Uniklinik: Labore werden ausgegliedert

Von: Axel Borrenkott
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Aachen. Der Vorstand des Universitätsklinikums plant, noch in diesem Jahr große Teile des Laborbereichs auszugliedern und von externen Anbietern betreiben zu lassen. Motiv für dieses „Outsourcing” von Klinischer Chemie und Mikrobiologie ist eine erwartete Ersparnis „in niedriger Millionenhöhe”, so Klinikumschef Henning Saß.

Was mit den - rund 100 - Mitarbeitern geschehe, sei „noch völlig unklar”. Die Lehrstühle sollen erhalten bleiben. In der Medizinischen Fakultät wird zumindest eine Abwertung der Mikrobiologie für sehr problematisch gehalten.

Die Klinische Chemie ist zuständig für die Analyse aller physiologischen und biochemischen Werte, die die Mediziner für Diagnose und Therapie der Patienten brauchen. In der auch zum Institut gehörenden Pathobiochemie werden die molekularen Ursachen von Krankheiten erforscht. Dieser Teil soll in der Uniklinik bleiben, während die automatisierten Laboranalysen „leicht von einem Großbetrieb” gemacht werden könnten, so Saß.

In der Medizinischen Mikrobiologie werden krankheitserregende Mikroorganismen untersucht und erforscht, vor allem Bakterien, Pilze. Wesentliche Aufgabe ist auch die Hygiene am Klinikum selbst, das heißt die Hospitalinfektionen und ihre Vorbeugung. Da in diesem Bereich weniger massenhafte als individuelle Analysen zu machen sind und enger kommuniziert werden müsste, „suchen wir hier ein anderes Modell” als bei der der Klinischen Chemie. Wie dieses Modell aussehen könnte, werde noch diskutiert.

Da beide Institute Aufgaben in der Krankenversorgung haben, hat die Fakultät nur begrenzt Einfluss auf deren Schicksal. „Als Wirtschaftsbetrieb ist es unsere Aufgabe, nach Bereichen zu suchen, die möglicherweise optimiert werden können”, sagt Saß. Nach Informationen dieser Zeitung geht eine Machbarkeitsstudie von einem Einsparpotenzial von gut drei Millionen Euro pro Jahr aus. Unglücklich ist man in der Fakultät auf jeden Fall darüber, dass sich die Berufungsverhandlungen für beide Lehrstühle hinziehen und schon Kandidaten abgesprungen sind.

Im Fall der Klinischen Chemie scheint man sich mit einer Ausgliederung zur Not abfinden zu können, während dies bei der Mikrobiologie als hoch riskant angesehen würde. Man würde sich, befürchten die Mediziner, von einer Firma abhängig machen, Forschung wäre nur noch begrenzt möglich, der jetzige Service rund um die Uhr, um Infektionsherde schnell zu ermitteln, nicht gewährleistet. „Ich befürchte einen Niveauverlust für Forschung und Lehre, aber auch einen Schaden für die Krankenversorgung, wenn die Mikrobiologie nicht mehr wie jetzt 365 Tage im Jahr rund um die Uhr erreichbar ist”, sagt ihr im März 2008 pensionierter ehemaliger Direktor Rudolf Lütticken. Keine andere Uniklinik in Deutschland käme auf die Idee, die Mikrobiologie auszugliedern, „und die wissen wohl, warum”.

Welche Zukunft die rund 100 nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiter haben, ist auch dem Personalrat noch nicht klar. Morgen soll er über die Vorstands-Pläne informiert werden. Mitte März sollen die Pläne im Aufsichtsrat des Klinikums verhandelt werden.
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