Köln - Unter den Helfern in Köln wächst der Frust

Unter den Helfern in Köln wächst der Frust

Von: Petra Albers, dpa
Letzte Aktualisierung:

Köln. Schon den zweiten Tag in Folge regnet es ohne Unterlass an der Kölner Unglücksstelle. Unverdrossen stapfen die Einsatzkräfte mit schwerem Schuhwerk durch den Matsch, Helme und Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. Der Boden ist glitschig.

Seit dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs und seiner Nebengebäude am Dienstag kommen die Rettungsarbeiten nur schleppend voran, immer wieder gibt es Rückschläge. Auch am Freitag können die Helfer noch nicht zu dem Trümmerberg vordringen, unter dem die beiden vermissten Männer vermutet werden.

„Es ist schon frustrierend, dass man gar nicht richtig weiterkommt”, sagt ein Feuerwehrmann. „Man kann die nächsten Schritte kaum planen, weil sich die Lage stündlich ändert.” Auch Feuerwehrchef Stephan Neuhoff wirkt bedrückt, als er auf die Frage, wann denn endlich die Bergung der wahrscheinlich Verschütteten beginnen kann, antwortet: „Ich mag eigentlich gar keine Prognose mehr abgeben.” Immer wieder wurde der geplante Zeitpunkt nach hinten geschoben, vielleicht in der Nacht zum Samstag, heißt es nun. Hoffnung, die Männer lebend zu finden, besteht kaum noch.

Es gibt viele Unwägbarkeiten, die die Planungen der Einsatzkräfte immer wieder über den Haufen werfen. „Gestern zum Beispiel sind alle Befürchtungen eingetreten”, sagt Neuhoff. Der Erdboden war so unsicher, dass ein großer Bagger nicht zum vorgesehenen Platz gebracht werden konnte. Und eine Hauswand hat sich als so instabil erwiesen, dass dieses Gebäude halb abgerissen werden muss. Dadurch hat sich alles erneut verzögert.

In Zelten können die Einsatzkräfte sich etwas ausruhen, Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sorgen für Essen und Getränke. Die Rettungshundestaffel des DRK kann im Moment nichts tun und steht auf Abruf bereit.

Unmittelbar nach dem Unglück haben Experten des DRK sich auch um die psychosoziale Betreuung der Menschen gekümmert, die ihre Wohnungen verloren haben. „Wichtig ist vor allem, dass man den Leuten zeigt, dass sie nicht allein sind”, sagt DRK-Sprecher Stefan Wanke. „Man muss ihnen vermitteln, dass ihre Gefühle eine normale Reaktion auf ein außergewöhnliches Ereignis sind.”

Drei Tage nach dem Unglück hat sich auch die Zahl der Schaulustigen deutlich reduziert. Hinter einer Absperrung steht eine Gruppe Rentner mit Regenschirmen und fachsimpelt über mögliche Ursachen und Folgen des Unglücks. „Ich verstehe nicht, warum das passieren musste”, meint einer und rückt seine Schlägermütze zurecht. „Es ist doch bekannt gewesen, dass es Risse und Beschädigungen durch die U-Bahn-Baustelle gab.” Ein anderer von ihnen, der nach eigenen Angaben öfter im Lesesaal des Archivs saß, fragt: „Warum hat man denn die wertvollsten Sachen nicht schon vorher aus dem Gebäude herausgeholt?”

Das ganze sei jedenfalls eine „absolute Katastrophe”, meinen die Rentner. „Man muss ja Angst haben, dass noch was passiert.” Ein Mann sagt: „Eins steht für mich fest: Das Unglück wird auch auf Dauer die gesamte Gegend verändern.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert