Überfall auf Flüchtlinge: Haftbefehl gegen 17-Jährigen

Von: ger/red
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Der Wassenberger Busbahnhof. Hier wurden die drei Flüchtlinge von mehreren jungen Männern mit Schlagstöcken zusammengeschlagen. Foto: Daniel Gerhards

Aachen/Wassenberg. Nach dem gewalttätigen Überfall mehrerer vermummter und mit Schlagstöcken bewaffneter Männer auf drei Flüchtlinge in Wassenberg hat das Amtsgericht Heinsberg am Freitag Haftbefehl gegen einen 17 Jahre alten Jugendlichen aus Wassenberg erlassen.

 Der junge Mann wurde noch am Mittag verhaftet - ihm wird versuchte Beeinflussung von Zeugen vorgeworfen.

Den Haftbefehl hatte die Behörde wegen gefährlicher Körperverletzung beantragt, wie der Sprecher der ermittelnden Staatsanwaltschaft Aachen, Dr. Jost Schützeberg, am frühen Nachmittag erklärte. Gegen den Jugendlichen bestehe der dringende Verdacht, dass er zusammen mit mindestens fünf weiteren Personen am Dienstag, 27. Januar, „am zentralen Busbahnhof in Wassenberg auf drei Geschädigte eingeschlagen und eingetreten hat“.

Der Verdächtige wurde verhaftet, weil Verdunkelungsgefahr bestanden habe. „Der 17-Jährige hat versucht, auf eine Zeugin einzuwirken“, sagte Schützeberg gegenüber unserer Zeitung. Was er genau getan hat, ob er die Frau etwa bedroht hat, wollte Schützeberg nicht sagen.

Die Angreifer hatten bei der Tat ausländerfeindliche Parolen gebrüllt und auf die drei aus Nordafrika stammenden Männer eingeprügelt. Eines der Opfer wurde schwer verletzt.

Der genaue Ablauf der Tat und die möglichen Motive der Täter seien Gegenstand von weiteren Ermittlungen der Sonderermittlungsgruppe Remok des Aachener Staatsschutzes. Die Ermittler hatten am Donnerstag fünf Wohnungen in Wassenberg und Geilenkirchen durchsucht. Die Aktion hatte sich laut Staatsanwaltschaft gegen insgesamt sechs Personen gerichtet. 

Am Dienstagabend, eine Woche nach der Tat, hatten sich rund 350 Menschen zu einer Andacht am Wassenberger Bushof auf dem Ludwig-Essers-Platz versammelt. Mit Kerzen, Gebeten und Gesang wollten sie ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz setzen. Vor der Veranstaltung hatte die Polizei einigen jungen Männern aus der rechtsextremen Szene Platzverweise erteilt.

Der festgenommene 17-Jährige soll aus Wassenberg stammen und war nach Polizeiangaben schon vorher als Sympathisant der rechtsextremen Szene in Erscheinung getreten. Bislang sei er vor allem durch Propaganda-Delikte aufgefallen. Im Zusammenhang mit einer rechtsmotivierten Gewalttat sei er nun zum ersten Mal in Erscheinung getreten.

Nach Erkenntnissen des Staatsschutzes gibt es in Wassenberg und Umgebung eine rechte Szene, die vorwiegend aus Jugendlichen bestehe. Diese Gruppe stehe schon länger unter Beobachtung des Staatsschutzes.

Die Aachener Polizeisprecherin Sandra Schmitz sagte, dass die Aktivitäten der rechten Szene in der Region seit dem Verbot der Kameradschaft Aachener Land zwar rückläufig seien, trotzdem existierten weiterhin rechte Gruppen.

Die Szene beschränke sich aber nicht auf einzelne Orte. So seien nach Erkenntnissen des Staatsschutzes Sympathisanten der rechten Szene aus Wassenberg zum Beispiel mit Gesinnungsgenossen aus Erkelenz vernetzt.

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