Köln - Verflechtungen nach Conterganskandal? Prozess soll Klarheit bringen

Verflechtungen nach Conterganskandal? Prozess soll Klarheit bringen

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:
Gruenenthal_2007
Die Aachener Firma Grünenthal, die damals noch ihren Sitz in Stolberg hatte, hatte das Schlafmittel Contergan 1957 auf den Markt gebracht. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Köln. Hat es Verflechtungen zwischen dem Aachener Conterganhersteller Grünenthal, und der Conterganstiftung gegeben, die Renten auch aus Steuermitteln an die Opfer zahlt? Um diese Frage geht es im Kern am Donnerstag in einem Zivilverfahren am Oberlandesgericht Köln.

Darin klagt der Contergangeschädigte Andreas Meyer gegen die Behauptung, er habe 2013 als Sachverständiger im Familienausschuss des Bundestags nicht die Wahrheit gesagt. Damals hatte er gesagt, Grünenthal habe 30 Jahre lang Zugang zu medizinischen Akten der Conterganopfer in der Conterganstiftung gehabt. Außerdem habe das Unternehmen die medizinischen Gutachter der Stiftung bezahlt.

Ein früherer Stiftungsvorstand schrieb in einem Brief an die Abgeordneten, Meyer habe die Unwahrheit gesagt. Meyer, der Vorsitzender des Bund Contergangeschädigter und Grünenthalopfer ist, klagt auf Unterlassung und Widerruf.

Das Landgericht Bonn war in erster Instanz zu dem Schluss gekommen, dass Grünenthal sehr wohl Zugang zu den medizinischen Akten der Conterganstiftung hatte. Der langjährige Anwalt des Unternehmens war demnach gleichzeitig von 1972 bis 2003 Vorsitzender der medizinischen Kommission der Conterganstiftung. In dieser Funktion entschied er maßgeblich mit, wer als Conterganopfer anerkannt wurde und wer welche Zahlungen bekam. Dass Grünenthal die medizinischen Gutachter bezahlte, stellten die Richter dagegen nicht fest und wiesen die Klage in dem Punkt ab.

Die Conterganstiftung für behinderte Menschen wurde infolge des größten Arzneimittel-Skandals der deutschen Nachkriegsgeschichte gegründet. Da mit der Stiftungsgründung deutsche Betroffene keine weiteren Ansprüche gegen Grünenthal mehr geltend machen können, empfinden viele Opfer das Stiftungsgesetz als Entrechtung zugunsten von Grünenthal. Die Stiftung steht unter der Rechtsaufsicht des Bundesfamilienministeriums.

1957 hatte das Pharmaunternehmen Grünenthal, das damals noch seinen Sitz in Stolberg hatte, das Schlafmittel Contergan auf den Markt gebracht. Damals wurde es von vielen Schwangeren genommen. Etwa 5000 Kinder kamen dadurch in Deutschland mit schweren Missbildungen an Armen und Beinen auf die Welt. In einem Prozess schloss Grünenthal mit den Eltern der Kinder einen Vergleich zur Zahlung von 100 Millionen Mark (rund 51 Millionen Euro), die in die Stiftung einflossen.

Die Homepage wurde aktualisiert