Uniklinik erholt sich und investiert nicht auf Avantis

Von: Axel Borrenkott
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Kaum noch Schieflage: Auch fin
Kaum noch Schieflage: Auch finanziell ist das Uniklikum Aachen nach Millionen-Defiziten wieder auf gutem Weg. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das auf dem deutsch-niederländischen Grenzgelände Avantis seit Jahren geplante kardiovaskuläre Zentrum wird nicht gebaut. Damit wird ein wesentlicher Bestandteil des einmal angestrebten europäischen Großklinikums nicht realisiert.

Dass bedeute jedoch „keinesfalls, dass wir die Vision, die Bereitschaft und die Perspektive einer engen Kooperation zwischen den Unikliniken von Aachen und Maastricht aufgeben”, bekräftigt der Aachener Klinikumschef Thomas Ittel. Vorrang habe aber die finanzielle Sanierung des Hauses. Und die scheint fast sensationell gelungen.

Seit dem Jahr 2007 propagierten beide Kliniken ihr ehrgeiziges Projekt des „ersten europäischen Unikrankenhauses” unter „gemeinsamer Leitung und gemeinsamer Eigentümerstruktur”. Grundbaustein sollte ein „kardiovaskuläres Exzellenzzentrum” sein, mit dem die Unikliniken von Maas­tricht (UMC) und Aachen (UKA), „ihre Stärken zusammenführen und ihre Wahrnehmbarkeit in den nationalen und internationalen Märkten verbessern” können.

Im Juli 2008 stellten Guy Peeters, bis heute Vorstandschef des UMC, und sein damaliger Aachener Kollege Henning Saß eine Machbarkeitsstudie für das Großklinikum vor: „Die Erste europäische Universitätsklinik ist machbar. Erstes konkretes Projekt ist die Gründung eines internationalen Herz-Gefäß-Zentrums.”
Seither aber wurde, wenn von dem Zentrum überhaupt die Rede war, darauf verwiesen, dass man noch rechne. Dass die Vorstände von Maastricht und Aachen das Projekt nun offiziell für beendet erklären, ist alles andere als eine Überraschung. In beiden Unikliniken habe „die wirtschaftliche Stabilität derzeit Vorrang”, teilen UMC und UKA am Freitag mit.

Zumindest in Aachen war die Erlöslage bis vor kurzem geradezu desaströs. Ende 2009 ein Defizit von zehn Millionen Euro, 2010 waren es noch über sieben Millionen. Unter der Leitung des neuen Vorstandschefs Thomas Ittel wird seit dem vergangenen Jahr kräftigst saniert. Offenbar mit Erfolg. Nach ersten Hochrechnungen liegt das Defizit in 2011 bei unter einer halben Million Euro. Ittel: „Von allen Unikliniken des Landes haben wir, zusammen mit Düsseldorf, die höchste Wachstumsrate an Fällen und Leistungen, nämlich sieben Prozent.”

Dazu hätten, zum Beispiel, allein 50 Lebertransplantationen und fast 1000 Geburten in den vergangenen beiden Jahren beigetragen. Wie sich auch insgesamt die Personalpolitik, ertragsträchtige Kliniken mit herausragenden jüngeren Chefärzten zu besetzen, offenbar bestens auszahlt.

Dass all das mehr als hart erarbeitet wurde und wird, betont Ittel von sich aus: „Das ist der Erfolg der Mitarbeiter, dass diese Leistung und dieser Erfolg möglich wurde. Das hatte seinen Preis, in allen Bereichen wurde hart am Wind gearbeitet, aber die Bereitschaft dazu war vorhanden.”

Insofern rückte das Vorhaben gemeinsames kardiovaskuläres Zentrum von alleine an den Rand. „Das rechnet sich mittelfristig nicht, die Investition wäre nicht innerhalb von 20 Jahren gegenfinanziert worden”, so Ittel. „Hinzu kommen die Unwägbarkeiten der Gesundheitssysteme in beiden Ländern.” Außerdem müsste eine Herz-Notfallbehandlung im Klinikum bleiben, was das Ganze noch teurer mache. Man sei nun stattdessen dabei, „belastbare Planungen” für Investitionen in das Uniklinikum zu entwickeln.

Euregionales Engagement bleibt

Überlegt werde, ob sich ein Zen­trum mit gemeinsamer Abrechnung an beiden Klinikstandorten realisieren lässt. „Auf jeden Fall müssen und wollen wir etwas tun, um uns euregional aufzustellen und in möglichst vielen Bereichen den Vorteil der europäischen Zen­trallage zu nutzen.”

Was an wissenschaftlichen und medizinischen Synergien und Versorgung für Patienten im Grenzraum zu erreichen sei, strebe man weiterhin an.
Ittel: „Dass wir das Zentrum nicht bauen, ist keine Richtungsentscheidung. Beide Vorstände wollen andere Kooperationsmodelle entwickeln.”
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