Über 150 Anfragen: Standesämter bereiten sich auf Ehe für alle vor

Von: dpa
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Ehe für Alle
Nach der Öffnung der Ehe für Homosexuelle trudeln bei den Standesämtern in Nordrhein-Westfalen immer mehr Anfragen für Trauungstermine ein. Foto: Sebastian Kahnert

Köln. Nach der Öffnung der Ehe für Homosexuelle trudeln bei den Standesämtern in Nordrhein-Westfalen immer mehr Anfragen für Trauungstermine ein. Groß ist die Nachfrage etwa in Köln mit mehr als 100 Anfragen.

Aber auch in einigen anderen Städten ist das Interesse an der Ehe für alle groß, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Standesämtern großer NRW-Städte ergab.

In Düsseldorf gab es bis Mitte der Woche bereits 16 Anmeldungen für eine gleichgeschlechtliche Eheschließung, in zwei Fällen handelt es sich um die Umwandlung einer bereits eingetragenen Lebenspartnerschaft in eine Ehe. In Essen haben sich 14 homosexuelle Paare angemeldet, in Münster gab es rund 10 Anfragen.

Auch in Bielefeld nehme die Zahl der Anfragen „von Tag zu Tag zu”, sagte eine Sprecherin der Stadt. Termine werden dort aber - ähnlich wie in Aachen und Münster - noch nicht vergeben. Das liege daran, dass einigen Kommunen noch genaue Ausführungsvorschriften fehlten.

Das Standesamt in Köln ist aber schon startbereit. Mehr als 60 Termine sind bereits vergeben, bei mehr als 100 Anfragen. In allen Fällen wollen Paare ihre bereits eingetragene Partnerschaft in eine Ehe umwandeln. Wirklich gefeiert wird das nur in wenigen Fällen. Bei den meisten Eheschließungen handele es sich nur um eine reine Bürotrauung ohne Angehörige, sagte ein Sprecher der Stadt. Eine feierliche Zeremonie gebe es nur in sieben Fällen. Gleich drei davon sollen am 2. Oktober stattfinden, dem ersten möglichen Hochzeitstag für gleichgeschlechtliche Paare.

Das Gesetz tritt am 1. Oktober in Kraft, einem Sonntag. Bundestag und Bundesrat hatten die Öffnung der Ehe kurz vor der parlamentarischen Sommerpause überraschend auf den Weg gebracht. Schwule und Lesben hatten jahrzehntelang dafür gekämpft.

Um die große Nachfrage zu bewältigen, reichen die 30 Standesbeamten in Köln nicht aus. „Wir bemühen uns momentan um ehemalige Standesbeamte, die uns am Anfang aushelfen können”, erklärte ein Sprecher der Stadt.

In anderen Städten scheint das Interesse an der Ehe für alle etwas geringer. In Aachen gibt es bisher nur wenige Anfragen. „Wahrscheinlich warten viele Paare jetzt erstmal den Oktober ab”, vermutete eine Sprecherin. Auch in Siegen haben sich bisher nur drei Paare nach der Rechtslage erkundigt.

Bislang konnten schwule und lesbische Paare in Deutschland lediglich eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Diese ist aber rechtlich nicht mit der Ehe gleichgesetzt, vor allem mit Blick auf das volle Adoptionsrecht. Solche Lebenspartnerschaften können künftig nicht mehr neu geschlossen werden, bereits bestehende bleiben aber erhalten - oder können in eine Ehe umgewandelt werden.

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