Trotz aller Gefahren in Syrien: Esraa Al-Khala versorgt Kinder

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Seit 8. Januar ist diese Grundschule in Hujjaira bei Damaskus nicht mehr nutzbar. In Syrien ist jede vierte Schule beschädigt, zerstört, für militärische Zwecke beschlagnahmt, oder sie dient der Unterbringung von Flüchtlingsfamilien. Geschätzt mehr als zwei Millionen Kinder haben derzeit Unterricht. Foto: Unicef
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Dr. Esra Al-Khalas Kinderkrankenhaus wurde ebenso zerstört wie ihr Privathaus. Foto: Unicef

Aleppo/Aachen. „Ich kann mich kaum mehr an einen ‚normalen‘ Tag in Aleppo erinnern. Wie sollen wir inmitten dieses vernichtenden Krieges ein normales Leben führen? Aber irgendwie muss es weiter gehen.“ Worte einer starken Frau: Ernährungsberaterin Dr. Esraa Al-Khala zählt zu den 17 Unicef-Mitarbeitern, die in Aleppo ausharren und unter großen Risiken zu helfen versuchen.

Die Doktorin in pädiatrischer Medizin hatte vor dem Bürgerkrieg ein eigenes Kinderkrankenhaus, das ebenso zerstört wurde wie ihr Privathaus. Seit 2013 arbeitet sie für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Aktuell lebt sie bei einer Freundin im Westteil der Stadt. Unsere Zeitung gibt den Bericht von Esraa Al-Khala wieder, den sie im Austausch mit ihrer Kölner Kollegin Ninja Charbonneau verfasst hat.

„Die wichtigsten Meetings halte ich früh am Morgen ab, wenn die Stadt am ruhigsten ist. Dann geht es den Umständen entsprechend los: Ich mache Ortsbesuche, bewerte, was am dringendsten gebraucht wird, treffe mich mit Mitgliedern von Partnerorganisationen und sorge dafür, dass Kinder benötigte Hilfe erhalten. Dabei begegne ich ungezählten Jungen und Mädchen.

Ich traf zum Beispiel Ali, als er sechs Monate alt war und in Folge der Belagerung seiner Gegend unter schwerer Mangelernährung litt. Unicef hat geholfen, Ali in Sicherheit zu bringen. Wir haben ihn acht Monate lang behandelt, und es ging ihm langsam besser.

Das Lächeln auf seinem ehemals verweinten, erschöpften Gesicht war die größte Belohnung für mich. Aber Alis Geschichte hat leider ein tragisches Ende. Er war erst zwei Jahre alt, als er bei einer Bombardierung starb. Ich werde Alis Lächeln nie vergessen – ich sehe ihn in jedem Kind des gleichen Alters.

Ich muss auch oft an den elfjährigen Ahmad denken. Er hat Krebs und ist zusammen mit seiner Mutter im Krankenhaus. Durch die Kämpfe ist die Straße zu seinem Zuhause unpassierbar.

Ahmad besteht nur aus Haut und Knochen. Als wir ihn besuchten, war er sehr neugierig auf die Fotokamera, aber er war zu schwach, um sie in seinen zitternden Händen festzuhalten. Als sie ihm aus der Hand rutschte, war der Ausdruck auf seinem Gesicht einfach herzzerreißend.

Ich habe ihm mein Handy gegeben und ihn damit getröstet, dass es viel bessere Technik hat. Ich liebe das Foto, das er damit von mir gemacht hat, und sein stolzes Lächeln, als er mir das Handy zurückgab.

Nur ein Drittel der Krankenhäuser ist funktionstüchtig, der Rest wurde zerstört oder schwer beschädigt. Ärzte und Helfer arbeiten unter extrem gefährlichen Bedingungen, viele ihrer früheren Kolleginnen und Kollegen wurden bereits getötet und verletzt.

Seit Anfang des Jahres ist es uns nicht mehr möglich, in die östlichen Viertel zu gelangen. Aber wir unterstützen Partner, die dort Hilfe für Kinder und schwangere Frauen leisten, zum Beispiel Zeichen von Mangelernährung untersuchen und impfen.

Ernährungsprobleme sehen wir auch im Westen der Stadt, vor allem unter den rund 35.000 Menschen, die kürzlich aus dem Ostteil fliehen mussten. Ich besuche die Kinder regelmäßig und behandele sie gegen Durchfall.

Ein paar der Kinder hatten Hepatitis A, was mir sehr große Sorgen macht. Das Risiko von Krankheiten, die durch verschmutztes Wasser verursacht werden, hat zugenommen, seit die Wasserversorgung Anfang August unterbrochen wurde. Eine Epidemie wäre für die Kinder katastrophal. Mit einem großen Programm zur Wasser-Notversorgung versucht Unicef, das Schlimmste zu verhindern.

Viele Familien leben in Notunterkünften, die in Schulen und Moscheen eingerichtet wurden. Andere schlafen in Parks oder auf der Straße. Um diese Menschen zu versorgen, haben wir mit unseren Partner-NGOs neun mobile Kliniken eingerichtet.

Vor wenigen Tagen wurde die brüchige kurze Waffenruhe in Syrien für beendet erklärt, noch bevor der bereitstehende Konvoi der Vereinten Nationen die dringend benötigte Hilfe zu den Menschen in Aleppo bringen konnte. Gestern wurde ein anderer Hilfskonvoi bombardiert, mehrere freiwillige Helfer der UN-Partnerorganisation Syrischer Roter Halbmond sollen getötet worden sein.

In Aleppo zu arbeiten ist ein Akt der Liebe und des Glaubens. Du bleibst nicht in einer der gefährlichsten Städte der Welt, wenn du nicht den Ort, die Menschen und die Kinder liebst. Du bleibst nicht hier, wenn du nicht ernsthaft an die Menschlichkeit glaubst und dich verpflichtet fühlst, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Vielleicht bin ich eine Träumerin, aber ich glaube fest daran, dass wir etwas verändern können.

Ich liebe diese Stadt allem zum Trotz. Es fehlt mir, in den Straßen spazieren zu gehen und mich völlig sicher zu fühlen. Ich vermisse die Altstadt und die Zitadelle. Ich hatte immer den Eindruck, dass ihre Steine sprechen können und allen davon erzählen, wie großartig diese Stadt ist.“

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