Aachen - Verbraucherschützer kritisieren Ticketpraxis zur Reit-EM

Verbraucherschützer kritisieren Ticketpraxis zur Reit-EM

Von: Claudia Schweda
Letzte Aktualisierung:
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Die deutsche Reitelite wird bei der Reit-EM 2015 in Aachen antreten. Eintrittskarten sind schon erhältlich. Kritisiert wird, dass sie schon heute voll bezahlt werden müssen. Foto: dpa

Aachen. Der Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) wird von den Verbraucherschützern für seine Ticketpraxis kritisiert: Wer heute eine Karte für die Reit-EM in Aachen erwirbt, die erst in über zwei Jahren im August 2015 stattfindet, muss bereits heute den vollen Ticketpreis zahlen.

 „Eine derartige Vorauskasse ist nicht mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch vereinbar“, sagt Beate Wagner, Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW. Diese Vertragsbestimmungen verstießen klar gegen das Prinzip „Ware gegen Geld“. Demnach müsse ein Kunde erst dann zahlen, wenn er die Leistung erhalten habe.

Vor genau diesem rechtlichen Hintergrund hatten die Verbraucherschützer vor drei Wochen sechs Fluggesellschaften wegen ihrer Praxis der Vorauskasse abgemahnt. Auch in dieser Branche wird meist sofort bei der Buchung – oft viele Monate vor der Reise – der gesamte Preis fällig. Die Juristen der Verbraucherzentrale kritisieren, dass damit das Veranstalter-Risiko auf die Kunden abgewälzt und den Firmen ein zinsfreier Kredit in Millionenhöhe gewährt werde. Gesetzeskonform wäre in ihren Augen, wenn der volle Preis frühestens 30 Tage vor der Leistungserbringung gezahlt werden müsste.

Den Verbraucherschützern in Düsseldorf ist nach ihrer Erinnerung bislang noch kein Fall in NRW bekanntgeworden, bei dem über zwei Jahre vor der Veranstaltung der volle Ticketpreis verlangt wurde. Das könnte daran liegen, dass es nur wenige internationale Veranstaltungen auf diesem Niveau gibt, die ausschließlich in NRW ausgerichtet werden. Denn Sportfans kennen diese Ticketpraxis für meist noch viel teurere Eintrittskarten von allen Großereignissen wie Formel 1, Fußball-WM oder -EM und den Olympischen Spielen. Auch in diesen Fällen könnte man dem Veranstalter wegen der lange im voraus fälligen Ticketpreise den gleich lautenden Vorwurf machen.

Der ALRV, der jedes Jahr den CHIO ausrichtet, verteidigt sein Vorgehen mit Verweis auf die nötige Planungssicherheit: „Wir können nicht auf gut Glauben 40.000 Karten verkaufen und am Ende bleibt das Stadion leer und wir auf den Kosten sitzen“, sagt ALRV-Sprecher Niels Knippertz. Eine Veranstaltung wie die Reit-EM sei konservativ und sehr seriös kalkuliert, „dazu gehört der Erlös durch den Kartenverkauf“. Und dem Kunden seien die Vertragsbedingungen klar: „Wer eine Karte kauft, weiß, dass er sie sofort bezahlen muss“, sagt Knippertz.

Helmut Soiron aus Aachen ist einer der Käufer. Und er nennt das Vorgehen des ALRV in Sachen Reit-EM „Abzocke“. Der 74-jährige pensionierte Versicherungskaufmann besorgt „schon seit 15 oder 20 Jahren“ zwei CHIO-Dauerkarten für seine Frau Anneliese und deren Freundin. Und echte Fans des Aachener Turniers wollen auch die Reit-EM nicht verpassen. 218 Euro pro Dauerkarte für einen Sitzplatz auf der Gegentribüne für die – voraussichtlich – vier Springreit-Turniertage muss Soiron dafür an den ALRV überweisen – inklusive aller Gebühren, „Zahlungsziel 7. Juni 2013“ steht auf der Rechnung. „Woher weiß ich, ob meine Frau in über zwei Jahren da überhaupt noch hingehen kann?“, fragt Soiron. Trotzdem hat er das Geld überwiesen. „Um die Plätze zu sichern.“

Bei attraktiven Veranstaltungen handeln viele Kunden so. „Und die Veranstalter nutzen das aus“, sagt die Juristin der Verbraucherzentrale. In ihren Augen ist die gängige Ticketpraxis eine Verletzung der allgemeinen Rechtsgrundsätze. Ob das auch die Richter so sehen, wird aber wohl erst das Gerichtsverfahren um die Vorkasse-Praxis der Fluggesellschaften zeigen – und das steht erst ganz am Anfang.

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