Aachen/Kelmis - Umstrittene Bergbaupläne für Ostbelgien in Kelmis heiß diskutiert

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Umstrittene Bergbaupläne für Ostbelgien in Kelmis heiß diskutiert

Von: Alexander Barth
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Hunger auf Information: Geologen, Politiker und Interessenvertreter haben mit rund 500 Menschen aus der Dreiländerregion in Kelmis diskutiert. Foto: Alexander Barth
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Sein Unternehmen will in Ostbelgien schürfen: Walzinc-Vorstand Geert Trappeniers hat sich kritischen Fragen von Bürgern, Initiativen und Lokalpolitikern gestellt. Foto: Alexander Barth

Aachen/Kelmis. Es wird nicht nur an den kühlen Bierspezialitäten gelegen haben. In erster Linie haben die Pläne für eine Wiederaufnahme des Bergbaus in Ostbelgien dafür gesorgt, dass am Donnerstagabend rund 500 Menschen aus der Dreiländerregion zu einer Informationsveranstaltung in die Grenzgemeinde Kelmis gekommen sind.

Das Vorhaben des Unternehmens Walzinc war im Herbst 2017 bekannt geworden und erregt seitdem die Gemüter in der Region. Im sonst für Karnevalsfeiern bekannten Saal „Patronage“ stellt sich Walzinc-Vorstand Geert Trappeniers den kritischen Fragen von Bürgern und Politikern.

Mit Trappeniers auf dem Podium sitzen Geologen der Universität Lüttich und der RWTH Aachen, ein Sprecher des belgischen Umweltministers, ein ostbelgisches Mitglied des EU-Parlaments sowie Vertreter der Lokalpolitik und des Tourismusverbandes „Drei Grenzen“. In den vergangenen Monaten seit Bekanntwerden hatte sich bereits Widerstand gegen die Idee formiert, immer wieder wurde dabei der spärliche Informationsfluss seitens des jungen Unternehmens beklagt.

Nachdem die Debatte um ein mögliches Schürfen auf dem Gebiet der Gemeinden Kelmis, Plombières und Lontzen bisher vor allem im Internet oder in privaten Runden dies- und jenseits der Grenze geführt wurde, besteht für die Bürger nun erstmals die Möglichkeit, mit Verantwortlichen, Technik- und Umweltexperten in Dialog zu treten. Ein Blick auf die Autokennzeichen rund um die Patronagestraße genügte an diesem Abend um festzustellen, dass das Thema auch in Deutschland und den Niederlanden bewegt.

Die Ausgangssituation für eine kontroverse Debatte: Walzinc beabsichtigt Probebohrungen unter anderem nach seltenen Metallen und Mineralen, die etwa für die Smartphone-Herstellung benötigt werden. Konkret geht es Walzinc unter anderem um Gallium, Cadium und Thallium, aber auch Silber und Kupfer. Walzinc-Vertreter Trappeniers erklärt, man stehe noch am Anfang: „Wir sind noch nicht einmal so weit, dass wir einen Antrag auf Probebohrungen gestellt haben.“ Insgesamt müsse man zunächst feststellen, wie viel Zink- und Bleierz überhaupt vorhanden sei. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war die Kelmiser Region für den Abbau eben dieser Bodenschätze bekannt.

Vorwürfe an Trappeniers aus dem Publikum, man habe heimlich und unerlaubt Probebohrungen vorgenommen, entkräftet derweil einer, der sich ansonsten vehement gegen das Vorhaben ausspricht: „Bei den beobachteten Vorgängen ging es um eine Klärleitung“, sagt Albert Stassen knapp. Wie der Kelmiser Politiker Luc Frank und EU-Parlamentarier Patrick Arimont sitzt der Chef des Verkehrsvereins „Drei Grenzen“ als Skeptiker auf dem Podium. Eine seiner Positionen, die für Applaus sorgt: „Viele positive Entwicklungen und Investitionen, die sich ausgezahlt haben, würden in Gefahr geraten.“ Stassen meint den Wandel zur Tourismus- und Naturregion, „eben weg von umweltbelastender Industrie.“

Die Lütticher Geologen Eric Pirard und Hans Balder-Havenith bereiten derweil dem Walzinc-Vertreter buchstäblich den Boden. Sie halten eine umweltschonende und dennoch ergiebige Förderung für möglich. Bis dahin gelte es, Umweltschutz und Sorgen der Bevölkerung ernst zu nehmen. Die Zuhörerschaft reagiert mit Unmutsgemurmel, verzichtet aber auf lautstarken Protest.

Auf dem Podium und im Dialog mit dem Publikum werden reichlich Pro- und Kontra-Positionen ausgetauscht. Das Publikum behält seine Skepsis bis zum Ende. Ein Eckpunkt für Befürworter wie Gegner: Ein konkreter Zeitplan bis zu einem möglichen „Glück auf“ existiert bislang nicht.

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