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Umweltschützer rufen zum Verkauf von RWE-Aktien auf

Von: André Schaefer
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Ein Appell im Schnee: Umweltaktivisten haben ihn am Montag vor das Haus der Städteregion Aachen gesprüht. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Das Wetter war nicht auf ihrer Seite. Ob sich bei Sonnenschein am Montag mehr Aktivisten von Greenpeace und der Umweltinitiative Divest Aachen vor dem Gebäude der Städteregion versammelt hätten, ist bloße Spekulation. Am Ende waren es jedenfalls vier Umweltschützer, die dem Schneefall trotzten, um ihrem Appell zum Ausstieg aus fossiler Energie Nachdruck zu verleihen.

Nun ist es keine Seltenheit, dass Umweltschützer auf die Straße gehen, gegen aus ihrer Sicht klimafeindliche Energiekonzerne wie RWE demonstrieren, Plakate in die Luft halten oder eben – wie die vier Aktivisten am Montag – ihre Forderung mit Kreidefarbe auf Pflastersteine sprühen. „Raus aus RWE“ war am Montag auf dem Bürgersteig vor dem Städteregionshaus in der Aachener Zollernstraße zu lesen. Doch die Forderung, die die Aktivisten anlässlich ihrer Protestaktion stellten, ist neu: Es geht ihnen nicht nur um die moralische Komponente, nicht mehr in fossile Energie zu investieren. Es geht ihnen um den ökonomischen Gesichtspunkt. Schließlich hält die Städteregion Aachen RWE-Aktien, so wie der Kreis Düren und die Stadt Eschweiler.

„Die Investition in fossile Energie ist nicht nur ethisch, sondern auch wirtschaftlich nicht vertretbar“, sagt Lea Heuser. Die Zahlen geben der Umweltaktivistin Recht: Die Städteregion Aachen besitzt 557.260 RWE-Aktien. Bei Neugründung des ehemaligen Kreises zum 1. Januar 2007 wurde eine RWE-Aktie noch mit 76 Euro bewertet. Gestern lag der Kurs bei knapp zwölf Euro. In der Summe verflüchtigten sich damit 35 Millionen Euro vom Eigenkapitalpolster. Auch die Dividende 2015 ist mit einem Euro weit weg von den 4,50 Euro, die etwa im Jahr 2009 noch ausgeschüttet wurden. Lea Heuser sagt: „Wir sehen keinen Sinn darin, an solchen Aktien noch festzuhalten.“

Warum also nicht einfach die Aktien verkaufen? „Der Verkauf der Aktien zum derzeit niedrigen Kurs ist keine Option“, sagt Detlef Funken, Sprecher der Städteregion Aachen. „Zum einen haben die Aktien in den vergangenen Jahren stets gute Erträge gebracht, und zum anderen sehen wir durchaus Chancen einer künftigen Besserung des Aktienkurses.“

Ähnlich sieht das die Stadt Eschweiler, die aktuell 322.000 RWE-Aktien besitzt. Bürgermeister Rudi Bertram sagt auf Anfrage unserer Zeitung, dass man davon ausgehe, dass der Aktienwert des Essener Energiekonzern in Zukunft wieder steigen werde. „Darüber hinaus haben wir in Eschweiler wegen des Tagebaus und des Kraftwerkes Weisweiler einen strategisch wichtigen Standort. Wir wollen unseren Einfluss auf RWE daher nicht verlieren“, sagt Bertram.

Mehr RWE-Aktien als die Städteregion und die Stadt Eschweiler zusammen besitzen übrigens die Beteiligungsgesellschaften des Kreises Düren, rund 1,2 Millionen Aktien zählt man dort. Und man werde weiter daran festhalten, sagt Josef Kreutzer, Sprecher des Kreises Düren: „Der Verkauf der Aktien ist nicht sinnvoll, weil der Konzern sich zurzeit neu aufstellt und künftig verstärkt alternative Energien zur Stromproduktion nutzen wird. Diese Neuausrichtung ist ein zukunftsweisender Weg, auf dem der Kreis Düren das Unternehmen verantwortungsvoll begleiten will“, sagt Kreutzer.

In mehreren NRW-Städten haben die Umweltaktivisten von Greenpeace und Divest in den vergangenen Tagen Protestaktionen gestartet. Die vier aus Aachen brachten ihren Appell am Montag auch vor einer Sparkassenfiliale zum Ausdruck. „Wir sind zuversichtlich, dass einige Kommunen und Institutionen unsere Forderung wahrnehmen und vielleicht künftig einlenken werden“, sagt Heuser. Ihre visuelle Forderung vor dem Haus der Städteregion Aachen dürfte jedenfalls beim nächsten Regenschauer wie von selbst verschwinden.

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