U-Bahn-Pfusch: Bauunternehmen will aufklären

Von: dpa
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U-Bahn-Pfusch - Ermittlungen ausgeweitet
Die U-Bahn Baustelle am Chlodwigplatz mit dem Severinstor in Köln. Foto: dpa

Köln. Bei den Betrugs-Vorwürfen zum Kölner U-Bahn-Bau hat das Unternehmen Bilfinger Berger eine umfassende Aufklärung angekündigt. „Da gibt es nichts, das irgendwie beiseite gedrückt würde”, sagte Bilfinger Berger-Chef Herbert Bodner am Montag in einer Telefon-Pressekonferenz.

Die für das Bauprojekt zuständige Firmen- Arbeitsgemeinschaft werde an diesem Mittwoch in Köln umfassend über den bisherigen Sachstand informieren. Unterdessen haben die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) an der U-Bahn-Baustelle am Heumarkt ihre Sicherungsmaßnahmen gegen drohendes Hochwasser fortgesetzt.

Bei einem Rheinpegel von 6,50 Meter soll die Baugrube geflutet werden. Es sei dann von einem großen Wasser-Volumen auszugehen, aber lediglich überschaubaren Schäden, sagte der Technische Vorstand der KVB, Walter Reinarz, am Montag. Das Fluten werde wohl 32 Stunden dauern. An der Baustelle fehlen mehr als 80 Prozent der vorgesehenen Eisenbügel, die zur Stabilisierung notwendig sind. Deshalb könnte die Grube bei steigendem Grundwasserspiegel instabil werden.

Der Pfusch beim Kölner-U-Bahn-Bau zieht mittlerweile Kreise bis nach Bayern. Dort gibt es Hinweise auf gefälschte Bauprotokolle an der ICE-Strecke München-Nürnberg. So sollen Befestigungsanker nicht oder falsch eingebaut worden sein. Bilfinger Berger ist an den Bauarbeiten für die ICE-Trasse beteiligt.

Dazu sagte Bilfinger-Chef Bodner, an dem fraglichen Streckenabschnitt habe es strenge Qualitätskontrollen durch die Deutsche Bahn und unabhängige Prüfinstitute gegeben. Dabei seien keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Bodner betonte, er sehe die Standfestigkeit der ICE-Trasse nicht gefährdet. Dennoch werde den Hinweisen natürlich nachgegangen.

Die Deutsche Bahn forderte Bilfinger Berger auf, umgehend alle Informationen offenzulegen, die eine Überprüfung konkreter Bauwerke ermöglichten. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth leitete Vorermittlungen ein. „Es wird abgeklärt, ob Anhaltspunkte für Straftaten bestehen”, sagte Justizsprecher Thomas Koch. Die Staatsanwaltschaft war aufgrund von entsprechenden Medienberichten von sich aus tätig geworden.

Man wolle sich nun mit anderen Staatsanwaltschaften in Verbindung setzen und nachfragen, was dort an Informationen vorliege, sagte Koch. Falls sich die Vorwürfe bestätigen sollten, müsse abgeklärt werden, welche Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernimmt. Auch die Münchner Staatsanwaltschaft hatte angekündigt, die Vorwürfe zu prüfen.

Unterdessen haben in Köln knapp ein Jahr nach dem Einsturz des Stadtarchivs die Vorarbeiten zur Bergung der restlichen Archivalien begonnen. Am Montag liefen zunächst umfangreiche Vorbereitungen an, sagte ein Sprecher der Stadt. In der kommenden Woche sollen dann Betonschichten an den Seiten des Einsturzkraters angebracht werden, damit keine Erde nachrutschen kann. Es sei davon auszugehen, dass die Arbeiten etwa acht Wochen dauern werden. Ziel ist es, die restlichen fünf bis zehn Prozent der noch verschütteten Archivgüter zu bergen, die seit dem Unglück vom 3. März 2009 in dem Krater liegen.

Der nordrhein-westfälische Bauminister Lutz Lienenkämper (CDU) appellierte an die Bauwirtschaft des Landes, mit aller Kraft gegen Unregelmäßigkeiten vorzugehen. „Pfusch am Bau gefährdet die hohe Reputation der deutschen Bauindustrie”, sagte er nach einer Mitteilung.

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