Trinken, trinken, trinken: Wie man die Nierenfunktion erhält

Von: Christoph Classen
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Aufstehen und mitmachen: Besucher des AZ-Medizin Forums am Dienstagabend im Klinikum. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Auf bis zu 200.000 schätzt Jürgen Floege die Zahl der Menschen in Deutschland, die regelmäßig Erythropoetin, kurz Epo genannt, einnehmen. Die große Mehrheit davon verdient ihr Geld übrigens nicht im professionellen Radsport. Beim Forum Medizin von Aachener Zeitung und Universitätsklinikum Aachen war es Floege wichtig, das herauszustellen.

Der Nephrologe und Direktor der Medizinischen Klinik II des Klinikums sagte also: „Ich darf noch mal daran erinnern: Epo ist nicht für das Team Telekom, sondern für die Behandlung von Dialyse-Patienten entwickelt worden.”

Ihre Zahl beläuft sich in Deutschland auf rund 80.000. Um die Bildung roter Blutkörperchen anzuregen, bekommen sie regelmäßig Epo. Noch in den 60er Jahren war das Versagen der Niere ein sicheres Todesurteil. „Heute”, sagte Floege „geht das Leben weiter. Aber es wird sehr teuer.”

Die Behandlung eines Dialyse-Patienten koste bis zu 40.000 Euro jährlich, in der Summe müssten die Krankenkassen per anno bis zu drei Milliarden Euro investieren. Auch ein Aspekt des Themas „Probleme mit der Niere”. Darum ging es beim Forum Medizin.

„Deutschland ist führend in Europa bei den Dialysepatienten. Wir müssen etwas tun, damit dieses Schwemme eingedämmt wird”, forderte Floege. Nur wie? Das wollten die knapp 400 Besucher in der anschließenden Diskussion von den Experten erfahren.

Um die Niere möglichst lang in Gang zu halten, sei es elementar, viel zu trinken, sagte Stefan Heidenreich. 2,5 Liter sollten es pro Tag schon sein, so der Internist und ärztliche Leiter des KfH-Nierenzentrums Aachen.

Wichtig dabei: Nicht zu zuckrig und nicht zu salzig. Denn mit Salz hat das Organ ohnehin schon genug Arbeit. Lebensnotwendig sind zwei bis drei Gramm täglich. „Die durchschnittliche Aufnahme liegt aber bei neun bis zwölf Gramm pro Tag”, sagte Peter Weidemann.

„Mein Tipp: Schauen Sie sich mal an, welches Wasser Sie trinken”, empfahl der niedergelassene Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie aus Aachen.

Eine gute Nachricht hatte Floege für alle, die immer nur Wasser auf Dauer ziemlich geschmacklos finden. Denn ein Glas Wein oder Bier am Abend sei für die Niere förderlich.

„Man weiß tatsächlich, dass die, die ein bisschen Trinken, besser laufen, als die ganz Abstinenten”, sagte Floege. Weitere Alternativen sind Tee, Suppe oder Kartoffeln; Letztere enthalten bis zu 50 Prozent Flüssigkeit. Generell gilt für die Ernährung: Frisch und abwechslungsreich sollte es sein.

Heidenreich fasste das unter dem Begriff „Mittelmeerkost” zusammen. Daneben „freut” sich die Niere, wenn das Rauchen eingestellt und der Cholesterinwert gesenkt wird. Medikamente dagegen machen dem Organ zusätzliche Arbeit.

„Keines ist wirklich gut für die Niere”, sagte Peter Effert, Urologe aus Aachen. Schmerzmittel auf der Basis von Morphium, Blutdrucksenker und Cortison seien aber relativ unbedenklich. Für die Medikamention gilt ganz allgemein, dass die Dosierung bei geschädigter Niere stets etwas geringer ausfallen muss.

Werden all diese Dinge beherzigt, stehen die Chancen gut, dass die Niere bis zum Lebensende ihren Dienst verrichtet. Oder sogar darüber hinaus. Voraussetzung dafür ist ein Organspenderausweis. Auch wer beispielsweise an Hepatitis C leidet, sollte sich einen besorgen. Floege: „Ganz viele Patienten auf den Wartelisten haben auch Hepatitis C. Denen ist egal, dass Sie das haben.”

Generell sei es gar nicht wichtig, „was Sie im Blut haben”; Organe würden stets blutlos transplantiert. Und wer sich für zu alt für einen Organspenderausweis hält, der muss sich das Ganze nach dem Forum Medizin noch mal durch den Kopf gehen lassen.

Heidenreich sagte, dass der Transplantationsdienst auch ein „Seniorenprogramm” habe: „Der Vorteil ist, dass die Wartelisten kürzer werden. Es kommen auch durchaus 70-jährige für eine Nierentransplantation in Betracht.”
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