Umstrittene Atom-Reaktoren: Laufzeit bis 2025 verlängert

Von: cheb/mgu
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Das Atomkraftwerk Doel bei Antwerpen: Die Hälfte der Blöcke bleibt bis 2025 am Netz, trotz heftiger Kritik. Foto: dpa

Antwerpen/Brüssel. Eine denkwürdige Debatte ging der Entscheidung voraus: 70 Stunden wurde im Parlament Belgiens über das Atomkraftwerk Doel diskutiert. Dessen Block 1 wurde im Februar abgeschaltet, Block 2 sollte im Dezember folgen. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag entschied das Parlament: Block 1 wird wieder gestartet, die beiden umstrittenen Blöcke bleiben bis 2025 am Netz.

Das Atomkraftwerk Doel steht bei Antwerpen, nur rund 150 Kilometer von Aachen entfernt. Die Entscheidung fiel mit 84 zu 51 Stimmen. Auch zwei Oppositionsparteien hatten für die Verlängerung der Laufzeit gestimmt, berichtete das belgische Nachrichtenportal Knack.

Heftige Kritik erntete die Entscheidung durch die grüne Partei Belgiens und diverse Bürgerbewegungen. Im Mittelpunkt der Kritik steht die Energieministerin Christine Marghem und der Kraftwerkbetreiber Electrabel. Mitglieder der Umweltschutzorganisation Greenpeace enthüllten während der Debatte ein Transparent mit der Aufschrift „Marghem, no more lies, clean energy now“ im Parlament und kündigten bereits Einspruch gegen die Entscheidung an.

Noch steht aber nicht fest, dass die beiden Reaktorblöcke tatsächlich bis 2025 laufen werden. Zuvor muss noch die belgische Atombehörde Fanc zustimmen. „Die Fanc muss jetzt prüfen. Doel 1 und 2 müssen den gängigen Sicherheitsvorkehrungen entsprechen", sagte Marghem. In Belgien müssen AKW nach 40 Jahren Betriebszeit eigentlich vom Netz. Die Grünen in Belgien zeigten sich enttäuscht. "Das Gesetz ist unnötig und unvernünftig", sagte Jean-Marc Nollet (Ecolo).

Die beiden belgischen Atomkraftwerke Doel und Tihange (bei Lüttich) stehen seit Jahren wegen Sicherheitsmängeln und Skandalen in der Kritik. Auch in der Region Aachen fordern viele Bürger die Schließung beider Meiler, die ihre ursprünglich geplante Laufzeit bereits weit überschritten haben. Der Block 2 bleibt jetzt erstmal am Stromnetz, Block 1 wird wieder gestartet - auch weil belgische Politiker sonst eine Stromknappheit im kommenden Winter befürchten. Außerdem gibt es in Belgien noch die Blöcke Doel 3 und 4, sowie drei Blöcke im Atomkraftwerk Tihange.

Unter der Woche hat die Stadt Aachen ein Bürgerforum zu der Thematik abgehalten. Dabei ging es besonders um Notfallmaßnahmen für den Fall eines Reaktorunfalls in Tihange oder Doel.

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