Tragödie am Blausteinsee: Prozessbeginn steht fest

Von: Marlon Gego
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Im Laufe der Feier war der Junge offenbar auf ein Seil zwischen den Blumenkübeln gestiegen. Dadurch war einer der Kübel umgefallen und hatte den Jungen unter sich begraben. Foto: Archiv/Gego

Eschweiler/Aachen. Im Zusammenhang mit dem Tod eines dreijährigen Jungen im September 2015 am Blausteinsee in Eschweiler muss sich ein 44 Jahre alter Gastronom vor Gericht verantworten. Wie das Amtsgericht Eschweiler am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, beginne der Prozess gegen den Mann am 22. Januar 2018.

Die Aachener Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung vor. Im Fall einer Verurteilung droht dem Gastronomen aus Eschweiler eine Strafe von bis zu fünf Jahren Haft.

Am 16. September 2015 hatte eine private Initiative 150 Flüchtlinge zu einem Willkommensfest in Eschweiler am Blausteinsee eingeladen. Mit dabei waren auch der Dreijährige und seine Eltern, die aus dem Irak stammten. Im Laufe der Feier war der Junge offenbar auf ein Seil gestiegen, das zwischen zwei 1,40 Meter hohen Blumenkübeln hing und an diesen befestigt war.

Unter dem Gewicht des Jungen war nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft einer der beiden Blumenkübel umgefallen und hatte den Jungen unter sich begraben. Wenig später erlag der Dreijährige seinen Verletzungen. Er starb an einem massiven Schädel-Hirn-Trauma, wie die Obduktion später ergab.

Fast ein Jahr später, im August 2016, hatte die Aachener Staatsanwaltschaft Anklage gegen den  Betreiber des Restaurants am Blausteinsee erhoben, auf dessen Terrasse das Unglück passiert war. Er wird beschuldigt, den Tod des Jungen fahrlässig verursacht zu haben. Kurz nach der Tragödie am 16. September 2015 hatte die Staatsanwaltschaft noch erklärt, es gebe keine Hinweise auf ein Fremdverschulden.

Doch einige Tage nach dem Unglück meldeten sich verschiedene Zeugen bei der Polizei, die aussagten, dass die Blumenkübel auf der Terrasse des Restaurants schon bei anderer Gelegenheit umgekippt waren. Die Staatsanwaltschaft fand heraus, dass die Kübel an jenem 16. September 2015 nicht im Boden verankert waren.

Gegenüber unserer Zeitung erklärte die Aachener Staatsanwaltschaft vergangenen im Sommer 2016, es stehe fest, dass bereits im Frühjahr 2015 ein spielendes Kind den Sturz eines nicht befestigten Kübels verursacht habe. Dieses Kind hatte Glück und war unverletzt geblieben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Betreiber des Restaurants von den beiden Unfällen gehört hatte und dennoch nichts unternahm, um alle Blumenkübel auf seiner Terrasse zu befestigen. Das Ermittlungsverfahren, in dem unter anderem 27 Zeugen vernommen wurden, hatte ergeben, dass die Blumenkübel bei der Bauabnahme des 2014 eröffneten Restaurants am Blausteinsee am Boden befestigt waren und zu diesem Zeitpunkt von Kindern nicht ohne Weiteres hätten zu Fall gebracht werden können.

Doch die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der Betreiber die Befestigung einiger Blumenkübel gelöst hatte, um die Anordnung der Blumenkübel auf der Terrasse verändern zu können. Die Polizei hatte bei der Durchsuchung des Restaurants die gelösten Befestigungen in der Nähe der Terrasse sichergestellt, wie die Staatsanwaltschaft erklärte.

Der Prozess am 22. Januar beginnt um 9 Uhr in Saal 17 des Eschweiler Amtsgerichts.

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