Aachen - Transgender-Patienten: Wie die Behandlung abläuft

Transgender-Patienten: Wie die Behandlung abläuft

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Professor Joseph Neulen ist Direktor der Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin im Universitäts-Klinikum der RWTH in Aachen. Er behandelt Transgender-Patienten. Im Interview erklärt er, welche Behandlungen am Uniklinikum angeboten werden und stellt klar, dass dieses Thema nicht nur Randgruppen betrifft.

Herr Neulen, welche Behandlungen bieten Sie in der Uniklinik Aachen an?
Neulen: Wir führen die hormonelle Behandlung durch und zwar in beide Richtungen. Außerdem werden  Brustkorrekturen vorgenommen, die Eierstöcke und die Gebärmutter entfernt. Geschlechtsangleichungen werden hier nicht vorgenommen. Es gibt nur wenige Kliniken, die diese Eingriffe durchführen.

Wie läuft die hormonelle Behandlung ab?
Neulen: Bei Männern müssen zunächst die Keimdrüsen medikamentös ruhig werden. Das geschieht in Form einer Spritze. Außerdem bekommen die Patienten weibliche Hormone zugeführt. Das geschieht in Form von Tabletten. Durch die Hormonbehandlung wächst die Brust und auch das Haarwachstum wird beeinflusst.

Wie sieht das bei Frauen aus, die zu Männern werden?
Neulen: Diese Patienten erhalten zwei Spritzen. Sie bekommen Testosteron gespritzt. Dadurch wird die Brust kleiner, die Haare im Gesicht sprießen und die Haare auf dem Kopf gehen eventuell zurück. Außerdem wächst der Kehlkopf und die Stimme wird tiefer. Mit einer weiteren Spritze wird die Funktion der Eierstöcke abgestellt. Durch diese Behandlung werden die Monatsblutungen vermieden.

Mit welchen Nebenwirkungen müssen die Patienten rechnen?
Neulen: Das größte Risiko ist die Entstehung von Thrombosen.

Wie viele Patienten behandeln Sie derzeit?
Neulen: Der Einzugsbereich ist im Laufe der Jahre größer geworden. Im Moment sind es rund 30 Patienten aus der Städteregion sowie aus Mönchengladbach und Krefeld und im Süden bis nach Koblenz.

Wie aktuell ist dieses Thema derzeit?
Neulen: Es war schon immer ein Thema, aber bis vor einigen Jahren haben sich die meisten Betroffenen nicht getraut, es öffentlich zu machen. Die Akzeptanz scheint größer zu werden und es gibt mehr Menschen, die sich trauen, dazu zu stehen und sich zu outen. Dieses Thema betrifft nicht nur Randgruppen. Es besteht eine gleiche Verteilung über alle Bildungsgrade und Berufsgruppen hinweg.

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