Traumberuf mit Kamm und Schere: Der jüngste Friseurmeister von NRW

Von: Heike eisenmenger
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Kamm und Schere stets im Anschlag: Christoph Krümmel ist Nordrhein-Westfalens jüngster Friseurmeister. Der 18-Jährige arbeitet im elterlichen Betrieb in Stolberg. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Von Traumberuf konnte anfangs keine Rede sein. Die Vorstellung, als Friseur sein Geld zu verdienen, fand Christoph Krümmel wenig prickelnd. Doch wie das Leben so spielt – manchmal kommt es anders als man denkt. Nun ist der 18-Jährige der jüngste Friseurmeister in NRW und brennt darauf, mit pfiffigen Techniken neue Haarwelten auf den Köpfen seiner Kunden entstehen zu lassen.

Nicht, dass der junge Stolberger per se etwas gegen das Friseurhandwerk gehabt hätte, schließlich besitzen seine Eltern, Heike und Frank Krümmel, einen eigenen Salon in der Innenstadt. Es war schlichtweg so, dass Christoph als Jugendlicher nicht wusste, wohin ihn sein Weg führen würde. Als er vor drei Jahren im Alter von 15 Jahren die Hauptschule im Stadtteil Liester in Stolberg verließ, wusste er nur eins: Er wollte mit den Händen arbeiten, und er brauchte dringend einen Ausbildungsvertrag. Zwar hatte Krümmel den Hauptschulabschluss in der Tasche, aber statt der vorgeschriebenen zehn Schuljahre hatte er zu diesem Zeitpunkt erst neun absolviert.

Bereits nach neun Jahren die Schule zu verlassen, ist durchaus möglich, sofern der Jugendliche eine Lehrstelle im Anschluss antritt. Für ihn war die Aussicht, eigenes Geld zu verdienen, die Lösung. Ein weiteres Jahr die Schule zu besuchen, darauf hatte er überhaupt keine Lust. „Es hätte ihm nichts gebracht“, stellt sein Vater Frank Krümmel klar. „Der Schulleiter hatte uns damals darüber informiert, dass in der Zehn zahlreiche Lehrer fehlen werden und damit viele Unterrichtsstunden ausfallen werden“, erklärt der 48-Jährige, warum er und seine Frau den Entschluss ihres Sohnes befürworteten.

Also sah sich Christoph Krümmel nach einem Praktikumsplatz um. „Ich bin da ganz ehrlich – als junger Mensch neigt man zur Faulheit, und ich dachte mir, da machst du doch schön bei Mama und Papa im Salon dein Praktikum“, sagt NRW‘s jüngster Friseurmeister erfrischend ehrlich.

Aber sein Plan, im elterlichen Salon eine ruhige Kugel zu schieben, ging gründlich daneben. Nicht, dass seine Eltern ihn „gescheucht“ hätten – „sie ließen mich vieles ausprobieren. Da war nichts mit nur mal eben Haare zusammenfegen, aber so wird im Salon bei uns eh nicht mit Azubis und Praktikanten umgegangen.“ Die Tage im Salon vergingen wie im Flug und endeten für Christoph Krümmel mit der für ihn erstaunlichen Erkenntnis, dass er unbedingt Friseur werden will. Zugegeben, eine kleine Portion Skepsis blieb. Der Junge fragte sich, ob ihm die Arbeit auch noch gefallen würde, wenn er in einem fremden Salon arbeitete. Er wollte ausschließen, dass nicht etwa ein „elterliches Schonprogramm“ ihm ein falsches Bild vom Beruf vorgegaukelt hatte.

Nach einem Praktikum in einem Dürener Geschäft war jeder Zweifel weggewischt, natürlich habe man im elterlichen Betrieb hier und da Vorteile, aber von Bevorzugung in dem Sinne, dass er dort mit Samthandschuhen angefasst worden sei, könne keine Rede sein, wusste Christoph hinterher.

Nachdem für ihn feststand, dass Friseur sein Traumberuf ist, wurde der junge Mann vom Ehrgeiz gepackt. Nach drei Jahren Lehrzeit im elterlichen Betrieb schloss Christoph Krümmel als Innungsbester auf Aachen-Land-Ebene mit der Note 2,0 ab. Nahtlos ging es weiter: Der Kupferstädter besuchte drei Monate lang die Meisterschule in Heidelberg.

Früher durfte man erst nach dreijähriger Gesellenzeit und mit dem Erreichen des 21. Lebensjahres die Meisterprüfung ablegen. Heute jedoch reicht eine abgeschlossene Ausbildung und ein Mindestalter von 18 Jahren, um die Meisterschule besuchen zu dürfen.

Dass er der jüngste Friseurmeister in NRW ist, darauf ist der Stolberger stolz. Die Marschrichtung für die Zukunft hat er auch bereits festgelegt: Den jungen Figaro zieht es auf die Bühne. Er will ein Top-Friseur mit Unterhaltungswert werden. „Die Leute sollen mich kennen“, sagt er, und es klingt nicht überheblich. Auch in der Nachwuchsförderung will Christoph Krümmel später aktiv werden, aber zunächst steht das Berühmtwerden auf dem Plan.

Und was sagt die Freundin zum Erfolg? „Das ist schon witzig mit meiner Freundin“, verrät der junge Friseurmeister. „ Sie arbeitet als Elektronikerin bei der Bundeswehr. Ein typischer Männerberuf, während ich als Friseur in einem typischen Frauenberuf tätig bin. Aber das ergänzt sich ganz gut und die – nennen wir es mal ‚stressige Zeit‘ in Heidelberg – ist vergessen“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

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