Überfälle auf „Schlecker”-Märkte: Ein Serientäter?

Von: Marc Pesch, ddp
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Düsseldorf. „Den Tag werde ich nie vergessen”, sagt Ursel H. (Name geändert). Die 41-Jährige arbeitet in einer Filiale der Drogeriemarktkette „Schlecker” in der Nähe von Köln. Zwei Jahre ist es her, dass sie von einem Mann mit vorgehaltenem Messer bedroht und überfallen wurde.

Dem Täter gelang die Flucht mit den Tageseinnahmen der Filiale. Erst Monate später wurde er geschnappt. Der arbeitslose 39-Jährige aus Düren hatte insgesamt 30 „Schlecker”-Märkte überfallen, sein Motiv war Geldnot.

Nach der Festnahme des 39-Jährigen ging die Serie von Überfällen auf „Schlecker”-Filialen weiter. Die Polizei in Düsseldorf bearbeitet derzeit zehn weitere derartige Fälle.

„Es handelt sich offenbar immer um ein- und denselben Mann”, sagt Polizeisprecher Wolfgang Wierich. Er glaubt zu wissen, warum vor allem „Schlecker”-Märkte immer wieder betroffen sind. „Zur Tatzeit waren jeweils nur wenige Kunden in den Geschäften und oft nur eine Angestellte. So hat der Täter leichtes Spiel”, sagt der Polizeisprecher.

Laut einer Studie der Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution (BGHW) gab es 2007 bundesweit rund 3200 Raubüberfälle im Einzelhandel. Experten sprechen von einer weiter steigenden Tendenz. Am meisten betroffen waren bislang Drogeriemarkt-Filialen. Sie waren in etwa 40 Prozent der Fälle das Ziel der Täter.

Immer häufiger hat es die Polizei dabei mit Serientätern zu tun. Aus Sicht der Düsseldorfer Polizei müsste das „Schlecker”-Unternehmen mehr für die Sicherheit seiner Beschäftigten tun.

„Es gibt zwar jährliche Schulungen für die Mitarbeiter, das reicht aber nicht aus„, sagt Wierig. Ein Nachteil sei, dass die überfallenen Angestellten die Tat zunächst einem privaten Sicherheitsdienst melden müssten, der dann die Polizei informiere. So verstrichen wichtige Minuten, eine Nahbereichsfahndung sei meist nicht mehr erfolgreich.

„Hier sollten die Mitarbeiter auf direktem Wege den Kontakt zur Polizei suchen, auch eine Videoüberwachung der Kassenbereiche würde helfen”, betont der Polizeisprecher.

”Schlecker„ selbst bestätigt in einer schriftlichen Stellungnahme, dass es „immer wieder” zu Serien von Raubüberfällen komme. ”Wir prüfen ständig, ob sich unser Sicherheitskonzept noch optimieren lässt„, erklärt Sprecher Florian Baum.

So sollen alle 10.650 Verkaufsstellen in Deutschland mit Notfall-Alarmknöpfen und überfallsicheren Tresoren ausgerüstet werden. In besonders gefährdeten Bereichen patrouillierten sogar Motorradstaffeln, um besonders schnell vor Ort eintreffen zu können.

Die Überfälle haben für die betroffenen Mitarbeiter oft erhebliche Folgen. „Ich habe lange Zeit sehr schlecht geschlafen, bin schweißgebadet aufgewacht und mit einem schlechten Gefühl zur Arbeit gegangen”, sagt ”Schlecker„-Mitarbeiterin Ursel H., „obwohl der Täter mir körperlich gar nichts getan hat.”

„Schlecker” sorge zusammen mit der Berufsgenossenschaft für eine Betreuung der Mitarbeiter, die Opfer einer Straftat geworden seien, betont der „Schlecker”-Sprecher. „So können Traumatisierungen und Folgeproblematiken abgewendet werden.”

Das Thema Videoüberwachung sei „heikel”, in begründeten Fällen würden aber Kameras eingesetzt. „Die entsprechenden Mitarbeiterinnen werden natürlich vorher informiert, die Kameras dienen nur Präventions- und Ermittlungszwecken, nicht der Überwachung unseres Personals”, sagt Baum.

Positiv sei die hohe Aufklärungsquote. „90 Prozent der Überfälle werden geklärt”, sagt der ”Schlecker„-Sprecher, „diese Zahl müsste auch zur Abschreckung beitragen.”

Dennoch bleiben aus Polizeisicht vor allem die ”Schlecker"-Filialen im Fokus möglicher Täter. „Die anderen Ketten haben einfach mehr Personal, dort ist es schwieriger, einen Überfall zu begehen”, heißt es aus Ermittlerkreisen.
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