Unbemerkt und unerkannt in NRW

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
10996054.jpg
Unbemerkt in Deutschland: Viele unregistrierte Flüchtlinge verlassen die Züge, die sie an ihren Bestimmungsort bringen sollen, weil sie eigene Pläne haben. Für die Sicherheitsbehörden kann dies zum Problem werden. Foto: dpa

Aachen. Einer der Gaddafi-Söhne hat vor kurzem ein Interview gegeben, mit dem er die Sicherheitsbehörden in Deutschland in Angst und Schrecken versetzt hat. Seit der extremen Zunahme der Einreisezahlen Anfang September, sagte der Sohn des früheren libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, seien im Strom der Flüchtlinge etwa 3000 Dschihadisten über die Balkanroute unerkannt nach Deutschland gekommen.

Diese Zahlen sind vollkommen unbestätigt und mögen aus der Luft gegriffen sein, doch Gaddafi sprach einen wunden Punkt an: Zehntausende Flüchtlinge konnten bis heute nicht registriert werden.

Vor zwei Wochen bezifferte die Aachener Bundespolizei die Zahl der unregistrierten Flüchtlingen in den Kreisen Düren, Heinsberg und in der Städteregion Aachen mit „etwa 1100“. Das waren allerdings nur die Flüchtlinge, die bei der Einreise über Bayern auch als unregistriert festgestellt worden waren, und die in den kommenden Tagen und Wochen registriert werden sollen.

Das eigentliche Problem sind die vielen Menschen, die in Deutschland sind, von denen aber niemand weiß, dass sie überhaupt da sind. Weder die für die Überwachung der Grenzen zuständige Bundespolizei noch das Landesinnenministerium wollen eine Schätzung abgeben, wie viele dieser Menschen im Moment illegal in Deutschland, in NRW oder in der Region sind.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, der selbst Bundespolizist ist, erklärte am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Bundespolizei vergangenes Jahr etwa 71.000 illegale Einreisen festgestellt hat. Allerdings seien mehr als 170.000 Asylanträge gestellt worden.

Mit anderen Worten: Vergangenes Jahr reisten etwa 100.000 Menschen nach Deutschland ein, ohne dass die Sicherheitsbehörden dies zunächst bemerkten. Wie viele mögen es erst dieses Jahr sein?

Nach Informationen unserer Zeitung ist es im Moment so, dass aus vielen Zügen, die vom Münchener Hauptbahnhof aus nach Nordrhein-Westfalen fahren, kaum 70 Prozent der Flüchtlinge auch tatsächlich in NRW ankommen. Gewerkschafter Radek sagt, dass manche Flüchtlinge feste Ziele haben und auf der Reise einfach den Zug verlassen.

Das sei aus Sicht der Flüchtlinge nachvollziehbar. Allerdings sei dies für die Bürokratie und besonders für die Sicherheitsbehörden ein Problem, weil ein gewisser Prozentsatz der Flüchtlinge kriminell sei, wie in jeder anderen Bevölkerungsgruppe auch. Die Verfolgung unregistrierter Straftäter könne durchaus zum Problem werden.

Das nordrhein-westfälische Innenministerium erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, es gebe im Moment keine Erkenntnisse darüber, dass Straftäter oder Dschihadisten die Situation in Deutschland bewusst für ihre Zwecke ausnutzen würden. Wie viele Menschen unregistriert und vor allem unerkannt nach Deutschland kämen, sei aber tatsächlich nur schwer festzustellen.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert