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Um- und Ausbau von Vogelsang: Großbaustelle im Nationalpark

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Vogelsang Ende März 2016: Die Bauarbeiten sollen nach Vorstellung der Verantwortlichen im Sommer abgeschlossen, im September die Eröffnung der umgestalteten Gebäude sein. Doch nach baulichem Endspurt sieht es auf Vogelsang noch überhaupt nicht aus. Foto: Gudrun Klinkhammer
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Die rückwärtige Seite mit Blick auf die Urfttalsperre: Dort soll eine Panoramaterrasse unter anderem für das Restaurant entstehen. Foto: Gudrun Klinkhammer

Schleiden/Aachen. Es wäre für viele eine Erleichterung, endlich einmal etwas Positives über den Um- und Ausbau von Vogelsang berichten zu können, dass die Bauarbeiten endlich abgeschlossen sind, dass die Kosten nicht noch weiter steigen.

Dass am Ende doch noch alles gut ausgehen wird. Das wären gute Nachrichten für die kommunale Politik, für die Verantwortlichen – und vor allem für die Steuerzahler, die das alles finanzieren. Aber wer dieser Tage über die Baustelle geht, dem präsentiert sich ein besorgniserregendes Bild: Es bröckelt an vielen Ecken und Kanten, Mauern zerfallen, Dächer sind undicht, Wände nass. Ein Leser, der regelmäßig auf Vogelsang unterwegs ist, schrieb uns dieser Tage: „Was ich gesehen habe, sieht nicht gut aus: fehlender Wetterschutz, die Dämmung löst sich auf.“

Seit 2012 wird auf Vogelsang gebaut, im Herbst 2013 sollten die Bauarbeiten eigentlich abgeschlossen sein, das war der Plan. Doch im Frühjahr 2016 wird immer noch gebaut. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende der Vogelsang GmbH, Jürgen Rolle (SPD), die Bauarbeiten würden im Sommer fertiggestellt sein, die Eröffnung der um- und neugestalteten Gebäudeteile sei für September geplant. Doch selbst im Kreis der Vogelsang-Gesellschafter (siehe Info-Box) gibt es Menschen, die auch diese Prognose für erheblich zu optimistisch halten.

Die „Heimlichtuer des Monats“

Die Kosten für alle Bauarbeiten auf Vogelsang, das mitten im Nationalpark Eifel liegt, sollten 35,1 Millionen Euro betragen, so war es bei Baubeginn geplant. Inzwischen sind es mehr als 43 Millionen. Und der Bund der Steuerzahler, der Vogelsang in sein Schwarzbuch 2015 für Steuergeldverschwendung aufnahm, hat errechnet, dass fest geplante Bauprojekte im Wert von „mindestens vier Millionen Euro“, für die es aus verschiedenen Fördertöpfen Geld gab, erst gar nicht angefangen wurden, weil das Geld bereits an anderer Stelle verbaut worden war. Seit einem Dreivierteljahr ermittelt die Aachener Staatsanwaltschaft gegen drei Vogelsang-Verantwortliche wegen Subventionsbetruges.

Weil das Land NRW nicht für die Mehrkosten aufkommen wollte, nahm die Vogelsang GmbH zwei Darlehen von jeweils fünf Millionen Euro in Anspruch. Dieses Geld soll aus dem laufenden Etat der GmbH zurückgezahlt werden. Das könnte zur Folge haben, dass für das pädagogische Begleitprogramm auf der früheren NS-Ordensburg Vogelsang kaum mehr Geld übrig bleibt, dabei ist die pädagogische Bespielung des historisch belasteten Ortes sein eigentlicher Sinn und war damals die einzige Rechtfertigung der gewaltigen Bauvorhaben.

Ein hoher Vertreter eines Vogelsang-Gesellschafters, der seinen Namen in diesem Zusammenhang nicht in der Zeitung lesen möchte, sagte diese Woche, dass die einzige Alternative zum Zusammenstreichen des pädagogischen Programms eine Erhöhung des Zuschusses sei, den die Gesellschafter der Vogelsang GmbH jährlich überweisen, 500.000 Euro. Eine Erhöhung lehne er entschieden ab. In den kommenden Wochen solle darüber entschieden werden.

Weil die Großbaustelle den Vogelsang-Gesellschaftern zunehmend Sorge bereitet, entschieden sie vergangenen Herbst, dem Geschäftsführer der Vogelsang GmbH, Albert Moritz, einen zweiten Geschäftsführer zur Seite zu stellen, den Kölner Unternehmensberater Ulrich Hammes. Weil die Vogelsang GmbH und ihre Gesellschafter die Kosten für Hammes‘ zeitlich begrenztes Engagement nicht veröffentlichen wollen, ist den sieben Gesellschaftern der GmbH gerade eine zweifelhafte Ehre zuteil geworden: Das Antikorruptionsbündnis „NRW blickt durch“, dem unter anderem der Steuerzahlerbund und Transparency International angehören, hat die Gesellschafter zum „Heimlichtuer des Monats“ ernannt.

Nach Recherchen unserer Zeitung kostet Hammes‘ zunächst auf nicht einmal 100 Arbeitstage befristetes Engagement zwischen 100.000 und 120.000 Euro. Warum auf Vogelsang aus dieser Zahl ein solches Geheimnis gemacht wird, ist angesichts der ohnehin schon gewaltigen Baukosten nicht nachzuvollziehen. Hammes‘ Arbeit sei bislang erfolgreich, „endlich erscheint das Management stringent und das Verfahren straffer“, sagte ein Gesellschaftervertreter unserer Zeitung.

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