Trotz Sparkurs: RWE hält an Abbauplänen von Garzweiler II fest

Von: Patrick Nowicki
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Garzweiler
Trotz Sparkurs: RWE will an den Abbauplänen von Garzweiler II festhalten. Foto: dpa

Essen/Aachen. Mit einem harten Sparkurs will der Energie-Konzern RWE den Weg aus der Krise finden. Der Erlös aus der konventionellen Stromerzeugung sei in den ersten neun Monaten um fast zwei Drittel gesunken, teilte RWE-Konzernchef Peter Terium mit. „Unser traditionelles Geschäftsmodell bricht uns unter den Füßen weg“, sagte er bei der Vorstellung der Quartalszahlen am Donnerstag in Essen.

Der Konzern will aus diesem Grund massiv Stellen abbauen. Alleine 700 Stellen sollen nach Informationen unserer Zeitung im rheinischen Revier bei der Stromerzeugung bis 2016 wegfallen. Zudem schaue man sich die Gehaltsstrukturen der Mitarbeiter genau an, hieß es.

Dennoch schrieb der Konzern in diesem Jahr bisher schwarze Zahlen. Allerdings konnte RWE seinen Gewinn von etwa 6,71 Milliarden Euro nur dadurch halten, dass Gaslieferant Gazprom etwa eine Milliarde Euro zurückgezahlt hat. Der Verlust im dritten Quartal beläuft sich hingegen auf 370 Millionen Euro.

Die RWE-Beschäftigten in der Region spüren das Spardiktat schon seit Monaten. Sämtliche Abläufe werden überprüft. An eine Abschaltung von Braunkohle-Kraftwerken denkt der Konzern hingegen nicht. Lediglich die beiden aus dem Jahr 1970 stammenden 300-Megawatt-Blöcke in Frimmersdorf stünden „unter Beobachtung“.

An den Abbauplänen von Garzweiler II will der Konzern auch im Sparkurs weiter festhalten. Die Spekulationen seien haltlos. „Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie unverantwortlich gegenüber den Menschen in den betroffenen Regionen und unseren Mitarbeitern sind“, betonte Matthias Hartung im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Vorstandsvorsitzende der RWE Power AG geht davon aus, dass im Jahr 2030 immer noch 50 Prozent der Energie aus der konventionellen Stromerzeugung stammen würden.

Genau diese steckt aktuell in einer massiven Krise. Solar- und Windenergie und ein Überangebot an Kraftwerken in Europa lassen den Strompreis purzeln. Vor allem Gas- und Steinkohlekraftwerke werfen keine Gewinne mehr ab. RWE bekräftigte die Forderung nach einem sogenannten Kapazitätsmarkt. Dieser soll die Bereitstellung eines Kraftwerksparks vergüten, der nach Bedarf eingeschaltet werden soll, wenn weder Wind weht, noch die Sonne scheint. Die zukünftige Sicherheit von Arbeitsplätzen sei abhängig von den politischen Rahmenbedingungen, hieß es aus Essen. RWE-Chef Peter Terium schränkte jedoch später ein, dass man dies nicht als Warnschuss für die Politik deuten solle: Die Sparmaßnahmen seien „vernünftiges unternehmerisches Handeln“.

Der Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen im RWE-Konzern läuft Ende 2014 aus. Personalvorstand Uwe Tigges deutete an, dass man anschließend eine interne Jobbörse für die Mitarbeiter einrichten wolle. Zudem sei die Vereinbarung zum zukünftigen Interessenausgleich fast unterschriftsreif. Eine Nullrunde lehnte die Gewerkschaft bisher ab. Tigges schloss nicht aus, dass nach Ende des derzeitigen Sparprogramms im Jahr 2016 weitere Stellen abgebaut werden.

Mit einer Neuausrichtung will der mit 31 Milliarden Euro verschuldete Konzern in die Erfolgsspur zurückgelangen. So strebt RWE verstärkt lokale Kooperationen an, um dezentrale Versorgungseinheiten zu schaffen. „Wir wollen die Energiewende positiv mitgestalten“, wurde Peter Terium nicht müde zu betonen. Verstärkt solle in Windenergie und Photovoltaik sowie ins Stromnetz investiert werden. Als Beispiel nannte er die Vernetzung von Kraft-Wärme-Kopplung zu virtuellen Kraftwerken. Nur: Mit einem derzeit geplanten jährlichen Investitionsvolumen von lediglich etwa zwei Milliarden Euro ist RWE auf Partner angewiesen, um weiter im Konzert der ganz Großen der Energiebranche mitzuspielen.

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