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Unicef: Für Menschen gibt es keine Formel

Von: Carsten Rose
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Alex Wleklinski sammelt Spenden für Unicef. Foto: Carsten Rose

Aachen. Alex Wleklinski, 27, studiert Soziale Arbeit in Köln und ist seit zwei Jahren für Unicef auf Spendensuche. Ein Interview über fremde Menschen, Paarverhalten und den ersten Eindruck.

WirHier: Wie ist der Aachener?

Alex Wleklinski: Flott unterwegs. Ich bin sehr oft in Aachen gewesen, ich mag die Aachener. Sehr viele offene Menschen. Ich habe viele positive Erfahrungen gemacht.

WirHier: Wie viele Leute sprichst Du am Tag an, wenn Du bis zu sechs Stunden an deinem Stand stehst?

Alex: Geschätzt etwa 40 bis 50.

WirHier: Und wie viele bleiben stehen?

Alex: Wenn das Wetter mitspielt, fast an die 50 Prozent. Wie viele aufrichtig zuhören und sich mit mir unterhalten oder nur aus Höflichkeit stehenbleiben, das ist eine andere Statistik. Bei manchen – das ist aber die Ausnahme – ist die Aufmerksamkeitsphase sehr gering. Die denken, es wäre eine Kochshow (Anm. d. Red.: Alex erklärt ein Ernährungsprogramm mit Herd und Töpfen) oder Ähnliches. Dann muss man schnell aufklären, aber dann sind die meisten schon wieder weg, wenn sie es registrieren.

WirHier: Wie viele spenden letztendlich?

Alex: Meine Erfahrung ist: von 50 Leuten, die angesprochen werden, bleiben 15 im Gespräch, und von denen spenden fünf. Das meiste war acht an einem Tag.

WirHier: Du guckst Dir ja 50 Leute aus, die Du ansprichst. Worauf achtest Du?

Alex: Das ist persönliche Erfahrung, nicht weil es da eine Formel gibt. Es gibt Leute, die haben von sich aus eine Art statischen Gesichtsausdruck oder einen negativen Ausdruck, wenn sie laufen. Daran kannst du den Menschen aber noch nicht ausmachen. Das heißt, du greifst dir aus persönlicher Erfahrung jemanden, der lächelt oder dich an einen guten Freund erinnert. Oder der etwas anderes hat, das für dich ein positiver Impuls ist. Auf diese Menschen gehst du eher zu als auf Menschen, die ihren Gesichtszug nach hinten ziehen. Obwohl du die vielleicht mit einem „Hallo“ begrüßen kannst und dann geht das größte Lächeln auf.

WirHier: Sprichst Du eher Männer oder Frauen an?

Alex: Generell eher Männer, weil eine zierliche Frau sich von einem Mann vielleicht eingeschüchtert fühlt. Oder sich unwohl fühlt, wenn sie allein ist. Männer stehen einem Mann selbstbewusster gegenüber. Ich bin natürlich auch ein Fan von selbstbewussten Frauen, die sagen: „Butter bei die Fische – worum geht es hier?“.

WirHier: Wie sieht es bei Paaren aus?

Alex: Ich konzentriere mich auf den Mann, binde aber beide ein. Es kann das Alphatier-Verhalten eines Mannes entstehen, wenn du die Frau ansprichst, weil du in die Privatsphäre eingedrungen bist: „Wird das hier ein Flirt? Ich muss dagegensteuern.“ Obwohl es darum ja gar nicht geht, aber das ist ein unbewusster Reflex.

WirHier: Ich sage jetzt mal ganz platt, die Jugend von heute interessiert sich nicht so für die Welt. Ist das so?

Alex: Durch diesen Beruf merke ich immer, dass man nicht pauschalisieren kann. Ich bin schon so oft überrascht worden, wie weit die Jugend ist und dass sie mir Dinge vorwegnehmen. Dann denke ich mir: Ja, da hast du einen Menschen wieder optisch eingeschätzt und ihn in die Kammer mit anderen gesteckt. Und plötzlich kommt ein total interessantes Gespräch zustande.

WirHier: Hast Du schon mal negative Erfahrungen gemacht mit Leuten, die Du angesprochen hast?

Alex: Ja, jetzt gerade – nein, Scherz. Ja, natürlich. Es gibt Menschen, die dir die Probleme der Welt vor die Haustür kehren, obwohl wir versuchen, überall auf der Welt zu helfen. Das führt zu Grundsatzdiskussionen. Es kommt vor, dass sich Leute bei uns gerne „ausweinen“, obwohl wir damit gar nichts zu tun haben.

WirHier: Was war eins Deiner schönsten Erlebnisse?

Alex: Ein Pfandsammler hat gespendet, das war ein Wow-Effekt.

WirHier: Hat Dich Dein Job verändert?

Alex: Ja, ich bin offener geworden. Klar fällt es mir schwer, meine persönlichen Einstellungen gegenüber Menschen ganz zu blockieren, aber mich haben schon viele Menschen überrascht. Der erste Eindruck zählt nicht. Dieser Beruf formt einen. 

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