„Urban Race“: Eine ganze Stadt wird zum Spielparadies

Von: Ines Kubat
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Klettern, Hangeln oder Springen: Die Hindernisse beim ersten „Urban Race“ in Heerlen waren so unterschiedlich, wie die Strecke des Laufs. Denn der führte die Sportler durch die Stadt, über Wiesen und vor allem in eine große Sandgrube. Foto: Ines Kubat
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Spaß und Anstrengung wechselten sich beim „Urban Race“ in und um Heerlen ständig ab. Foto: Ines Kubat
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Die meisten der knapp 1000 Teilnehmer bewältigten die Strecke als Gruppe, nur wenige stellten sich den Hindernissen ganz allein. Foto: Ines Kubat

Heerlen. „Oh no!“, ruft ein Läufer entsetzt. Gerade ist er an dicken Tauen den rund 20 Meter hohen Abhang hinuntergeklettert, da muss er unten feststellen, dass er auf der anderen Seite dieselbe Höhe wieder hoch laufen muss. Als er schließlich, nach Luft schnappend, oben ankommt, entfährt ihm ein Freudenschrei:

„Yiehaa“, ruft er, zögert keine Sekunde, und surft an der anderen Seite den feinen Sand bergab.

Große Anstrengung und ein Heidenspaß wechseln sich beim „Urban Race“ am Sonntag im Takt von rund 500 Metern ab: So groß sind die Abstände zwischen den einzelnen Stationen bei diesem besonderen Hindernisrennen in Heerlen.

In vielerlei Hinsicht ist das „Urban Race“ eine Premiere, erklärt Loucette Reppenhagen, die den Lauf organisiert hat: Denn „Hindernisläufe an sich werden immer beliebter. Bisher gab es aber keinen in unserer Region.“ Das soll sich nun also ändern. Außerdem wollten die Veranstalter einen Clou einbauen und legten deshalb einen Teil der Strecke durch städtisches Gebiet. Das habe es bisher bei keinem Hindernisrennen gegeben, ergänzt Co-Organisator Patrick van der Sterren: „Unser ‚Urban Race‘ hat die Besonderheit, dass wir in der Stadt anfangen, die Sportler unter anderem sogar durch Gebäude laufen, und so die Altstadt und deren Architektur integriert werden.“ Danach führe der Weg die Läufer über Felder, durch den Wald hin zu einer großen Sandgrube.

„So nehmen wir eigentlich alle Facetten unserer Region in den Lauf auf“, sagt er und erklärt die Spielregeln: Auf einer Gesamtstrecke von 15 Kilometern sind 40 Hindernisse aufgestellt. Manche schwierig, manche etwas einfacher und einige auch kaum überwindbar. Die Läufer konnten – je nach eigener Fitness zwischen Streckenlängen von sechs, zwölf und 15 Kilometern wählen.

Doch van der Sterren warnt vorab: Ganz untrainiert sollte man nicht antreten, da man nicht nur die Distanz, sondern eben auch die kräftezehrenden Hindernisse überwinden müsse. Außerdem gäbe es noch einige Überraschungen auf dem Weg: „Feuer, Eis und ein paar Rugbyspieler“, die die Sportler ein wenig aufmischen würden, sagt van der Sterren verschmitzt, während hinter ihm bereits die ersten Läufer durchs Ziel kommen.

In ihren Gesichtern ist kaum ein Zeichen von Anstrengung zu erkennen. Höchstens die mit Schlamm bespritzten Beine lassen auf die abenteuerliche Tour schließen, die sie hinter sich gebracht haben. Wahre „Titanium Runner“ eben, wie die Organisatoren die besonders ambitionierten Teilnehmer nennen.

Während die sich schon zurücklehnen und entspannen können, haben viele Läufer die Strecke noch vor sich und wärmen sich gemeinsam für den Start auf: Am Glaspaleis im Herzen der Heerlener Altstadt, wo Start und Ziel des „Urban Race“ war, heben sich Hunderte Beine im Takt der motivierenden Musik. Hunderte durchtrainierte Beine, wohlgemerkt.

Insgesamt fast 1000 Läufer – darunter auch viele toughe Frauen – gehen am Sonntag an den Start. Die meisten kommen aus den Niederlanden oder Brüssel, so Patrick van der Sterren. Einige sind aber auch aus Aachen oder Köln angereist.

Zum Beispiel Frederike und Malte Berrenberg aus Aachen, die sich mit ihren Cousinen Ruth Symior und Corinna Kolks als Vierergruppe dem „Urban Race“ stellen: „Wir wollen eigentlich die zwölf Kilometer schaffen, aber vor allem wollen wir es zusammen schaffen.“ Ob sie Angst habe, schmutzig zu werden? „Nee, gar nicht, darum geht es ja auch ein bisschen“.

Und dass sie – genau wie viele andere Läufer – zu mehreren antraten, erweist sich spätestens dann als klug, als die Gruppe auf einen rund drei Meter hohen Container klettern soll. Mit einer Räuberleiter, und ein wenig Hilfe von Teilnehmern, die schon oben stehen, ist der Containers schnell überwunden. „Man kann die Hindernisse zwar alleine schaffen, aber das ist sehr schwer“, so Patrick van der Sterren. Und das ist auch genauso gewollt. Denn beim „Urban Race“ gehe es vor allem um eins: Teamwork. Doch viel Zeit zum Verschnaufen bleibt den Aachener Team nicht, denn die nächsten Hindernisse zum Klettern, Springen und Balancieren warten. Zum Beispiel die „Monkey bars“ (Affenstangen), ein hohes Gerüst, von dem Schlaufen herunterhängen, an denen sich die Sportler von einem zum anderen Ende hangeln.

Wie die Käfer fallen die Läufer bei dieser Station reihenweise aus der Luft, wenn sie nicht genug Kraft in den Armen haben. Ein Hindernis zu bewältigen, ist auch kein Muss, die Läufer können sie einfach überspringen, wenn die Ausdauer schwindet. Denn der Spaß und das gemeinsame Erleben soll beim „Urban Race“ im Vordergrund stehen.

Versehentliche Extrarunden

Und dass die Stimmung tatsächlich sehr gut ist, merkt man den Läufern an, die lächelnd joggen, statt verbissen auf den Boden zu starren, wie man es bei manch anderen Wettkämpfen schon mal beobachtet. Entlang des ganzen Weges feuern sie sich gegenseitig an, statt sich zu überholen.

Und selbst die Tatsache, dass die Veranstalter versehentlich ein paar Extrahürden in die Strecke eingebaut haben, tut der guten Laune der Läufer keinen Abbruch. Denn auf dem Weg läuft nicht überall alles ganz reibungslos. Beschilderungen an den Hindernissen gibt es zum Beispiel nicht. Und eine Kennzeichnung des Weges sucht man ebenfalls vergebens. Kein Wunder also, dass sich ein paar Läufer verirren: So zum Beispiel Niek van Bommel: „Wir sind fünf Kilometer extra gelaufen, weil wir den Weg nicht gefunden haben.“

Die eigentliche Strecke führt jedenfalls von der Stadt aus durch den Wald und danach zu einem besonderen Highlight: zur großen Sandgrube nahe Heerlen.

Und obwohl man beobachtet, dass die Beine im Sand schwer, und die Hindernisse höher werden, zeigen die Daumen der Aachener Gruppe noch immer nach oben: „Es ist super“, rufen sie im Vorbeilaufen. Da haben sie aber auch die „Dirty 3 kilometers“ noch nicht erreicht – einen Steilhang, den sie im Zickzack auf- und absteigen müssen: Mithilfe von Seilen, Netzen oder Reifen. Hier entdeckt man selbst bei Sportlern mit stählernen Waden die ersten Schweißperlen auf der Stirn.

Die heiße Sonne treibt die Teams schließlich durch die Sandwüste zurück in Richtung Heerlen und vor allem in Richtung Ziel. Mit Applaus begrüßen die Zuschauer die Sportler beim Zieleinlauf und feuern sie für das allerletzte und wahrscheinlich angenehmste Ziel an: den Sprung ins Eiswasser. Triefend nass steigen die Athleten aus dem Wasserbecken. Und kein einziger – ob Extrem- oder Hobbysportler – interessiert sich für seine gelaufene Zeit. Stattdessen suchen sie ihre Mitstreiter und umarmen sich, weil sie es gemeinsam ins Ziel geschafft haben.

Das Team aus Aachen springt drei Stunden nach dem Start ins Eiswasser und hat sogar die vollen 15 Kilometer bewältigt. Ohne Verletzungen und ohne Blessuren. „Nur ein bisschen Muskelkater kündigt sich an“, berichtet Ruth Symior am Abend. Das Fazit von Frederike: „Es hat total viel Spaß gemacht. Und am Ende war man noch nicht mal so dreckig, wie erwartet, weil wir zwischendurch immer wieder gebadet wurden“, sagt sie.

Ob das „Urban Race“ nun in Serie geht, können die Veranstalter bisher noch nicht sagen.

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