Trotz Aufsicht: Rückfallverdacht bei zwei Sexualstraftätern

Von: Stephan Mohne, Robert Esser und Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
Untersuchungshaft
Nach einer bundesweiten Razzia gegen Kinderschänder sitzen mehrere Verdächtige in Untersuchungshaft. Symbol-Bild: dpa

Aachen. Für die Justizbehörden ist diese Nachricht ein herber Rückschlag. Denn es besteht der dringende Verdacht, dass binnen weniger Tage in der Aachener Region zwei als rückfallgefährdet eingestufte Sexualstraftäter, die unter besonderer Beobachtung der Behörden standen, wieder rückfällig geworden sind.

In dem einen Fall wurde ein dreijähriges Mädchen missbraucht, in dem anderen eine erwachsene Frau vergewaltigt. Polizeipräsident Klaus Oelze und Oberstaatsanwalt Peter Jansen bestätigten am Donnerstag entsprechende AZ-Informationen. Die beiden Tatverdächtigen befinden sich in Untersuchungshaft.

Die Sexualstraftaten haben sich laut Staatsanwaltschaft bereits am 9. Januar in Stolberg und am 19. Januar in Eschweiler ereignet. Im ersten Fall soll ein 44-Jähriger am helllichten Tag in einem leerstehenden Ladenlokal in der Stolberger Innenstadt eine Frau vergewaltigt haben.

Der Mann war bis Juli 2011 in Haft gewesen, weil er seine Lebensgefährtin vergewaltigt hatte. Dann wurde er vorzeitig auf Bewährung entlassen – wegen seiner krebsbedingten geringen Lebenserwartung. Im zweiten Fall in Eschweiler soll ein 30-Jähriger die Tochter seiner Freundin missbraucht haben. Er hatte bis 2008 in Haft gesessen, weil er in einem Pflegeheim Wachkoma-Patientinnen missbraucht hatte.

Beide Männer stehen auf der „Kurs“-Liste in NRW. Das Kürzel steht für „Konzeption im Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern“. Diese ist zentral beim Landeskriminalamt angesiedelt und sieht eine Führungsaufsicht für diese Täter nach dem Verbüßen ihrer Haftstrafen vor, um die Gesellschaft vor ihnen möglichst gut zu schützen. Verbunden ist dies mit strengen Auflagen, die bis hin zu Observationen reichen können – was in diesen Fällen nicht erfolgt ist.

„Bei beiden Männern gab es keine gravierenden Verstöße, die weitere Maßnahmen hätten erforderlich machen können“, sagt Jansen, der bei der Aachener Staatsanwaltschaft für „Kurs“ zuständig ist. Im hiesigen Gerichtsbezirk gibt es rund 100 Täter auf der „Kurs“-Liste. Sollte sich der Verdacht gegen die beiden Männer bestätigen, wären es laut Jansen in der Region die beiden ersten Rückfälligen in dem Projekt.

NRW-CDU verlangt Aufklärung

Die CDU-Fraktion im NRW-Landtag verlangte Aufklärung. „Kurs sieht eine Führungsaufsicht für diese Personen vor, die mit strengen Auflagen bis hin zu Observationen oder Bewachungen verbunden werden können“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Peter Biesenbach. Obwohl bei beiden Männern

nach Einschätzung des zuständigen Oberstaatsanwalts jeweils ein hohes Rückfallrisiko bestand, seien die Möglichkeiten nicht genutzt worden.


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