Aachen/Düren - Überfall in Niederzier: Lange Haft für Thai-Willi

Überfall in Niederzier: Lange Haft für Thai-Willi

Von: Wolfgang Schumacher
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Am Mittwoch ereilte Wilhelm R. der Urteilsspruch der 7. Großen Strafkammer des Aachener Landgerichts: Sieben Jahre Haft. Symbolbild: Colourbox

Aachen/Düren. In seiner Stammkneipe wurde Wilhelm R. immer nur Thai-Willi genannt. Dort, im „Krug“ in Köln, gilt der eher kleine korpulente Mann als charmanter Frauenfreund und weltläufiger Geschäftsmann, der in Thailand ein Restaurant betrieb. Was niemand wusste: Das Kapital für seine Geschäfte besorgte sich Thai-Willi in der Tat bei einer Bank, allerdings mit vorgehaltener Pistole.

Sechsmal hatte R. (59) im Köln-Dürener Raum in zeitlichen Abständen Banken ausgeraubt. Deswegen war er schon 2010 in Köln zu einer Haftstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt worden.

Am Mittwoch nun ereilte Wilhelm R. der Urteilsspruch der 7. Großen Strafkammer des Aachener Landgerichts. Sieben Jahre muss er nun wegen schwerer räuberischer Erpressung und zweifacher Freiheitsberaubung absitzen. Er hatte am 30. März in Niederzier in der dortigen Volksbank 68.000 Euro geraubt, das Geld sollte das Startkapital für weitere Geschäftsvorhaben in Thailand sein.

Und weil er die Tat unter laufender Bewährung nach der besagten Verurteilung im Jahr 2010 durch das Kölner Landgericht begangen hatte, wird er die Reststrafe von mehr als drei Jahren aus diesem Urteil noch zusätzlich absitzen müssen. R. verbringt also die nächsten zehn Jahre im Gefängnis.

Damals, im Jahr 2009, konnte der ehemalige Lkw-Fahrer und Versicherungsvertreter seine Kredite nicht mehr bedienen, so hatte er es im Prozess gesagt. Da kam er auf die Idee, Banken zu überfallen. Verkleidet mit Perücke und dunkler Sonnenbrille überfiel er zweimal die Volksbankfiliale in Linnich, einmal ohne Erfolg, das zweite Mal, im Oktober 2009, nahm er rund 75.000 Euro mit. In Kerpen-Türnich erbeutete er kurz darauf rund 40.000 Euro, in Kerpen-Blatzheim blieb es beim Versuch. Ein Bankangestellter hatte ihm den Zugang an der Eingangsschleuse der Bank verwehrt.

Zugute hielt ihm nun das Aachener Gericht unter Vorsitz von Jürgen Beneking sein schnelles Geständnis. Auch habe er im Frühjahr in Niederzier mit einiger Sicherheit keine scharfe Waffe benutzt, sondern eine ungeladene Schreckschusspistole. Für die zum Teil bis heute traumatisierten Bankangestellten machte das freilich keinen Unterschied, wie sie während des Prozesses geschildert hatten.

Willis Perücke, eine Gesichtsmaske und die Brille, die er bei den Überfällen benutzt hatte, waren bei einer Freundin im Schrank gefunden worden; die in Niederzier benutzte Waffe blieb jedoch unauffindbar. Thai-Willi war 2016 kurz nach der Tat auf dem Köln-Bonner Flughafen festgenommen worden, er war auf dem Weg nach Thailand. Doch von der Beute fehlt bis heute jede Spur.

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