Unfälle mit Wild: Warnanlage senkt das Risiko deutlich

Von: André Schaefer
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Eine solche elektronische Wildwarnanlage, die aufblinkt, sobald sich Wild der Straße nähert, steht in Kleve. Dort ist die Zahl der Unfälle rapide gesunken, seitdem es die Anlage gibt. Foto: dpa

Aachen/Düren/Heinsberg. Es gibt Tage, da kommt Günther Plum aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Manchmal, erzählt er, sei ihm sogar danach, auszusteigen, die Autofahrer an den Straßenrand zu winken, um sie auf die Verkehrsbeschilderung hinzuweisen.

Nein, Plum ist kein Polizist, sondern Jäger. Mehr noch: Er ist Vorsitzender der Kreisjägerschaft in der Städteregion Aachen. Wahrscheinlich ist es sein Hobby, das ihn zu einem vorsichtigen Autofahrer machte. Mit Sicherheit führte ihn aber auch das prägende Erlebnis seines Nachbarn dazu, das Thema Wildunfälle ernst zu nehmen. Sehr ernst sogar. „Mein Nachbar fuhr vor zwei Jahren mit seinem Passat ungefähr Tempo 70, als er im Augenwinkel bemerkte, dass ein Wildschwein die Fahrbahn kreuzte“, erzählt er. Plums Bekannter hatte Glück im Unglück, sein Wagen hingegen erlitt einen Totalschaden. „Es hätte auch schlimmer enden können“, weiß Plum und schaut auf die Statistik, die der Deutsche Jagdverband kürzlich zum Thema Wildunfälle veröffentlichte.

Ganze 210.000 Unfälle mit Wild wurden in der Jagdsaison 2012/13 bundesweit gezählt - sieben Prozent mehr als im Vorjahr. 20 Menschen kamen dabei ums Leben, mehr als 300 wurden verletzt. Der Sachschaden wird auf rund eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

„Die Zahlen sollten jeden Autofahrer abschrecken“, sagt Plum. „Aber ich habe nicht das Gefühl, dass den meisten bewusst ist, wie schnell ein Unfall mit Wild passieren kann.“ Dabei sei gerade die jetzige Jahreszeit besonders gefährlich für Autofahrer, warnt der Vorsitzende. Während es morgens später hell wird, beginnt der Einbruch der Dunkelheit am Abend früher. Heißt konkret: Die Zeit, in der sich besonders viel Wild auf Nahrungssuche begibt, fällt exakt in den Berufsverkehr.

Darauf weist auch die Dürener Polizei hin und warnt, denn beim Blick auf die nackten Zahlen ist der Kreis Düren beim Thema Wildunfälle das Abschreckbeispiel der Region schlechthin. „Die Zahl der Wildunfälle pendelt bei uns zwischen 400 und 500 jährlich“ sagt Polizeisprecher Ralf Meurer. Für das laufende Jahr seien bereits mehr als 340 Unfälle mit Wild regis­triert, in den meisten Fällen bleibe es bei Blechschäden.

Hauptgefahrenzone: die Tagebaurandstraße zwischen Hambach und Jülich-Stetternich, wo besonders viel Wildschweinwechsel stattfindet. „Hinzu kommen der Bereich um den Eifeler Nationalpark und der Hürtgenwald“, ergänzt Heinz Stüttgen, Sprecher der Kreisjägerschaft Düren. Im Gegensatz zum Kreis Düren führt die Polizei im Kreis Heinsberg und in der Städteregion Aachen seit einiger Zeit keine genaue Statistik mehr. Nur Unfälle mit hohem Sachschaden und Verletzten seien noch erfasst, heißt es.

Im Jahr 2011 fand die letzte Zählung für den Kreis Heinsberg statt. Rund 230 Wildunfälle wurden damals registriert. Von deutlich weniger Unfällen müsse man in der Städteregion sprechen“, betont Aachens Polizeisprecherin Sandra Schmitz. „Auffällig ist jedoch, dass es in der Eifel und in Stolberg zu mehr Unfällen mit Wild kommt, als in den restlichen Gebieten der Städteregion“, fügt sie hinzu. Die Himmelsleiter zwischen Fringshaus und Roetgen entpuppt sich hierbei ebenso als Hauptgefahrenzone, wie die Landesstraße 23 zwischen Stolberg-Atsch und Verlautenheide sowie die Jägerhausstraße Richtung Stolberg-Zweifall. Über die Gefahrenzonen in der Region könnte Susanne Gohde ein Buch schreiben.

Ob auf der Duffenter­straße in Eschweiler, der Rue des Wattrelos Richtung Eschweiler-Dürwiß oder der Landstraße 223 zwischen Würselen-Broichweiden und Herzogenrath: „Auf ländlichen Straßen muss generell immer mit Wildwechsel gerechnet werden“, sagt die Försterin des Würselener und Eschweiler Waldes. Zwar habe sie nicht das Gefühl, dass die Zahl der Wildunfälle in der Region jährlich signifikant zunehme, eine größere Vorsicht seitens der Autofahrer wünscht sie sich dennoch.

„Auf die Schilder wird meist nicht geachtet, bis es zu spät ist“, sagt Gohde. „Vielleicht muss man auch mal darüber nachdenken, andere warnende Hinweise am Straßenrand zu postieren“, sagt sie und schaut fast schon ein wenig neidisch nach Kleve. Denn dort gibt es seit geraumer Zeit eine Warntafel, die mit Hilfe von Lichtschranken aufblinkt, sobald sich Wild dort bewegt. Der Autofahrer wird rechtzeitig gewarnt, die Unfallzahlen sind rapide gesunken. Kosten: rund 100.000 Euro. „Die meisten Kommunen sind nicht bereit, darin zu investieren“, weiß Gohde.

Vorkehrungen werden meist von örtlichen Jägern getroffen. Auf der Hahner Straße zwischen Mulartshütte und Lammersdorf in der Nordeifel wurden blaue Reflektoren am Straßenrand befestigt, die die Tiere abschrecken. „Ein Anfang, das Unfallrisiko zu minimieren“, sagt Plum. „Das Verhalten der Autofahrer ändert sich dadurch nicht.“

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