Düsseldorf - Vandalen und Diebe machen Bauern arm

Vandalen und Diebe machen Bauern arm

Von: Marc Pesch, dapd
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Kartoffeln
„Teilweise kommen die Leute mit Eimern, graben die Kartoffeln aus und verschwinden”, schimpft Landwirt Gerd Bayer. Die Schäden seien beträchtlich: „Pro Ernte geht das in die Tausende.” Foto: dapd

Düsseldorf. Viele Landwirte in Nordrhein-Westfalen haben in der jetzt zu Ende gehende Erntezeit Einbußen durch Vandalismus oder Langfinger hinnehmen müssen. Sie ärgern sich über Hunde, die durch ihre Felder streunen und für Schäden sorgen, oder Diebe, die ihnen bisweilen im großen Stil die Ernte stehlen.

„Auch wenn es keine amtliche Statistik dazu gibt, haben wir doch vor allem in Nähe der Großstädte viele Schäden durch Hunde sowie Diebstahl oder Vermüllung”, sagt der Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW, Bernhard Rüb. Die Sachschäden für den einzelnen Landwirt können sich da schnell auf mehrere Tausend Euro belaufen.

„Schauen Sie sich das mal an”, ärgert sich etwa Landwirt Kai Kottmann aus Grevenbroich am Rande seines Weizenackers. Das Feld sei voll „mit Hundehaufen”. Zudem liefen die Vierbeiner rechts und links am Wegesrand auf einer Breite von mehreren Metern immer wieder den Weizen platt. „Für mich ist das ein Rätsel, warum Hundehalter so etwas nicht verhindern und ihre Tiere nicht an der Leine halten”, sagt Kottmann verärgert.

„Schließlich landen die Haufen hier auf einem Lebensmittel”. Persönliche Gespräche mit den Hundebesitzern bringen nach Angaben von Kottmann oft nichts. Viele Hundehalter bestritten, dass ihr Hund solche Schäden verursache.

Kottmann steht mit seinen Beschwerden stellvertretend für viele Bauern in NRW. Die Probleme der Landwirte vor allem in den Ballungsgebieten rund um Köln, Düsseldorf und Bonn sind den Verantwortlichen der Landwirtschaftskammer Rheinland bekannt.

„Es gibt Felder, da finden sie ganze Labyrinthe mit Hundespuren. Sie treten die Pflanzen platt, hinterlassen ihre Haufen, und die Besitzer halten das obendrein auch noch für ganz normal”, sagt Kammersprecher Rüb. Zudem könnten die Tiere Parasiten verbreiten, die dann auch die Pflanzen befallen könnten.

Dabei müssten Spaziergänger wissen, dass sie auf den landwirtschaftlichen Wegen lediglich geduldet sind, sagt Rüb. „Diese Wege sind zunächst mal für die Bauern da. Die wiederum haben zwar in aller Regel nichts dagegen, wenn sie auch von Joggern, Radfahrern oder Hundehaltern genutzt werden.„ Ein Anrecht darauf bestehe aber nicht, das Betreten der Felder sei sogar verboten.

Auf den Feldern in der benachbarten Schweiz beispielsweise stünden Schilder, wonach jedes Betreten der landwirtschaftlichen Flächen mit einem Bußgeld geahndet wird. „Die Schweizer sind hier rigoros”, sagt Rüb.

In NRW versucht es die Landwirtschaftskammer derzeit zunächst mit einem Flugblatt. „Wir möchten Spaziergängern und Hundehaltern dadurch klar machen, welche Bedeutung die Felder für die Bauern haben und wie wichtig ein vernünftiges Verhalten und gegenseitige Rücksichtnahme sind.”

Auch Diebstähle bereiten den Bauern Sorgen. Landwirt Gerd Bayer berichtet von gestohlenen Obstbäumen, verschwundenem Mais und anderen Früchten. „Teilweise kommen die Leute mit Eimern, graben die Kartoffeln aus und verschwinden”, schimpft er. Auch hier sind die Schäden beträchtlich. „Pro Ernte geht das in die Tausende.”

Das Problem der Landwirte: Eine Anzeige bei der Polizei wegen Diebstahls bringt sie nach eigenen Angaben nur selten weiter. „Das wird dort oder spätestens bei der Staatsanwaltschaft als Bagatelle abgetan”, sagt Bayer, „damit haben Sie mehr Mühe als sonst was.”

Nach Angaben von Rüb gibt es auch das Phänomen des professionellen Feldklaus. „Da werden dann tonnenweise Erdbeeren, Äpfel oder Kartoffeln gestohlen”, sagt der Sprecher. In einem Fall seien nicht nur die Äpfel, sondern auch gleich noch die Bäume mitgenommen worden. Zu den Motiven für Diebstähle sagt Rüb: „Hunger dürfte wohl nicht der Hauptgrund sein.” Offenbar fänden es manche Täter einfach chic, sich gratis auf dem Feld zu bedienen.
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