Uniklinik kämpft um Auslands-Patienten

Von: Robert Esser
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Das „International Office” des Uniklinikums Aachen: Birgit Preuth (links) und Olga Bardohl nehmen die ausländischen Patienten in Empfang. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Scheich Al Hajri bekommt eine neue Hüfte, seine Gattin dritte Zähne, die Zweitfrau shoppt beim Juwelier - und das Gefolge logiert im Luxushotel: Nicht nur Aachen liebt solche Gäste. Rund 1000 ausländische Patienten zählt Ursula Fabry im „International Office” des Universitätsklinikums pro Jahr, zwei Drittel aus dem arabischen Raum.

„Seit zwei Jahren kommen auch immer mehr Russen”, sagt Fabry. Sie koordiniert alle Termine für zahlungskräftige Kunden, die keine deutsche Krankenversicherung besitzen. Ein lukratives Geschäft, nicht nur für das Klinikum. „Aber wir müssen aufpassen, dass wir diese Patienten nicht an andere Medizinhochburgen in Deutschland verlieren. Die Zahlen stagnieren.”

Schon zwischen 2004 und 2006 sank die Zahl ausländischer Patienten in NRW um 1500 auf 12.300.

Bayern gewann im gleichen Umfang hinzu. Hospitäler in München wiesen 2008 nach einer Studie des Gelsenkirchener Instituts für Arbeit und Technik schon doppelt so viele Patienten aus der Golfregion auf wie Aachen.

„Die Verkehrsanbindung von Aachen könnte besser sein”, klagt Fabry. Die meisten Kranken reisen über den Frankfurter Flughafen und dann mit der Bahn an: aus Kuwait, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und dem Oman. „Unsere Orthopäden, allen voran Professor Fritz-Uwe Niethard, genießen am Golf regelrechten Star-Status”, erklärt Fabry.

In Moskau gelte hingegen Professor Volker Schumpelick als Koryphäe. Über derlei hochrangige persönliche Kontakte würden die Patienten in den Westzipfel geschleust. Magisch anziehend wirke daneben der heilsame Ruf der Aachener Thermalquellen.

Zwar ist der Anteil der 54.000 Gastpatienten in Deutschland unter den jährlich 17 Millionen in Krankenhäusern behandelten Personen gering.

Und nur 14000 der ausländischen Gäste begeben sich freiwillig und gezielt in deutsche Krankenhäuser, sind also kein Notfall. Dennoch gelten die Gastpatienten als wichtiger Wirtschaftsfaktor: „Araber - egal ob Dienstbote oder Scheich - bevorzugen nämlich das Rundum-Programm”, sagt Fabry.

Ganze Heerscharen von Vermittlern und Dolmetschern greifen die Patienten-Karawane bereits im Flughafen ab, um sie - natürlich gegen Bezahlung - nicht nur medizinisch bei der Deutschland-Visite zu verarzten.

Operation gleich mehrerer Familienangehöriger, Nachsorge, Reha-Maßnahmen, daneben ausgedehnte Shopping-Touren und touristische Ausflüge - in Aachen etwa zu CHIO und Dom - sowie eine ausgedehnte Aufenthaltszeit vielköpfiger Clans sind die Regel. „Insgesamt lassen die Gäste vom Golf also eine Menge Geld hier - und dies nicht nur im Krankenhaus.”

So nimmt das Klinikum die arabische Mentalität für bare Münze: „Untersuchungstermine gibt´s erst ab Mittag, Frauen dürfen nur von Frauen untersucht werden.

Und schweinefleischfreies Essen bieten wir ebenfalls an”, zählt Fabry auf. Vor einem Jahr eröffnete das kuwaitische Verteidigungsministerium sogar ein eigenes Büro am Uniklinikum, um reihenweise Militärangehörige in Aachen betreuen zu lassen.

Wesentlich pflegeleichter sei die Klientel aus Russland, sagt Fabry. „Die passen sich leichter an unsere Regeln an.” Sie reisen allerdings auch früher ab und sitzen nicht selten schon am Abend nach der OP wieder im Flieger gen Osten. Zeit ist Geld.

Stadt wie Krankenhäuser wollen ihre ausländischen Patienten deswegen nicht nur mit erstklassiger medizinischer Versorgung länger an Aachen binden. Man wartet auf Fördermittel vom Land für das Projekt „MedService”.

„Im Schulterschluss mit dem Aachen Tourist Service wollen wir spezielle operative Behandlungsmethoden, die Reha-Möglichkeiten in unseren Kurkliniken sowie kulturelle und touristische Angebote zu einem attraktiven Paket verknüpfen und aktiv im Ausland bewerben”, erläutert Dieter Begaß vom Aachener Amt für Wirtschaftsförderung. 800.000 Euro sind für das Vorhaben „MedService” veranschlagt.

Ein Griff in die Portokasse ist das leider nur für besagte Scheichs. Und die planen in der Wüste nun schon eigene Highend-Kliniken. „Aber dort gibt´s weder Thermalquellen noch einen Dom - und damit müssen wir neben der Medizin punkten”, betont Fabry.
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