Ungewöhnliche Riegel im Africa-Zentrum bei Maastricht

Von: Verena Müller
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Ausstellungsobjekte aus Westafrika sind Thema einer Ausstellung in Maastricht. Foto: Harald Krömer

Cadier en Keer. Wer eine Tür mit einem dicken Schloss versieht, der will normalerweise, dass andere an der Mechanik scheitern und nicht reinkommen. In Westafrika ist das anders. Da spielt die Mechanik eine untergeordnete Rolle, oft gibt es gar keinen Schlüssel, theoretisch hätte jeder Zutritt.

Vielmehr wird Schlössern dort eine symbolische Rolle zugeschrieben. Welche Formen das annehmen kann, zeigt jetzt eine Ausstellung im Afrika-Zentrum in Cadier en Keer, zwischen Margraten und Maastricht.

Dutzende schwere Fallriegelschlösser aus dunklem Holz sind dort ausgestellt, die meisten stammen aus Mali. Zusammengetragen hat sie Klaus Piepel vom katholischen Hilfswerk Misereor aus Aachen. Sie sollen böse Geister oder Hexen abwehren, hätten aber gleichzeitig einen schützenden oder belehrenden Charakter. Besucher eines religiösen Raums etwa würden so dazu ermahnt, sich angemessen zu verhalten. Piepel nennt die Schlösser „öffentliche Kunstwerke”, weil sie nicht nur an Heiligtümern zu finden sind, sondern auch an Häusern oder Getreidespeichern.

Die Wechselausstellung „Schloss und Riegel” aus der Privatsammlung des Aacheners nimmt allerdings räumlich nur einen geringen Teil des Afrika-Zentrums ein. Das Museum umfasst auf zwei Etagen eine umfangreiche Sammlung von rituellen und alltäglichen Gegenständen verschiedener Volksgruppen, die teils als Gang durch eine westafrikanische Stadt aufbereitet sind. „Wir wollen die Leute für Afrika begeistern”, sagt Museumsleiter Jo Demarteau. Deshalb habe man sich auch auf die positiven Aspekte beschränkt. Das Bild eines Kontinents, der von Aids, Hunger und Armut geprägt ist, werde ja schon zu genüge verbreitet. „Herzlich, gastfreundlich und fröhlich”, so will Demarteau Afrika verstanden wissen.

Die Reise nach Afrika beginnt mit einem Flugzeug-Modell, durch das die Besucher zur Kasse gelangen. Hier erhalten sie ein „Flugticket” als Eintrittskarte nach Ghana. Von Schiphol geht es in ein Rondell, in dem Videosequenzen aus der Metropole Accra zu sehen sind. Straßengeräusche - Singen, Klatschen, Hupen - sind zu hören. Heiße Luft pustet einem entgegen. Die nächste Station ist ein knallbunter Marktplatz mit allerlei Waren und einem Friseur, der Männern den „Playboy-Cut” verpassen kann. Hinter einer Stadtwohnung und einer ländlichen Lehmhütte ist eine Schulklasse aufgebaut. Überall können Gegenstände ertastet werden, in der Ecke für Flora und Faune etwa eine Elefantenhaut.

Die erste Etage ist deutlich nüchterner aufgebaut. Große Vitrinen zeigen Masken, die Unsichtbares sichtbar machen. Kraft und Schnelligkeit werden mit Tiermasken versinnbildlicht, eine Lepra-Maske mit entstellten Gesichtszügen soll den Träger vor der Krankheit schützen. Sie solle suggerieren, dass der Träger schon infiziert sei und es sich deshalb für die Krankheit nicht „lohne”, sich zu nähern, erklärt Demarteau.

Der größte Teil stammt aus den Privatsammlungen der Patres der Société des Missions Africaines, der katholischen Gesellschaft der Missionare von Afrika, die das Museum auch weitestgehend unterhält. Ab den 50ern hätten viele Patres, die nach Westafrika entsandt waren, begonnen, Kunst zu sammeln, erzählt Demarteau. Es sei einfach zu schade gewesen, die Objekte nur in den Privatzimmern aufzubewahren. Und wenn ein Missionar seine Kunstobjekte noch einmal sehen will, hat er es meist nicht weit: Viele verbringen ihren Ruhestand nebenan im Kloster.

Das Afrika-Zentrum in Cadier en Keer, Rijksweg 15, hat von Dienstag bis Sonntag von 13.30 bis 17 Uhr geöffnet. Die Ausstellung „Schloss und Riegel” ist noch bis zum 9. Mai zu sehen, Info-Material gibt es auch auf Deutsch. Der Eintritt beträgt 5,50 Euro, für Kinder drei Euro. Senioren zahlen 4,50 Euro. Gruppenführungen unter 0031-43-4077383 anmelden.

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