Überschuss von 25 Millionen Euro im Bistum Aachen

Von: Claudia Schweda
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Dom Aachen Foto Oliver Berg/dpa
Unschätzbare Schätze: Der Aachener Dom - hier der Karlsschrein - ist ein Wahrzeichen der Stadt. Foto: Oliver Berg/dpa

Aachen. In der Aachener Domschatzkammer ist der Reichtum der katholischen Kirche sichtbar. Dort steht ein goldglänzender Schatz neben dem nächsten, darunter die Karlsbüste, eine der bedeutendsten Zeugnisse gotischer Goldschmiedekunst aus dem 14. Jahrhundert.

Ihr Bekanntheitsgrad dürfte weit über unsere Region hinaus hoch sein. Getriebenes Silber und vergoldete Partien glänzen um die Wette. Auf dem Haupt, das ein Idealbild Karls des Großen zeigt, sitzt eine edelsteinbesetzte goldene Krone. Das Wort, das ihren Anblick beschreibt, lautet „prachtvoll“. Doch finanziell wertvoll ist dieser Kulturschatz für das Aachener Domkapitel nicht.

Am Donnerstag legte das Domkapitel erstmals zusammen mit dem Bistum Aachen und dem Bischöflichen Stuhl einen Finanzbericht nach kaufmännischen Grundsätzen vor, um einen transparenten Überblick über Werte, Einnahmen und Ausgaben zu geben. Doch die Karlsbüste taucht darin nicht auf, genauso wenig wie der Karlsschrein oder der Marienschrein aus dem Dom. Nur der Dom selbst erscheint im Finanzbericht: mit einem symbolischen Wert von zwei Euro. Ein Euro für das Gebäude, einer für das Grundstück.

Statt Erträgen hohe Kosten

„Die allgemeine Bewertungssystematik des Handelsgesetzbuches greift bei derartigen Gebäuden nicht“, sagte Günter Schulte, Geschäftsführer des Domkapitels. Wer kann schon den Anschaffungswert bestimmen? Und welche Nutzungsdauer soll man ansetzen? Und für die Schätze im Innern gelte das gleiche wie für den Dom selbst: Sie gehören zum Weltkulturerbe. „Und das darf nicht veräußert werden“, sagte Schulte. Deswegen hat der Dom buchhalterisch nur einen symbolischen Wert. „In eine Bilanz kann man keinen Reichtum hineinschreiben, den man nicht aktivieren kann.“

Statt Erträge abzuwerfen, sei es umgekehrt sogar so, dass es jedes Jahr viel Geld koste, diesen kulturellen Reichtum ständig öffentlich zu zeigen. 1,3 Millionen Besucher kamen 2015 in den Dom. Insgesamt weist das Domkapitel Ausgaben von rund 5,93 Millionen Euro für 2015 aus. 40 Prozent der Kosten entfielen auf Instandhaltungs- und Personalkosten. Dem stehen – geringere – Erträge von 5,18 Millionen Euro entgegen.

Der Dom und die Domschatzkammer als Touristenattraktion bringen mit Eintrittskarten und Führungen rund eine Million in die Kasse, Zuschüsse der öffentlichen Hand oder Dritter belaufen sich auf 2,43 Millionen Euro, darunter 700.000 vom Dombauverein. Das Bistum gibt aus seinem Haushalt eine Million Euro. Trotzdem bleibt ein Defizit von 750.000 Euro. „Das zeigt, dass wir auf die Hilfe vieler angewiesen sind, um dieses religiöse und kulturelle Erbe für die Zukunft zu sichern“, sagte Dompropst Manfred von Holtum. Das Gesamtvermögen des Domkapitels betrug 2015 25,6 Millionen Euro, es bildet sich vor allem aus Immobilien – neben dem Dom 16 weitere Gebäude und einige verpachtete Grundstücke.

Im Gegensatz zum Domkapitel weist der Jahresabschluss des Bistums einen Überschuss von 24,6 Millionen Euro aus – ein sattes Plus von über 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „2015 war für das Bistum ein gutes Jahr“, sagte Generalvikar Andreas Frick. Der Grund ist nach Angaben von Finanzdirektor Joachim Eich die „anhaltend gute Konjunktur mit sehr geringer Arbeitslosigkeit“. Die Kirchensteuern sprudeln. 2015 flossen mit 244 Millionen Euro noch einmal 5,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Beiträge der 1,06 Millionen Katholiken im Bistum sind mit 72 Prozent die stärkste Finanzquelle im Bistum. Aber Eich warnt: Die Kirchensteuereinnahmen 2016 lägen auf gleichem Niveau wie 2015.

In der Zukunft müsse mit Einnahmerückgängen gerechnet werden. Für diese Zeit will Eich vorsorgen, um die zugesagten Gelder für die Pfarrgemeinden und die Altersversorgung der über 1700 Mitarbeiter trotz Niedrigzinsphase auch mit weniger Kirchensteuereinnahmen leisten zu können. Aus diesem Grund seien die Rücklagen um 25,3 Millionen (plus 9 Prozent) und die Pensionsrückstellungen um 19,9 Millionen Euro (plus 8,5 Prozent) aufgestockt worden.

Mit öffentlichen Zuschüssen und sonstigen Erträgen verfügte die Diözese 2015 über rund 324 Millionen Euro. Mehr als 70 Prozent davon flossen laut Eich in Seelsorge, Bildung und Caritas. „Uns geht es nicht ums Geld“, betonte Frick. „Es ist nur Mittel zum Zweck. Wir haben eine große Verantwortung in der Gesellschaft. Und der stellen wir uns.“

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