Region - Unicef-Botschafterin Eva Padberg: „Viel von den Kindern gelernt“

Unicef-Botschafterin Eva Padberg: „Viel von den Kindern gelernt“

Von: Eva Padberg
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Top-Model und Sängerin Eva Padberg in ihrem Element als Unicef-Botschafterin: Hier nimmt sie spontan Kontakt zu Flüchtlingskindern auf. Foto: Claudia Berger
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Ursache und Ziel der Flucht von rund 1,2 Millionen Menschen im Nordirak: Durch den IS zerstörte Orte wie Falludscha... Foto: Manfred Kutsch
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Ein Blick, der unter die Haut geht: Skeptisch mustert dieses Mädchen in der Trostlosigkeit des nordirakischen Flüchtlingslagers Debaga sein Gegenüber. Während die Kleine den Schnuller achtlos baumeln lässt, hält sie in der linken Hand ein Bonbon – und hofft auf ein zweites. Foto: Manfred Kutsch
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Erfrischender Schluck aus dem Kran: Unicef versorgt die Familien in den Camps mit sauberem Wasser. 60 Lastwagen sind täglich unterwegs. Foto: Manfred Kutsch
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Region. Ich war auf den Philippinen, in Kambodscha, in Ruanda und Burkina Faso, auch in Georgien und Südafrika, um mir als Unicef-Botschafterin Hilfsprojekte anzuschauen und auf die Situation der besonders benachteiligten Kinder aufmerksam zu machen.

Wenn ich von diesen intensiven, erfahrungsreichen Reisen nach Hause, in meinem Fall nach Berlin, zurückkomme, werde ich wieder ein Stück weit demütiger und genügsamer, auch im Umgang mit anderen Menschen. Die Probleme, die ich dann in meinem Alltag empfinde, relativieren sich. Und all dies ist jetzt, nach meinem jüngsten Projektbesuch im Nordirak, noch viel intensiver.

Unter die Haut gegangen

Ich war zum ersten Mal in einem Kriegsgebiet, während meines Aufenthaltes wurde die letzte IS-Hochburg Mossul angegriffen. Ich habe mich gefreut, mit einem so erfahrenen Reporter wie Manfred Kutsch unterwegs gewesen zu sein. Den Erfolg dieser in Deutschland einzigartigen, seit über 20 Jahren andauernden Partnerschaft zwischen Unicef und Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten, verfolge ich seit langem mit Interesse und Bewunderung. Bewunderung vor allem für Ihre großartige Hilfsbereitschaft, liebe Leserinnen und Leser.

Ich habe wieder so viel von den Kindern gelernt. Es ist mir unter die Haut gegangen zu sehen, wie Kinder in Anbetracht der Unmenschlichkeiten, die sie täglich erleben, von Natur aus in der Lage sind, Hoffnung auszudrücken und zu zeigen, dass das Leben – trotz allem – schön ist.

Bewundernswert fand ich auch, wie diese entwurzelten Fluchtkinder aufeinander achten und Verantwortung übernehmen, besonders wenn sie ohne Eltern aufwachsen müssen.

Viele Begegnungen werde ich nicht vergessen. So wie die gleich am Anfang der Projektreise, als wir beispielsweise im Flüchtlingslager Debaga waren, wo 35.000 Menschen Unterschlupf finden. Einiges davon habe ich direkt vor Ort in meinem Tagebuch festgehalten:

Fußmarsch

Ich spreche mit einer Gruppe von Frauen, die vor zwei Tagen hier angekommen ist. Schwestern, Mütter, Großmütter, Cousinen – eine ganze Familie ist gemeinsam zu einem langen Fußmarsch nach Debaga aufgebrochen. Dicht gedrängt sitzen sie jetzt mit anderen Wartenden in den Gängen einer ehemaligen Schule.

„Wir sind zwölf Stunden lang aus unserem Heimatort Salahaddin hierher gelaufen, auf der Flucht vor dem IS. Wir besitzen nur noch die Sachen, die wir am Leib tragen. Wir konnten nichts mitnehmen. Es war so schwierig, denn wir waren alle so müde.

Ich bin mit meinen drei Töchtern hier, meine beiden Söhne sind in Salahaddin geblieben“, berichtet uns Nada Ibrahim Taha (50). Ihre Tochter Elaf Ahmed (24) hält die erst vier Monate alte Enkelin Zaim in den Armen. Die Kleine wurde kurz nach der Ankunft im Lager von Unicef geimpft, ihre dreijährige Cousine medizinisch versorgt, da sie in der staubigen Luft starke Augen- und Ohrenschmerzen hatte.

Froh und dankbar

Ich freue mich sehr und bin dankbar dafür, dass diese Familie ihr Ziel lebend erreicht hat, denn immer wieder treten die vertriebenen Menschen auf Landminen oder werden von IS-Kämpfern abgefangen und ermordet.

Bildlich vor Augen ist mir auch eine andere Begegnung in dem großen Gewusel der Menschen in Debaga. In mein Tagebuch habe ich geschrieben:

Plötzlich zupft ein kleines Mädchen an meiner Hose und streckt mir seine Hand entgegen – mit einer Kette darin. Es möchte sie mir schenken. Ich bin so gerührt von dieser herzlichen und selbstlosen Geste, dass ich einen Kloß im Hals herunterschlucken muss. Die Kette hat sie selbst gemacht. Ihre Mutter ist Schneiderin, von ihr hat sie es gelernt. Den Schmuck bastelt sie im Camp, es macht ihr Spaß und genau wie viele andere Kinder hier ist auch sie froh über die Beschäftigung.

Einen ganz anderen Ausdruck hatte Abdullah, und das ist schnell nachvollziehbar, wenn man seine Geschichte hört. Der Junge ist schwer traumatisiert, sein Vater – ein Polizist – hatte sich im Heimatdorf bei Mossul vor dem IS versteckt, doch die Terroristen drohten dem Kind, es umzubringen und zwangen Abdullah, das Versteck zu verraten. Dem Vater wurde die Kehle durchschnitten.

Ich treffe Abdullah im Jugendcenter eines ehemaligen Fußballstadions, in dem tausende Flüchtlinge leben. Er ist erst elf Jahre alt, aber sein Gesicht ist von Leid und den Schrecken des Krieges gezeichnet. Seine Augen haben keinen kindlichen Glanz mehr, der Blick ist leer. Abdullah ist ein Gesicht der verlorenen Generation von Kindern, die im Krieg aufwachsen müssen.

Was sind seine Hoffnungen, seine Perspektiven? Er ist alleine auf sich gestellt. Seine Tante, mit der Abdullah floh, sagt, sie könne sich nicht auch noch um den Jungen kümmern. Sie sei mit ihren vier Töchtern und der Tochter des Bruders schon überfordert. Seine Tage verbringt Abdullah am liebsten mit Fußballspielen, bald wird er dank Unicef eine Schule im Camp besuchen dürfen.

Wir waren auch in Akre, zwei Stunden nordwestlich von Erbil, durch sechs Checkpoints mussten wir durch, wo wie immer höchste Anspannung herrschte. In Akre wurde ein einstiger Internierungsbau von Saddam Hussein in ein Camp für 1650 syrische Flüchtlinge umfunktioniert. Mit Hilfe von Unicef wurde neben dem düsteren Gebäude eine Schule aus Containern errichtet.

Eine syrische Mutter erzählt mir, dass ihr Mann seit einiger Zeit in München sei. Er ist vor anderthalb Jahren nach Deutschland aufgebrochen und wartet nun darauf, dass er seine Frau und zwei Kinder nachholen kann. Die Familie ist vor drei Jahren aus Damaskus in den Irak geflohen. Die Frau ist Lehrerin. Sie hat Gestaltungskonzepte für die tristen Wände des ehemaligen Folter-Gefängnisses entwickelt und mit ihren Bildern an den Wänden eine Atmosphäre geschaffen, die fröhlich und hell ist.

In Erbil hatte ich auch die Möglichkeit, das Warenlager von Unicef am Rande der Stadt zu besuchen.

Impfstoffe und Nahrung

Gerade ist ein Lastwagen mit Duschen und Latrinen angekommen, die morgen in das Flüchtlingscamp Hassan Sham östlich von Mossul gebracht werden. In den riesigen Hallen sind unter anderem RRM-Kits (Rapid Response Mechanism) gelagert. 200.000 davon sind derzeit vorrätig.

Jedes RRM-Kit enthält Trinkwasser, proteinhaltige Nahrung und Hygieneartikel, die ausreichen, um die Bedürfnisse einer siebenköpfigen Familie für eine Woche zu decken. Seit Juni 2014 wurden 440.800 Kits verteilt. In einem großen Kühlhaus sind Impfstoffe deponiert. Für den Winter werden warme Kleidung, Schuhe, Decken und Zelte erwartet und an die Camps verschickt.

Eigentlich ist ein Lager nur eine Zwischenlösung für diese vertriebenen Menschen. Sie alle hoffen auf ein Leben in Sicherheit und wieder ein Stück Normalität.

Mein größter Wunsch

Ich werde manchmal gefragt, wie mein Umfeld auf meine Reisen reagiert, wenn ich zurückkehre und erzähle. Mein Mann trägt das unterstützend und respektvoll mit. Und auch in meiner Branche sind viele Menschen, für die nicht nur die schönen Dinge dieser Welt zählen.

So schließe ich den Bericht mit meinem letzten Tagebuch-Eintrag in Erbil:

Weitere 15 Millionen Dollar benötigt Unicef im Moment, um ausreichend Hilfsgüter für den Winter zur Verfügung zu stellen. Mein größter Wunsch ist es, dass diese Mittel so bald wie möglich verfügbar sind und dass die Welt auch nach den ersten dramatischen Ereignissen in und rund um Mossul die Kinder im Irak nicht vergisst.

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