Aachen - Umstrittene Aachener Bürgerstreife wird wieder aktiv

Umstrittene Aachener Bürgerstreife wird wieder aktiv

Von: Rolf Hohl
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Wolfgang Ebel hatte das Projekt im Oktober ins Leben gerufen. Foto: Daniel Gerhards

Aachen. Bis vor einigen Tagen war es still geworden um die Aachener Bürgerstreife, die sich nach einer beispiellosen Raubserie in Aachen vergangenen Spätsommer gegründet und für Diskussionen in der ganzen Region gesorgt hatte.

Doch seit kurzem sucht die Initiative „Wir helfen Aachen“ auf ihrer Facebook-Seite wieder aktiv nach Interessenten, was auch der Aachener Polizei nicht entgangen ist. „Wir nehmen das erst einmal kommentarlos zur Kenntnis“, sagt Polizeisprecher Werner Schneider. Die anfängliche Euphorie scheint aber selbst unter einigen Initiatoren der Initiative verflogen zu sein.

So haben sich nach Informationen unserer Zeitung in den vergangenen drei Monaten mehrere Gründungsmitglieder von der Initiative abgewandt, weil sie „gewisse Tendenzen“ nicht mehr mittragen wollten. Konkret ging es darum, dass sich zusehends Leute mit höherer Gewaltbereitschaft und fragwürdigen politischen Ansichten der Bürgerstreife angeschlossen haben sollen. Wolfgang Ebel, der das Projekt im Oktober ins Leben gerufen hatte, will davon nichts wissen. Die Zahl der Mitglieder sei „unverändert“ und Distanzierungen „gibt es nicht“.

Tatsache ist, dass sowohl die Polizei seit Jahresbeginn kaum noch Aktivitäten der Bürgerstreife festgestellt hat und auch auf den Internetauftritten der Initiative kaum etwas passierte – bis zum 19. März. Eine kleine Meldung zu einer Kneipenschlägerei ließ den Puls auf der Facebook-Seite der Initiative wieder fühlbar werden. Zwei Tage später folgt ein – inzwischen wieder gelöschter – Beitrag von Initiator Ebel, in dem er Polizei und Presse vorwirft, die Berichterstattung zu Überfällen zu vernachlässigen.

Wie Kripochef Ulrich Flocken, diese Woche gegenüber unserer Zeitung sagte, gab es von Anfang Januar bis Mitte März 61 Überfälle im Stadtgebiet, was eine leichte Zunahme im Vergleich zum Vorjahr bedeute. Davon wurden von der Polizei zehn Fälle von selbst oder auf Anfrage mitgeteilt.

Unterdessen nehmen die Diskussionen auf Facebook wieder zu. Und in der Tat finden sich auf der Seite der Initiative Beiträge, die das Unbehagen der Aussteiger bestätigen. Zwar steht im Banner der Seite noch immer der Slogan „Aachen braucht keine Gewalt“, aber schon direkt darunter wird die Distanz zur Gewalt schon erheblich geringer. Man solle in solchen Situationen „einfach mal zurückklatschen, am besten mehrmals“, wie es in einem Beitrag heißt.

Der Administrator der Seite stimmt zu: „Man kann mit diesen Menschen in der Tat nicht reden“, wird dort beigepflichtet. Auch dazu wollte sich Initiator Ebel nicht äußern.

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