Umstrittener Reaktor Doel 3 geht wegen Defekts vom Netz

Von: dpa/mgu
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Die Laufzeit des 40 Jahre alten Meilers Doel 2 war im Oktober von der belgischen Regierung um zehn Jahre verlängert worden. Foto: dpa

Schon wieder ein Vorfall: Der Rissreaktor Doel 3 bei Antwerpen ist seit Freitagfrüh, nur vier Tage nach dem Wiederhochfahren, abgeschaltet. Gegen 1 Uhr sei im nicht-nuklearen Bereich des Atomkraftwerks in einem Generator Wasser ausgetreten, wie Betreiber Electrabel mitteilte.

Am Reaktor, der etwa 150 Kilometer von Aachen entfernt liegt, habe man an einer Heißwasserleitung eines Generators ein Leck entdeckt. Der Druckwasserreaktor musste ihren Angaben zufolge nicht heruntergefahren werden. Es wurde erwartet, dass er in Kürze wieder ans Netz gehen kann.

Im konventionellen, nicht-nuklearen Teil des Atomkraftwerks befindet sich nach Angaben des Betreibers Electrabel unter anderem die Turbinenanlage mit dem Generator. Der dort von dem Leck betroffene Wasserkreislauf enthalte keine radioaktiven Stoffe, sagte die Sprecherin. Für die Sicherheit der Anlage und die Umwelt stelle der Defekt keinerlei Gefahr dar.

Das bei Antwerpen gelegene Kraftwerk Doel 3 war zuletzt wegen Sicherheitsbedenken mehr als eineinhalb Jahre abgeschaltet gewesen, nachdem Haarrisse am Reaktorbehälter entdeckt waren worden. Nach einer Überprüfung teilte die Atomaufsichtsbehörde FANC jüngst aber mit, dass das Problem keine Gefahr für die Sicherheit des Reaktors darstelle. Er wurde erst am 21. Dezember wieder hochgefahren.

Eigentlich wollte Electrabel zum Jahresende alle seine drei AKW in Tihange bei Lüttich und vier AKW in Doel in Betrieb haben. Doch erst am vergangenen Wochenende hatte es in Tihange 1 gebrannt, weshalb der Block noch abgeschaltet ist. Derweil nahm Electrabel Doel 2 an Heiligabend wieder in Betrieb. Die Laufzeit des 40 Jahre alten Meilers war im Oktober von der belgischen Atomaufsicht um zehn Jahre verlängert worden. Ursprünglich sollte er im laufenden Jahr komplett stillgelegt werden. Man benötige den Strom wegen eines drohenden Black-out. 

Tihange liegt nur etwa 60 Kilometer von Aachen in Nordrhein-Westfalen entfernt. Von den Kraftwerken in Doel sind es etwa 150 Kilometer bis zur belgisch-deutschen Grenze. Die Reaktoren Doel 1 und Doel 2 gingen bereits 1975 ans Netz und sind die ältesten in Belgien. Doel 1 soll am Sonntagabend wieder hochgefahren werden.

In Deutschland wird der Betrieb von Doel 3 und des baugleichen Reaktors Tihange 2 von Umweltschützern, aber auch von der Bundesregierung sehr kritisch gesehen. „Wir sind besorgt, ob die erforderliche Reaktorsicherheit dieser Anlagen in vollem Umfang gewährleistet ist”, schrieb Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) erst am Heiligabend auf ihrer Facebook-Seite. Sie bezeichnete die Sorgen deutscher Bürger als berechtigt. „Das ist ja Flickschusterei, was die da betreiben”, sagte sie in der WDR-Nachrichtensendung „Die Aktuelle Stunde” (Freitag). Die Zahl der Zwischenfälle in belgischen Reaktoren stehe dafür, dass man sage: „Na ja, langsam aber sicher sind die Dinger wohl besser außer Betrieb zu nehmen.”

Derweil geht die Diskussion in Deutschland um die Pannenmeiler weiter. Nach Angaben Hendricks wird Deutschland seine Bedenken Anfang Januar auch bei einem Gespräch mit der belgischen Atomaufsicht äußern.

Zugleich machte die SPD-Politikerin klar, dass die Bundesregierung keine Möglichkeiten habe, den Weiterbetrieb ausländischer Reaktoren zu verhindern. „Es liegt nicht in der Gewalt der Bundesregierung, Atomkraftwerke in anderen Ländern abschalten zu lassen. So wie Deutschland sich nicht vorschreiben lässt, Atomkraftwerke zu betreiben, so können wir anderen nicht vorschreiben, wie sie ihren Energiebedarf decken.” Das liege in der souveränen Entscheidung jedes Landes.

Der Grünen-Politiker Oliver Krischer forderte Hendricks am Freitag dennoch auf, „ohne Wenn und Aber auf eine Abschaltung von Tihange und Doel zu dringen”. Der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke sei „russisches Roulette für Millionen Menschen in Belgien, den Niederlanden und Deutschland”, kommentierte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

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