Düsseldorf/Jülich - Untreue: Aachens Ex-BLB-Leiter angeklagt

Untreue: Aachens Ex-BLB-Leiter angeklagt

Von: Frank Christiansen und Claudia Schweda
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Soll ein Thema vor Gericht werden: Der Ankauf des maroden Schlosses Kellenberg in Jülich-Barmen durch den BLB. Foto: Harald Krömer

Düsseldorf/Jülich. In einer der größten Korruptionsaffären Nordrhein-Westfalens rund um den landeseigenen Baubetrieb BLB hat die Staatsanwaltschaft weitere Details zur Anklage veröffentlicht. Es geht um verdächtige Geschäfte bei zahlreichen Bauprojekten des Landes unter Führung des Baubetriebs. Fest steht jetzt, dass es derzeit drei Angeklagte in dieser Sache gibt.

Neben Ex-BLB-Chef Ferdinand Tiggemann (66), der als Hauptverdächtiger gilt, ist der ehemalige Leiter der Aachener BLB-Niederlassung und ein 67-jähriger Unternehmer angeklagt. Gegen 20 der zwischenzeitlich 36 Verdächtigen seien die Ermittlungen eingestellt worden, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft Wuppertal von Mittwoch weiter. Gegen 13 Verdächtige werde weiter ermittelt.

„Umgehung interner Regelungen“

Es geht um den Neubau des Justizzentrums in Düsseldorf, den Kauf des Geländes der Schlösser-Brauerei in Düsseldorf, die Erweiterung des Polizeipräsidiums in Köln-Kalk, den Kauf des Schlosses Kellenberg in Jülich und den Verkauf des Landesbehördenhauses in Bonn. Dabei sei dem Land ein Schaden von insgesamt 16 Millionen Euro entstanden, heißt es in der Anklage.

Tiggemann werde unter anderem Bestechlichkeit und Untreue vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Tiggemanns Anwalt Frank Kloevekorn hatte die Vorwürfe bereits zurückgewiesen. Laut Anklage soll Tiggemann unter anderem einen Grundstückskauf durch ein Unternehmen initiiert haben, obwohl das Land plante, dieses Grundstück anzukaufen. Das Land musste in der Folge Millionen mehr für das Grundstück zahlen. Tiggemann soll einen Teil des Geldes erhalten haben.

Dem ehemaligen Leiter der Aachener BLB-Niederlassung wird demgegenüber nicht vorgeworfen, sich selbst bereichert zu haben. Laut Staatsanwaltschaft wird ihm Anstiftung zur Untreue zur Last gelegt. Er soll den Erwerb des Schlosses Kellenberg in Jülich-Barmen „unter Umgehung interner Regelungen des BLB“ herbeigeführt haben, obwohl eine Nutzung des Schlosses nicht zu erwarten war und – bis heute – ein erheblicher Renovierungsbedarf besteht.

Für den Ankauf soll ein Kaufpreis in Höhe von zwei Millionen Euro „ohne wirtschaftlich sinnvollen Hintergrund“ geflossen sein. Ein Landesrechnungshofbericht von 2011 hatte einen Kaufpreis von insgesamt 3,1 Millionen Euro – inklusive Gelände – genannt, der ohne Wertermittlungsgutachten ausgehandelt worden war. Das Fazit der Sonderprüfung lautete damals, dass ein im Nachhinein in Auftrag gegebenes Gutachten den Wert des abgesprochenen Kaufpreises bestätigen sollte.

Die Korruptionsexperten der Wuppertaler Staatsanwaltschaft hatten fünf Jahre lang in der Sache ermittelt. Das Landgericht Düsseldorf muss nun entscheiden, ob es die mehr als 400 Seiten starke Anklage zulässt und den Prozess gegen die Angeklagten eröffnet.

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