Uniklinikum streicht OP an Schweinen vom Lehrplan

Von: Axel Borrenkott
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Die Universitätsmedizin in Aachen lässt ihre Studenten Operationen nicht mehr am lebenden Schwein üben - und zieht damit als eine der letzten deutschen Hochschulen einen Schlussstrich. Das Uniklinikum bestätigte Angaben der Tierrechtsorganisation Peta, dass künftig auf einen solchen Kurs verzichtet werde. Foto: dpa

Aachen. Schwein gehabt, könnten sich jetzt ein paar Schweine in Aachen sagen. Die Tierrechtsorganisation Peta hat es erreicht, dass das Uniklinikum ab sofort darauf verzichtet, eine chirurgische Übung im Medizinstudium an lebenden Schweinen - zwei pro Jahr - durchzuführen.

Anscheinend fällt es leichter, die Übung zu ersetzen als medienwirksamen Ärger mit der kampagnenträchtigen Organisation zu riskieren.

Der „Advanced Skill”-Kurs, an dem etwa 20 Studierende pro Semester teilnehmen, richtet sich an fortgeschrittene Medizinstudenten ab dem zehnten Semester. Sie lernen dort zum Beispiel chirurgische Naht- und Knotentechniken bei Operationen im Brustraum, überwiegend an Präparaten. An einem OP-Tag jedoch an einem anästhesierten Schwein, das natürlich anschließend eingeschläfert wird.Der Kurs gilt als überwiegend beliebt bei den Studierenden, wird aber je nach Teilnehmerschaft mitunter auch kritisch gesehen.

Die Operation am Tier ist dabei keine Pflicht und nicht notenrelevant. Auch werden, so die Auskunft des Klinikums, die Problematik von Tierversuchen und die ethische Vertretbarkeit speziell auch dieses vom Landesamt genehmigten Übungsteils ausführlich mit den Studenten diskutiert. Vor allem in Hinsicht auf jenes Konzept, das inzwischen zum Standard der Bewertung von Tierversuchen gehört: ersetzen, reduzieren, verbessern. Auf Englisch fangen diese Begriffe alle mit „r” an (replace, reduce, refine), daher 3R-Konzept.

Offenbar war Peta kürzlich auf diesen Kurs am Aachener Uniklinikum hingewiesen worden. Jedenfalls forderte die nach eigener Auskunft „weltweit größte Tierrechtsorganisation” Mitte Januar das Klinikum auf, „in Zukunft ausschließlich tierfreie Lehrmethoden in der Chirurgie einzusetzen”, die auch völlig ausreichten. Unterstützt wird Peta dabei von „Ärzte gegen Tierversuche” und der Aktion Kirche und Tiere (Akut). Die ursprünglich amerikanische Peta (People for the Ethical Treatment of Animals) operiert weltweit, lässt seine Kampagnen gerne von Prominenten wie Brigitte Bardot unterstützen. Der deutsche Ableger wurde 1994 gegründet.

„Peta arbeitet mit medienrelevatern Mitteln und spektakulären Aktionen”, heißt es auf der Homepage (www.peta.de), „um die Öffentlichkeit über Tiermissbrauch zu informieren und Druck auf die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik auszuüben.” So hatte die Universität Ulm, worauf die Organisation ausdrücklich hinweist, „ebenfalls einen OP-Kurs an lebenden Schweinen eingestellt”. Und dies „wenige Stunden nach dem Start einer Online-Kampagne von Peta”.

Letzteres wollte man sich in Aachen wohl ersparen. Nach reichlicher Abwägung hatte dann Professor René Tolba, Leiter des Instituts für Versuchstierkunde an RWTH/Uniklinikum, den Chirurgen empfohlen, diesen Übungsteil zu streichen. „Die Studenten haben das Training als sehr sinnvoll angesehen”, sagt Tolba, „und natürlich ist es besser, am lebenden Tier zu üben.” Andererseits würde nur ein Teil der Kursteilnehmer später Chirurg werden wollen.

„Nicht alles per Simulation”

„In der Facharztausbildung werden wir auf keinen Fall auf Übungen an lebenden Tieren verzichten”, macht Tolba ziemlich deutlich klar. „Chirurgie wird immer komplexer, das kann man zur Zeit noch nicht alles per Simulation lernen. Diese Methoden sind einfach noch nicht gut genug. Aber daran arbeiten wir ja.”

Ein paar Dutzend Borstenviecher pro Jahr werden also auch am Klinikum im Interesse der Menschen vorläufig noch an Tierversuche glauben müssen, damit die Patienten noch mal Schwein haben.
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