Überfall-Opfer glaubten an Explosion der Gasheizung

Von: Wolfgang Schumacher
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Alain L. (40) soll mit Mittätern ein Sicherheitsunternehmen in Düren überfallen haben. Foto: Roeger

Aachen/Düren. Mehr oder weniger gut haben alle fünf am Tattag anwesenden Mitarbeiter des Dürener Wertunternehmens Securloc den Raubüberfall vom 1. März 2012 verkraftet. Die vier Männer und eine Frau schilderten vor der 1. Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht am Dienstag nochmals, was sie gegen 6.18 Uhr an diesem März-Morgen erlebt hatten.

Damals hatte ein Kommando von mutmaßlich fünf Tätern ein Loch in den Tresorbereich des Wertunternehmens gesprengt und innerhalb von zehn Minuten rund zwei Millionen Euro erbeutet. In Aachen steht deswegen der 40-jährige Alain L. aus Charleroi in Belgien vor Gericht, der eine Tatbeteiligung allerdings vehement abstreitet.

Alle Security-Mitarbeiter schilderten übereinstimmend, dass sie eigentlich davon ausgegangen waren, die Gasheizung neben dem Tresor sei explodiert. Mitarbeiter Josef S. (47), durch die Explosion an der Hand verletzt, kam wahrscheinlich nur durch Zufall mit dem Leben davon, weil er nicht wie gewohnt am Computer an der Außenwand arbeitete, sondern am zweiten Terminal weiter innen im Raum. Er machte den Eindruck, als habe er den Überfall am besten weggesteckt.

Auch Kollegin Manuela A. (43) hatte Riesenglück, weil sie im Augenblick der Explosion gerade den Tresorraum verließ. Draußen habe man beim Verbinden der Hand des Kollegen bemerkt, dass man aus einem Schnellfeuergewehr, vermutlich einer Kalaschnikow, von einem entfernten Parkplatz aus beschossen wurde. Alle flüchteten schnellsten auf ein benachbartes Firmengelände.

Einsatzleiter Martin S. (55) gab an, bei den Tätern kurz den Ausruf „dawai, dawai“, also „schnell, schell weg“ auf Russisch, gehört zu haben. Die Bande sei mit einem „schwarzen oder dunkelblauen“ Audi-A6-Kombi geflüchtet.

Schwer unter Druck durch bohrende Fragen vom Richtertisch kam die 39-jährige Ehefrau des Angeklagten im Zeugenstand. Sie gab ihrem Mann standhaft ein Alibi, das allerdings noch durch Fakten erhärtet werden muss. Die Frau erinnerte sich genau, dass sie an jenem 1. März 2012 um acht Uhr zunächst mit ihrem Mann die zwei Kinder im Auto zur Schule und ihn dann zum Arzt gefahren habe. Darüber gebe es eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die sei hieb- und stichfest.

Das Gericht folgte der Schilderung eher unwillig, wollte der Zeugin nicht glauben. Man erinnere sich nicht so einfach an einen so weit zurückliegenden Tag, bohrte der Vorsitzende Richter Arno Bormann nach. Die Zeugin blieb eisern. Der Prozess wird am 25. März fortgesetzt.

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