Aachen - Urteil im Prozess zwischen Ex-Alemannen Klitzpera und Heinen

Urteil im Prozess zwischen Ex-Alemannen Klitzpera und Heinen

Von: Helga Raue
Letzte Aktualisierung:
14194229.jpg
Vor Gericht: Der ehemalige U-19-Co-Trainer Harald Heinen darf nicht mehr behaupten, Alemannia Aachens Ex-Sportdirektor Alexander Klitzpera (Bild) habe ihn „dreckiger kleiner Belgier“ genannt. Zwischen beiden hatte es eine körperlichen Auseinandersetzung gegeben.
14194228.jpg
Vor Gericht: Der ehemalige U-19-Co-Trainer Harald Heinen (Bild) darf nicht mehr behaupten, Alemannia Aachens Ex-Sportdirektor Alexander Klitzpera habe ihn „dreckiger kleiner Belgier“ genannt. Zwischen beiden hatte es eine körperlichen Auseinandersetzung gegeben.

Aachen. Lange war Peter Schubert nicht mehr in Aachen. Doch das Wiedersehen des Trainers mit den ehemaligen Weggefährten bei der Alemannia wie Co-Trainer Reiner Plaßhenrich, Torwarttrainer Ralf Westig und Athletiktrainer Stefan Kniat war unfreiwillig. Man traf sich vor Gericht wieder, als geladene Zeugen im Prozess zwischen Alemannias ehemaligem Sportdirektor Alexander Klitzpera und Harald Heinen, früher Co-Trainer der U 19.

Doch Schubert hatte sich umsonst auf den rund 600 Kilometer langen Weg von Eutin nach Aachen gemacht, nur Plaßhenrich wurde als Zeuge gehört. Anschließend sprach das Arbeitsgericht Aachen unter Vorsitz von Klaus Brondics sein Urteil in dem Fall, der im Januar 2016 sogar mit einer Schlägerei zwischen Klitzpera und Heinen eskaliert war.

Keinen wirklichen Sieger

Einen Sieger gibt es nicht wirklich: Heinen darf nicht mehr behaupten, dass Klitzpera ihn „dreckiger kleiner Belgier“ genannt habe. Im Übrigen wurde die Klage des heutigen Chefscouts des SV Darmstadt 98, der 55 Prozent der Verhandlungskosten tragen muss, abgewiesen. Es bedeutet auch, dass Heinen weiter behaupten darf, Klitzpera hätte bereits im März 2015 von Verdachtsmomenten gegen einen früheren Aachener Jugendtrainer gewusst. Ursprünglich hatte Klitzpera dies Heinen per Einstweiliger Verfügung verbieten lassen.

„Wir sind mit dem Urteil sehr zufrieden. Die Beleidigung stand nicht im Fokus. Uns ging es nicht darum, Recht zu bekommen, sondern darum, solche Leute aus dem Verkehr zu ziehen“, kommentierte Heinens Anwalt Christoph Contzen das Urteil, dessen Begründung noch aussteht. „Eigentlich hatte Herr Heinen ein Beweislastpro-blem zu seinem Nachteil, das durch den Zeugen aber umgekehrt wurde“, kommentierte Winfried Seibert, Klitzperas Anwalt.

Gegenstand der Diskussion war die Frage, wann Klitzpera von den Verdächtigungen gehört habe. Heinen behauptete, dass Plaßhenrich den damaligen Sportdirektor bereits im März 2015 informiert hätte, dass der Jugendtrainer nicht nur 2012 einer damaligen Physiotherapie-Praktikantin anzügliche SMS und Fotos von sich geschickt hätte, sondern auch „in der Kabine geschaut und den Kindern unter die Dusche gefolgt sei, wo sie nach Niederlagen nackt kalt duschen mussten“.

Dagegen betont Klitzpera, dass er zwar im März 2015 über die Fotos in Kenntnis gesetzt worden sei, aber von den Verdächtigungen gegen den Trainer in Sachen sexueller Übergriffe erst im November 2015 nach zwei anonymen Briefen Kenntnis erlang habe.

Damals hatten die Alemannia-Verantwortlichen umgehend die Polizei informiert, die jedoch nicht einmal einen Anfangsverdacht gegen den beschuldigten Trainer feststellte. „Ich habe Reiner im März 2015 gesagt, er soll mir SMS oder Fotos als Beweise beschaffen, doch die Praktikantin wollte mit dem Thema auch nichts mehr zu tun haben. Daher war für mich die Sache abgeschlossen“, so Klitzpera. Von anderen Vorwürfen hätte er keine Kenntnis erlangt.

„Es war am 28. Februar 2015 vor dem Lotte-Spiel, als Kniat an der Bar von den Bildern an die Praktikantin und an eine Spielermutter, die seine Lebensgefährtin war, berichtete“, erinnert sich Plaßhenrich, damals als Leiter des Aachener Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) direkter Vorgesetzter der Jugendtrainer. „Er sagte zudem, besagter Trainer habe in der Kabine zugeschaut und sei in die Dusche gegangen.“

Das habe er einige Tage später Klitzpera mitgeteilt. „Beide Themen waren für mich Schwerpunkte des Gesprächs“, so der 40-Jährige. Er habe gefragt, ob er mit dem Jugendtrainer reden solle, aber Klitzpera habe gesagt, nein, das sei ein heikles Thema. „Daher bin ich davon ausgegangen, dass er selbst das Gespräch suchen wird.“

Merkwürdig bleibt in dem Zusammenhang, dass in zwei vorformulierten und von Plaßhenrich und anderen Zeugen unterschriebenen Briefen allein die Rede von den Fotos an die Praktikantin und nicht von den weiteren Vorwürfen die Rede ist. Und dass sich Plaßhenrich auf Nachfrage selbst widersprach, er habe Klitzpera nichts zum Thema Duschen gesagt.

Obwohl der „Zeuge wackelte“, wie nicht nur Seibert empfand, reichte Brondics die Aussage. „Er war als Zeuge relativ klar in seiner Aussage“, so der Richter, der beide Parteien erneut drängte, sich zu einigen. „Lasst es gut sein, lasst uns mit vereinten Kräften engagiert dafür eintreten, dass die Jugend von jedweden sexuellen Übergriffen, wie in England, ferngehalten wird. Lassen Sie uns das Ganze beenden, und als Sportsleute auseinandergehen.“

Doch sein Appell verklang erneut ungehört, auch weil Heinens Anwalt einen Vergleich ablehnte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert