Unfall auf der A44: Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

Von: Heiner Hautermans
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Der 35-jährige Beifahrer starb beim Zusammenstoß dieses Autos mit einem Lkw. Foto: Roeger

Aachen. Es war - wieder einmal - ein furchtbarer Unfall frühmorgens nicht weit vom Autobahnkreuz Aachen, gut einen Kilometer vor der Abfahrt Aachen-Brand entfernt.

Gegen 5.05 Uhr prallte ein aus Belgien kommender silberfarbener Audi A 6, der offenbar mit großer Geschwindigkeit unterwegs war, mit der rechten Seite gegen das Heck des Lastzugs einer niederländischen Spedition. Der Wagen geriet ins Schleudern, knallte noch gegen die Mittelleitplanke und kam auf der Überholspur zum Stehen.

Der Lkw-Fahrer bringt sein schweres Gefährt auf der rechten Spur zum Stehen und beobachtet nach Feststellung der Polizei ein fast unglaubliches Geschehen: Der Fahrer des Unfallautos steigt aus und zieht den Schwerstverletzten oder schon Toten aus dem Wrack, bringt ihn auf die andere Seite des Wagens und legt ihn auf die Fahrbahn.

Den eintreffenden Hilfskräften und Polizeibeamten tischt der 35-Jährige folgerichtig die Version auf, dass sein (gleichaltriger) Bekannter gefahren und tödlich verunglückt sei.

Die glauben ihm zunächst auch, bis der Lkw-Fahrer seine Aussage macht und das Täuschungsmanöver entlarvt. Die Autobahn wurde sofort gesperrt, was im Süden Aachens, vor allem auf der Monschauer Straße, zu längeren Staus im morgendlichen Berufsverkehr führte. Ein Alkoholtest ergab einen Wert von ungefähr 1,8 Promille. Ein Verhalten, das auch für hartgesottene und altgediente Beamte ungewohnt war.

Autobahn fünf Stunden gesperrt

Winfried Südkamp, Sprecher der Bezirksregierung Köln: „Ich habe so etwas in meiner fast 32-jährigen Berufslaufbahn noch nicht erlebt.” Der 35-jährige, ein Deutscher russischer Abstammung, wurde am Montag vorläufig festgenommen und in Polizeigewahrsam genommen, am Dienstag soll er einem Haftrichter vorgeführt werden.

Die Ermittlungen gegen ihn werden wegen Trunkenheit im Straßenverkehr und fahrlässiger Tötung geführt, für die immerhin eine Höchststrafe bis zu fünf Jahren verhängt werden kann. Der Mann blieb im Laufe des Tages bei seiner Aussage, nicht gefahren zu sein.

Deshalb dauerte es auch auch mehr als fünf Stunden, bis die Autobahn zwischen Lichtenbusch und Brand wieder freigegeben wurde. Sprecher Südkamp: „Wir müssen ihm das nachweisen, dass er gefahren ist. Das erfordert besondere Sorgfalt.”

Allerdings sei er guter Dinge, diesen Nachweis auch führen zu können. Einmal gebe es die Aussage des Lkw-Fahrers. Zweitens seien Proben des Sitzes genommen worden, durch die man feststellen könne, wer wo gesessen habe. Drittens gebe es auch Blutspuren, die zuzuordnen seien.

Die Frage ist auch noch, ob der Beifahrer, ein Russe, auf der Stelle getötet wurde oder noch lebte, als er von seinem Bekannten herausgezogen und auf die Fahrbahn gelegt wurde. Winfried Südkamp geht davon aus, „dass er sofort verstorben ist, so wie das Fahrzeug aussah”. Der inhaftierte Fahrer ist der Polizei kein Unbekannter, allerdings wusste der Sprecher der Bezirksregierung nicht, weshalb er strafrechtlich schon einmal in Erscheinung getreten ist.

Der 35-Jährige hat in Deutschland keinen festen Wohnsitz und gibt an, im benachbarten Belgien zu wohnen. Die Aachener Staatsanwaltschaft wird Dienstagvormittag entscheiden, ob sie Haftbefehl wegen Flucht- oder Verdunkelungsgefahr beantragen wird.
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