Überfall auf Rodarock: Strafen für Neonazis

Von: Michael Klarmann
Letzte Aktualisierung:

Herzogenrath. Ein juristisches Nachspiel hatten nun ein Raubdelikt und eine Körperverletzung für drei junge Neonazis aus Herzogenrath und Stolberg.

Mehrere Neonazis hatten Besuchern des Rodarock-Festivals Mitte 2008 eine Fahne der Antifa-Bewegung abgenommen.

Einer der Rechtsextremisten, ein Heranwachsender aus Merkstein, ist dabei einem Opfer in den Rücken gesprungen.

Wegen jener Tat muss der Neonazi, einer der Gründer und Anführer der Neonazi-Gruppe „Nationaler Widerstand Herzogenrath” (NWH), 50 Sozialstunden abarbeiten.

Gerichtssprecher Georg Winkel sagte unserer Zeitung, das Amtsgericht Aachen habe den Täter wegen des Körperverletzungsdelikts verurteilt und verwarnt.

Beweis per Foto selbst geliefert

Ein jugendlicher Neonazi aus Stolberg wurde laut Winkel wegen Begünstigung dazu verurteilt, sechs Monate durch das Jugendamt betreut zu werden.

Die Maßnahme soll verhindern, dass der Jugendliche weiter auffällt. Er gehört der Neonazi-Bande „Kameradschaft Aachener Land” (KAL) an.

Die Taten hatten sich Mitte 2008 am Rande des Musikfestivals zugetragen. Als einige Jugendliche aus der Punk- und Antifa-Szene das Treffen mit rund 600 Besuchern verlassen hatten, wurden sie aus einer mehrköpfigen Gruppe von Neonazis heraus provoziert.

Diese nahmen ihnen dann die Fahne der Antifa-Bewegung ab, es kam infolge eines Gerangels zu Übergriffen. Später machten die Täter noch Fotos, die sie mit ihrem Beutestück stolzierend zeigen.

Einige der Neonazis, die dem Spektrum der „Autonomen Nationalisten” (AN) angehörten, waren auf den Aufnahmen vermummt. „Autonome Nationalisten” kleiden sich wie Linksautonome und sind daher nicht immer als Neonazis zu erkennen.

Als nicht erwiesen habe das Gericht eine Körperverletzung angesehen, die man einem anderen Neonazi vorgeworfen hatte. Deswegen sei dieser freigesprochen worden, sagte Gerichtssprecher Winkel.

Nach Recherchen unserer Zeitung handelte es sich bei dem jungen Mann um einen weiteren Mitbegründer und Anführer des NWH. Da der Neonazi strafrechtlich schon mehrfach aufgefallen ist, hätte ihm eine Verurteilung eine Haftstrafe eingebracht.

Der Stein des Anstoßes, nämlich das Raubdelikt selbst, konnte das Gericht laut Winkel nicht ahnden. Zwar sei die Fahne gestohlen worden, indes habe sich bisher nicht zweifelsfrei klären lassen, wer von den Neonazis genau den Diebstahl begangen habe.

Aus Kreisen örtlicher Antifaschisten hieß es unterdessen, dass die Staatsanwaltschaft wegen des Raubdelikts ein neues Verfahren einleiten werde gegen einen Jugendlichen aus Aachen-Eilendorf.

Er soll seinerzeit auch unter den Neonazis in Herzogenrath gewesen sein.
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