Aachen - Verbände fordern: Land soll Taschenrechner zahlen

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Verbände fordern: Land soll Taschenrechner zahlen

Von: Claudia Schweda
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Widerspruch vom Schulministerium: Ein grafikfähiger Taschenrechner, wie er in der Oberstufe Pflicht wird, sei kein Lernmittel. Symbolbild: dpa

Aachen. Die generelle Pflicht zum Kauf teurer grafikfähiger Taschenrechner für Schüler in der Oberstufe ab dem nächsten Schuljahr ist zwar vom Tisch. Doch jetzt, wo der vom Land angekündigte Ergänzungserlass in den Schulen angekommen ist, hat vielerorts große Ernüchterung Einzug gehalten.

„Bei vielen Schulen wird jetzt die Entscheidung fallen, dass die Taschenrechner angeschafft werden“, lautet die Prognose von Dorothea Schäfer, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW. Denn die Möglichkeit, die der ergänzende Erlass bietet, ist nur für Schulen eine echte Alternative, die bereits mit Tablets, Laptops oder Computern ausgestattet sind – oder diese bald anschaffen werden. Für alle anderen gilt der Satz: „Der Runderlass (...), in dem die Nutzung grafikfähiger Taschenrechner (...) verbindlich vorgeschrieben wurde, behält weiterhin seine Gültigkeit.“

Ergänzungserlass betrifft wenige

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) hat mit dem Ergänzungserlass auf die Klagen der Schulen reagiert, die bereits mit sogenannten Computer-Algebra-Systemen auf Rechnern oder Tablets an ihren Schulen arbeiten. Diese CAS-Rechner können auf jeden Fall das, was ein grafikfähiger Taschenrechner kann – und noch mehr. Doch ohne den Ergänzungserlass hätten diese Schulen zusätzlich die teuren Taschenrechner anschaffen müssen. Nun dürfen ihre CAS-Rechner diesen Taschenrechner ersetzen, solange die Schulen Täuschungssicherheit garantieren: Bei Prüfungen dürfen nur schuleigene Geräte eingesetzt werden. Nach Schätzungen von Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbandes NRW, sind es „kaum mehr als eine Handvoll Gesamtschulen und Gymnasien“, die dieser Ergänzungserlass betrifft. Nach GEW-Angaben sind viele Berufskollegs schon derart ausgestattet.

An fast allen Gesamtschulen und Gymnasien ist die Lage also – trotz Ergänzungserlass – unverändert: Die Eltern der kommenden Oberstufenschüler werden wohl 70 bis 90 Euro für ein Gerät ausgeben müssen, das nach Angaben von Experten nach der Schulzeit nicht mehr gebraucht wird, weil es an den Hochschulen als Hilfsmittel nicht erlaubt ist und zudem schon heute durch günstige Programme ersetzbar ist, die auf Computern, Tablets oder Laptops laufen. Silbernagel warnt davor, dass durch den Ergänzungserlass nun ein Wettlauf unter den Schulen losgetreten wird, derartige Geräte anzuschaffen. Denn das Ministerium hat die Beratungszeit ausgedehnt: Die Schulen haben nun noch bis Anfang 2015 Zeit, sich zu entscheiden.

Die GEW in NRW prognostiziert, dass das Ergebnis der Diskussion den unterschiedlichen Status der Schulen in Sachen Ausstattung verstärken wird; je nachdem, wie potent die Eltern oder der Förderverein an der jeweiligen Schule sind. Da die Einführung der digitalen Hilfsmittel im Mathematikunterricht beschlossene Sache ist, heben die Lehrerverbände in NRW die Diskussion nun auf eine andere Ebene: Sie fordern, dass der grafikfähige Taschenrechner als Lernmittel eingestuft wird. Wegen der gesetzlich verankerten Lernmittelfreiheit müssten damit die Kosten vom Staat getragen werden. Bislang zahlen die Eltern einen Eigenanteil von maximal 71 Euro pro Oberstufenschüler. Der Taschenrechner käme ab diesem Jahr mit Beginn der Oberstufe bislang noch obendrauf.

„Wenn wir die Einführung eines solchen Gerätes verlangen, dann brauchen wir Regelungen wie in Sachsen, wo die Kosten für die Geräte vom Staat getragen werden“, sagt Silbernagel. Nach Angaben der GEW haben die Eltern in diesem Bundesland erstritten, dass nicht sie die Kosten tragen müssen. In NRW beginnt nun eine Diskussion zwischen den Lehrerverbänden auf der einen und dem Schulministerium auf der anderen Seite darüber, ob der teure Taschenrechner ein Lernmittel ist, oder nicht. Laut Gesetz ist ein Lernmittel ein Schulbuch oder ein anderes Medium, das ein Schüler „über einen längeren Zeitraum“ nutzt. „Es erschließt sich mir nicht, warum ein grafikfähiger Taschenrechner oder ein anderes Gerät nicht darunter fällt“, sagt GEW-Vorsitzende Schäfer.

Das Schulministerium dagegen verweist auf Anfrage auf die Definition von Gebrauchs- und Übungsmaterial, das Eltern auf eigene Kosten „als Teil der allgemeinen persönlichen Ausstattung“ anschaffen müssen; dazu zählten auch Rechengeräte, einschließlich technischer Hilfsmittel. Für die GEW-Vorsitzende ist dagegen mehr als fraglich, ob ein grafikfähiger Taschenrechner wie ein Schreibheft zur allgemeinen persönlichen Ausstattung gehört. Die Gewerkschaft setzt sich nun für eine Änderung des Schulgesetzes ein, damit nicht nur Schulbücher, sondern auch digitale Werkzeuge unter den Lernmittelbegriff fallen.

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