Aachen - Verband warnt: 320 Lotto-Filialen in NRW droht das Aus

Verband warnt: 320 Lotto-Filialen in NRW droht das Aus

Von: Madeleine Gullert
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Statt 100 Euro zahlen die Filial-Betreiber nun 1250 Euro. Das stellt viele vor Probleme. Foto: dpa

Aachen. Schwere Zeiten für die Lotto-Annahmestellen in Nordrhein-Westfalen: Laut dem Lotto- und Toto-Verband NRW droht bis zu 320 Filialen im Land das Aus. Hintergrund: Die Bezirksregierungen haben in Absprache mit dem Innenministerium seit 1. Oktober die Gebühr für eine Fünf-Jahres-Lizenz erhöht.

Statt 100 Euro zahlen die Filial-Betreiber nun 1250 Euro, das Zwölffache. Die Bezirksregierungen erteilen den Besitzern mit der Lizenz die Erlaubnis, Lottoscheine zu verkaufen. Die Lizenzen laufen bei Neuvergabe oder Verlängerung immer fünf Jahre lang.

Tobias Buller, Vorstandsmitglied des Lotto- und Toto-Verbandes NRW, findet die Erhöhung völlig unangemessen. Die Filialen, die im unteren Umsatzbereich liegen, hätten es jetzt schon schwer, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Mit der Erhöhung müssten die betroffenen 320 Annahmestellen schließen, ist sich Buller sicher. In der Region seien insbesondere Lotto-Filialen im ländlichen Raum betroffen. Außerdem spielen heute viele Menschen über das Internet. „In einer großen Stadt wie Aachen haben die Besitzer natürlich kaum Probleme“, sagt Buller. Es müssten deshalb seitens der Bezirksregierungen Unterschiede gemacht werden, ob eine Filiale mehr als 10.000 Euro im Monat umsetzte oder eben kaum etwas, fordert der Verband.

Landeskasse profitiert

Die für die Region zuständige Bezirksregierung Köln glaubt nicht an ein Sterben der Lotto-Filialen: Die Kosten pro Annahmestelle steigen auf den Monat runtergerechnet von bisher 1,66 Euro auf 20,83 Euro. „Eine monatliche Gebühr von gut 20 Euro wird die wirtschaftliche Existenz von Annahmestellen nach Auffassung der Bezirksregierungen nicht gefährden“, teilt die Pressestelle auf Anfrage mit. Jahrelang seien die Gebühren deutlich zu niedrig gewesen.

Die Erhöhung ist auf eine Änderung der Gebührenordnung des Landes NRW zurückzuführen. Sie wurde 2013 reformiert und sieht für derartige „Verwaltungsvorgänge“ wie dem Erteilen einer Lotto-Lizenz eine Gebühr aus der „mittleren Stufe vor“, also zwischen 50 bis 5000 Euro vor, vorher waren es 50 bis 1000 Euro.

In jedem Fall profitiert die Landeskasse. Von den 3600 Annahmestellen in NRW fließen statt bislang 360 000 bald 4,5 Millionen Euro in den Landeshaushalt. „Auf unsere Kosten“, moniert Buller. Ihn ärgert besonders, dass sich im Gegenzug die Provision der Betreiber seit 1997 nicht erhöht hat. Damals wurde die Provision vielmehr von sieben auf 6,55 Prozent gesenkt. Von einem verkauften Rubbellos erhält ein Verkäufer also drei Cent Provision. „Wenn man die Lizenzgebühren erhöhen kann, wäre eine Erhöhung der Provision längst überfällig“, sagt Buller. Schließlich fielen heutzutage in den Lotto-Annahmestellen mehr Aufgaben an, als noch vor einigen Jahren. Die Betreiber müssten beispielsweise überprüfen, ob jemand aus der Sperrkartei versucht, Lotto zu spielen.

Hinnehmen wollen die Betroffenen die Erhöhungen nicht. Der Lotto- und Toto-Verband hat in dieser Woche ein Kurzgutachten bei einer renommierten Kanzlei, die auf Verwaltungsrecht spezialisiert ist, in Auftrag gegeben. „Der Anwalt hat Zweifel, dass das Vorgehen so rechtens ist“, sagt Buller.

Für die Verbraucher ändert sich übrigens nichts. Das Lottospielen wird nicht teurer.

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