehung“ begonnen und sein Leben dadurch mit einem bürgerlichen Korsett versehen hatte.

Ps Freundin berichtete im Zeugenstand, sie habe rein gar nichts anormales oder von der Norm abweichendes im Sexualverhalten ihres Freundes bemerkt. Doch die andere Seite von Ps Sexualleben mussten drei Frauen ausbaden, eine 17-Jährige, eine 18-Jährige und eine 33-Jährige. Am schlimm­sten traf es – ohne das Leid der jüngeren Frauen schmälern zu wollen – die 33-jährige Joggerin in Aachen, die P. nicht nur im Gebüsch neben der Straße vergewaltigte, sondern ihre Schreie mit einem Knebel erstickte und sie bei der Tat mit dem Tod bedrohte.

Höchste Achtung vor dem Opfer

„Dieses Opfer nötigt uns höchste Achtung ab“, erklärte die Richterin. Die Zeugin habe sich drei Jahre lang tapfer„zurück in ihr Leben gekämpft“. Alle drei Frauen kämpfen bis heute um ein normales Leben, das P. mit seinen Sex-Überfällen abrupt zerstörte.

Befriedigende Erklärungen, warum der junge Mann seine Sexualität derart brutal und pervers ausleben musste, fanden letztlich auch die Gutachter nicht.

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