Verfahren gegen Aachener Ärztin: Organe des Toten sollen Auskunft geben

Von: wos
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Lydia H.
In dem Verfahren gegen die Aachener Ärztin Lydia H. will ein neuer Gutachter aus Bonn herausfinden, wann die tödliche Morphin-Dosis verabreicht wurde. Foto: dpa

Aachen. Donnerstag haben erneut die Aussagen forensischer Gutachter im Prozess gegen die Aachener Ärztin Lydia H. (36) im Zentrum gestanden.

Nachdem ihr Kölner Verteidiger Reinhard Birkenstock in seinem Schlussvortrag massive Zweifel am Szenario der Staatsanwaltschaft vorgetragen hatte, hatte sich das Aachener Schwurgericht (Vorsitz Richter Gerd Nohl) dazu entschlossen, den Beweisanträgen der Verteidigung nachzugehen und weitere toxikologische Gutachten zum Tod des 85-jährigen Rentners Hermann H. im Februar 2011 einzuholen.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die Anästhesistin, ihren Ehemann aus Habgier mit einer Überdosis Morphium getötet zu haben, dies heimtückisch und aus Habgier, weil der 50 Jahre ältere Mann hinter eine neue Beziehung gekommen war und sie kurzfristig habe enterben wollen.

Im Verfahren ging es unter anderem um die Höhe der Dosis und die Art und Weise der Verabreichung. Denn Anwalt Birkenstock hatte in den Raum gestellt, auch eine Selbsttötung des alten Mannes komme in Frage - oder eine schleichende Vergiftung mit dem Opiat über mehrere Wochen.

Bislang lag den ärztlichen Einschätzungen zur Todesursache ein toxikologisches Gutachten eines Kölner Biologen aus der dortigen Rechtsmedizin zugrunde. Er trug sein Ergebnis, dass die Überdosis Morphin nur durch eine Injektion erklärbar sei, am Donnerstag nochmals vor.

Der hinzugezogene neue Toxikologe des Instituts für Rechtsmedizin der Uni Bonn, Prof. Frank Mußhoff, konnte letztlich auf die Frage des Richters, wer denn dem Opfer H. das zugefügt habe, keine eindeutige Antwort geben. Doch auch der Bonner Biologe bestätigte, dass es eine tödliche Dosis des Opiats war, die im Körper des Rentners hinterlassen wurde - von wem auch immer.

Allerdings fehlten dem Bonner Gutachter weitergehende Untersuchungen der Organe des Toten, die einen Rückschluss auf den Verabreichungszeitpunkt des Morphiums geben könnten. Denn bestimmte Konzentrationen etwa im Herzblut oder der Leber des Toten ließen Rückschlüsse zu, wann das Mittel in den Körper gekommen sei. Das Gericht willigte in weitere Untersuchungen ein, deren Ergebnisse nun am 13. März vorgetragen werden sollen.
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