Trägt fast alles: RWTH stellt Alltagshelfer „Carr-E“ vor

Von: Rolf Hohl
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Fast wie ein Segway: Ford-Mitarbeiter Kilian Vas (links) und RWTH-Informatiker Martin Schweigler vor einem „Carr-E“, der an der RWTH Aachen entwickelt wurde. Auf dem Gefährt kann man stehen, es wird bis zu 18 km/h schnell. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es ist egal, ob man seine Einkaufstasche, ein schweres Möbelstück oder gleich sich selbst drauf stellt – der „Carr-E“ trägt fast alles. Obwohl er unter hohem Zeitdruck entwickelt und produziert wurde, ist aus dem kleinen runden Alltagshelfer ein ausgereiftes Produkt geworden, auch wenn er im ersten Augenblick eher an einen automatischen Rasenmäher erinnert.

Am Mittwoch wurde er beim 4. Elektromobilproduktionstag am Campus Melaten der Öffentlichkeit vorgestellt. „Das ist vor allem ein Transportmittel für die sogenannte letzte Meile. Wenn man also mit dem Auto irgendwohin fährt, kann man den ‚Carr-E’ leicht mitnehmen und etwa schwere Lasten damit befördern“, erklärte Stefan Kowalewski, Leiter des Lehrstuhls für Informatik 11 an der RWTH Aachen. Allzu schwer sollten diese dann aber auch nicht ausfallen, denn der Prototyp ist nur bis 120 Kilo ausgelegt, erreicht dafür aber eine Geschwindigkeit von bis zu 18 Stundenkilometern.

Die Idee zu „Carr-E“ hatte der Kölner Ford-Mitarbeiter Kilian Vas, der bei einem internationalen betriebsinternen Wettbewerb seine Idee eingereicht hatte. Unter 633 Vorschlägen wurde ausgerechnet seiner dann von einer Fachjury ausgewählt, woraufhin die RWTH mit der Umsetzung eines Prototypen beauftragt wurde.

In weniger als vier Monaten schafften es die Lehrstühle für Kommunikationswissenschaft, Informatik 11 und Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) ein vollfunktionsfähiges Gerät zu entwickeln. Hinter dem sperrigen Namen fand unkomplizierter und intensiver Austausch statt, der schließlich zum Erfolg führte.

Eventuelle Zusammenstöße

Die beiden Prototypen wurden sowohl mit konventionellen Fertigungsmethoden wie Drehen und Fräsen hergestellt als auch mittels neuer Technologien. „Wir haben im weiteren Verlauf auch Lasertechnik und additive Fertigungsverfahren wie 3D-Druck verwendet“, sagte Benedikt Groschup vom PEM-Lehrstuhl der RWTH. Entstanden ist eine kleine Plattform mit Elektromotor, die einerseits vom Nutzer selbst per Gewichtsverlagerung gesteuert werden kann, oder diesem auf Wunsch einfach hinterher fährt. Auch eine Steuerung per Smartphone ist möglich, wobei in allen Betriebsmodi Sensoren eventuelle Zusammenstöße vermeiden.

Entscheidend für die Alltagstauglichkeit von Geräten wie dem „Carr-E“ ist die Kommunikation mit dem Nutzer. „Bei Menschen haben wir kein Problem, aus dem Gesicht Emotionen oder Stimmungen abzulesen, bei einer Maschine ist das aber schwieriger“, schilderte Martina Ziefle vom RWTH-Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft. Dass dies möglich wird, war neben der Softwareentwicklung und der Herstellung die dritte Herausforderung bei diesem Projekt.

In der Testphase haben Menschen aus allen Altersgruppen den „Carr-E“ getestet, um ein optimales Design und eine verständliche Kommunikation durch Lichter und Laute zu entwickeln. Besonders Kinder seien von dem Gerät schnell begeistert gewesen, wie Ziefle berichtete.

Nun kommuniziert der Prototyp durch blinkende Lichter, Geräusche und zwei Scheinwerfer, die ähnlich wie Augen an der Vorderseite angebracht sind. Diese intuitive Steuerung kann entscheidend sein für den Erfolg des Geräts, denn ein Helfer, den man nicht versteht, nützt am Ende niemandem.

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