Vater wegen Mordes an zweijähriger Tochter vor Gericht

Von: dpa
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Köln. Ein 38-jähriger Diplomkaufmann muss sich seit Montag wegen Mordes an seiner zweijährigen Tochter vor dem Kölner Landgericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Zweijährige im Juli letzten Jahres in seiner Kölner Wohnung umgebracht zu haben. Hintergrund der Tat soll ein Streit zwischen dem Vater und seiner Ex-Lebensgefährtin, der Mutter des Kindes, gewesen sein. Dabei ging es um das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Zweijährige, das vor der Tat der Mutter zugesprochen worden war.

Vor Gericht ließ der Angeklagte am Montag durch seinen Verteidiger erklären, für den Tod seiner Tochter verantwortlich zu sein. Er könne sich aber an kein einziges Detail der Tat erinnern.

Seine Erinnerung setze erst wieder ein, als er Plastiktüten gesucht habe, mit denen er sich selbst habe ersticken wollen. Dies sei jedoch misslungen, genauso wie die Absicht, sich von einer Brücke bei Koblenz in die Mosel zu stürzen. In Koblenz hatte sich der 38-Jährige am Tag nach der Tat bei der Polizei gestellt.

Nachdem die Mutter das Kind am 3. Juli 2011 beim Vater abholen sollte, habe der Angeklagte den Entschluss gefasst, zuerst das Kind und dann sich selbst zu töten, so die Anklageschrift.

Als Motiv gehen die Ermittler von Rache aus: Der 38-Jährige habe die Mutter für die Wegnahme des Kindes abstrafen wollen. Die Anklagebehörde geht davon aus, dass er das Kind erstickt hat. Eine genaue Todesursache steht nicht fest. Nach der Tat soll der Vater mehrere Selbstmordversuche unternommen haben.

Vor Gericht schilderte er am Montag ausführlich den Streit nach der Trennung des Paares um das gemeinsame Kind. Der Streit habe ihn Tage und Nächte beschäftigt.

Den Prozessakten zufolge hatte sich der als selbstständige Unternehmer vor der Tat im Internet über Fälle von Selbstmorden informiert, bei denen auch Kinder mit in den Tod genommen worden waren. Vom Gericht befragt, ob er vor der Tat einen „Rosenkrieg” mit seiner Ex-Lebensgefährtin ausgetragen habe, antwortete er ohne zu zögern: „Ich glaube, wir waren da mitten drin”.

Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage bis zum 25. April vorgesehen.

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