Köln - U-Bahn-Lärm dringt bis in die Kölner Philharmonie

U-Bahn-Lärm dringt bis in die Kölner Philharmonie

Von: dpa
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U-Bahn-Bau in Köln
Die U-Bahnbaustelle am Heinrich-Böll-Platz in Köln. Die Tunnelröhren der neuen U-Bahn-Linie befinden sich in bis zu 30 Metern Tiefe unter der Altstadt. Die Arbeiten des bereits seit den 80er Jahren geplanten Projekts waren 2004 begonnen worden, bis Mitte 2010 soll die Linie weitgehend fertiggestellt werden. Foto: dpa

Köln. Direkt neben der renommierten Kölner Philharmonie sollen demnächst U-Bahnen im Minuten-Takt fahren. In einem neuen U- Bahn-Tunnel, den nur eine Zwei-Meter-Betonwand von dem Konzerthaus trennt, wird derzeit in Simulationstest die Geräuschbelastung untersucht.

Mit Stadt und Philharmonie sei vereinbart, dass der Betrieb des Konzerthauses nicht beeinträchtigt werden dürfe, erklärte ein Sprecher des Bauherrn, der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Bei den bisherigen Prüfungen seien aber störende Geräusche zu hören gewesen, bestätigte eine Philharmonie-Sprecherin am Mittwoch Medienberichte. Intendant Louwrens Langevoort sagte der dpa: „Wenn man im Saal etwas aus der U-Bahn hören würde, wäre ein absolut hohes Gut wertlos gemacht. Das wäre auch ein Schande für die Stadt.”

Bei einem Test mit Lärmdämmung sei die eingesetzte Rüttelmaschine hörbar gewesen, sagte Philharmonie-Sprecherin Chistiane Linnartz. „Im Saal ist ein Dezibel mehr gemessen worden als das Planfeststellungs- Verfahren der Stadt als obersten Grenzwert zulässt”. Das Konzerthaus bestehe auf der Zusicherung, dass die akustischen Verhältnisse nach dem U-Bahn-Bau genauso sein müssten wie vorher und „dass wir in unserem international renommierten Haus weiter wie bisher arbeiten können”. Langevoort betonte: „Wenn es auch bei den beiden nächsten Tests noch kein positives Ergebnis gibt, muss die KVB ihre Hausaufgaben machen und sich ein besseres System ausdenken.”

Der unterirdische Bau der zentralen Nord-Süd-Trasse war nach dem Einsturz des Stadtarchivs am 3. März in die Negativschlagzeilen geraten. Ursache des Unglücks mit zwei Toten waren vermutlich Grundwasserprobleme an einer benachbarten Baustelle für diese U-Bahn- Trasse. Die für 2011 geplante Fertigstellung werde sich wohl verzögern, sagte der KVB-Sprecher. Dass die Trasse auch direkt neben der Philharmonie entlang führen solle, seit aber bereits seit vielen Jahren Konsens. Erst nach Auswertung aller Test-Ergebnisse werde sich die KVB zur Lärmdämmung auf der 130 Meter-Strecke äußern.

Bisher sei mit einem einfaches „Masse-Feder-System” (MFS) getestet worden. Dabei wurde eine Fahrt auf einer ein Meter dicken Betonplatte simuliert, die wiederum auf einem federnden Untergrund aufgesetzt war. Es gibt aber laut KVB aber auch aufwendigere MFS-Varianten. Ein Ingenieurbüro wertet die Messungen aller aufgestellten Geophone und Mikrofone aus.

Die Philharmonie kämpft bereits seit 1999 mit Lärm von oben: Wegen störender Geräusche - besonders von Hartschalenkoffer-Rollen und Skatern - wird der Platz über der Philharmonie etwa 1000 Mal im Jahr für Konzerte, Proben oder Aufnahmen gesperrt. Der Einsatz von Wachpersonal für diese Sperrung direkt neben Dom und Hauptbahnhof kostet jährlich 100.000 Euro, die aus dem Topf der von der Stadt bezuschussten Philharmonie stammen.

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