Ursache für Gebäudeeinsturz in Köln weiter unklar

Von: Sabine Meuter und Michael Bosse, ddp
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Während Helfer derzeit versuchen, den immer größer werdenden Berg an geretteten Archivalien zu sortieren (Bild), werden in Münster die ersten Manuskripte gefriergetrocknet. Foto: dpa

Köln. Zwei Wochen nach dem Einsturz des Stadtarchivs und zweier benachbarter Häuser in Köln ist die Ursache für das Unglück mit zwei Toten weiter unklar. Die Bergung der Archivalien ging am Montag weiter.

Nach Einschätzung der Stadtverwaltung wird die Sicherung des Schriftgutes bis zu fünf Jahre dauern.

Am Dienstag findet im Kölner Gürzenich eine Gedenkfeier für die Opfer statt. Unter den Trümmern waren in der vergangenen Woche zwei junge Männer im Alter von 17 und 24 Jahren tot geborgen worden. Die beiden waren Bewohner von Dachgeschosswohnungen der benachbarten Häuser des Stadtarchivs, die bei dem Unglück am 3. März ebenfalls eingestürzt waren.

Nach den Verschütteten hatten Rettungskräfte tagelang unter schwierigsten Bedingungen und teilweise mit bloßer Hand gesucht. Durch den Gebäudeeinsturz verloren 60 Personen ihr Zuhause. Die Ursache für das Unglück ist weiter unklar. Am Wochenende waren erstmals Verstöße im Zusammenhang mit dem Gebäudeeinsturz und dem U-Bahn-Bau bestätigt worden. Umweltdezernentin Marlies Bredehorst sagte, einige Bauunternehmen hätten sich nicht an Auflagen zum Umgang mit Grundwasser gehalten. Statt der genehmigten vier Brunnen seien nahe der Unglücksstelle seit September 2008 15 Brunnen errichtet worden. Aus ausgewerteten Unterlagen gehe zudem hervor, dass mehr Grundwasser abgepumpt worden sei als gestattet.

Ein Sprecher der Stadtverwaltung verwies darauf, dass die erhöhte Anzahl von Brunnen und die erhöhte Fördermenge des Wassers Auflagen des Umweltschutzes beträfen und nicht zum Bereich der Baukontrolle gehörten. Dennoch müsse nun geprüft werden, ob die höhere Wasserförderung möglicherweise zur Erosion des Untergrunds geführt und damit eventuell den Einsturz verursacht habe. Dies werde von Gutachtern geprüft, auch die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet.

Die Bezirksregierung Köln forderte die Stadtverwaltung am Montag auf, die sonstigen im Zusammenhang mit dem Bau der Stadtbahn stehenden Baustellen auf wasserrechtliche Unregelmäßigkeiten hin zu überprüfen und über alle Erkenntnisse sowohl die Aufsichtsbehörde als auch die Staatsanwaltschaft unaufgefordert zu informieren. Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) wies die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) und das Umweltdezernat an, bis Mittwoch eine umfangreiche Darlegung aller Aspekte der beiden wasserrechtlichen Erlaubnisse Waidmarkt und Heumarkt vorzulegen und die Öffentlichkeit zu informieren.

Insbesondere erwarte Schramma vor dem Hintergrund des U-Bahn-Baus „eine lückenlose und nachvollziehbare Darstellung der den Bauunternehmen aufgegebenen Auflagen, der Kontrollverpflichtungen der Bauunternehmen, des Bauherrn und der öffentlichen Hand”, teilte die Stadtverwaltung mit. Am Montag durchsuchten 50 Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks das Trümmerfeld nach Archivmaterial.

Nach Angaben eines Stadtsprechers dürften die Arbeiten vor Ort noch etwa ein halbes Jahr dauern. Die entdeckten Schriftstücke würden in Container verladen und in eine Halle nach Köln-Porz gebracht. Zudem wurde der letzte Abschnitt für das Notdach fertiggestellt. Nach Angaben der Stadtverwaltung wird ein neu eingesetzter Koordinierungsstab „unverzüglich die Schritte zum Neubau eines Archivgebäudes einleiten”.

Das Haus solle in fünf Jahren fertig sein. Aufgabe des Koordinierungsstabs sei zudem, sich um die „lückenlose Aufklärung der Unglücksursache zu kümmern” sowie „die objektive Feststellung, wer dafür verantwortlich war”. Auch die Betreuung der obdachlos gewordenen Anwohner sei eine der Aufgaben des Koordinierungsstabes. Das Gremium sei Oberbürgermeister Schramma zugeordnet und ersetze den aufgelösten Krisenstab.
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