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Totschlag in Würselen: Schlägerei im Landgericht

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Prügelei im Gericht: In einer Verhandlungspause des Schwurgerichts stürzten sich sechs bis sieben breitschultrige Männer, offenbar aus dem Umfeld des MC Hells Angels Turkey Nomads, auf den Bruder des wegen Totschlags angeklagten Hauptbeschuldigten und schlugen auf ihn ein. Foto: Roeger

Aachen/Würselen. Das Aachener Landgericht glich Dienstagvormittag einer Kneipe auf der Reeperbahn, breitschultrige Männer prügelten sich, die Polizei rückte an. Die Männer, die vermutlich der Rockerszene zuzurechnen sind, mischten in einer Prozesspause des Aachener Schwurgerichts den Vorraum des Verhandlungssaales auf, warfen die Sicherheitsschleuse um, stürzten sich mit den Fäusten auf einen Mann und verprügelten ihn.

Das Opfer ist der Bruder des Hauptangeklagten Denis Y. (27), der wegen Totschlags vor Gericht steht.

Großer Polizeieinsatz

Am 21. Mai soll Denis Y. aus der Hintertür einer Würselener Gaststätte heraus drei tödliche Schüsse auf einen erst 18-jährigen Mann aus Aachen abgegeben haben, den 28-jährigen Serda K. soll er mit einem Bauchschuss schwer verletzt haben.

Erst als die Begleiter der beiden Männer ihrerseits das Feuer eröffneten, gelang den Angegriffenen die Flucht. Die Schwerverletzten retteten sich zunächst in den Wagen, einen Golf, rasten ins Krankenhaus, wo der 18-Jährige jedoch an den Folgen des Kopfschusses starb.

Bei dem überlebenden Serda K. handelt es sich mutmaßlich um ein Mitglied des Hells Angels MC Turkey Nomads Aachen. Zahlreiche Angehörige der Szene hatten Serda K. am Dienstag mit ins Gericht begleitet. Dort sollte er als Tatzeuge aussagen. Doch dazu kam es in dem außergewöhnlichen Prozess mit vermutetem Drogen- und Rockerhintergrund erst gar nicht.

Denn Serda K. war es, der die Prügelei im Gerichtsflur anzettelte. Ob er die handgreifliche Rache bereits vorher geplant hatte, stand am Dienstag noch nicht fest. „Sechs bis sieben Personen“, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag, hätten sich auf den Bruder des Angeklagten Denis Y. gestürzt, zwei von ihnen, darunter Serda K., seien letztlich von der Polizei festgenommen worden.

Das Landgericht hatte „als Amtshilfe“ sofort massive Polizeikräfte angefordert, weitere größere Auseinandersetzungen waren wohl nicht auszuschließen. Noch Stunden später patrouillierten Polizisten im Aachener Ostviertel, um mögliche „Zusammenrottungen“ bereits im Vorfeld zu vereiteln.

Von nun an bewaffnet

Das Schwurgericht selbst wurde nun – und wird es auch in Zukunft – von bewaffneten Polizeikräften geschützt. Das Verfahren konnte gegen Mittag ungestört fortgesetzt werden. Der 22-jährige Bruder des aus Aachen stammenden getöteten 18-Jährigen berichtete, er habe nie etwas vom mutmaßlichen Rockerhintergrund seines Bruders mitbekommen.

Beide hätten sich im Tai-Kien-Boxen betätigt, doch sein jüngerer Bruder habe das schon länger aufgegeben. Der 18-Jährige sei nachts meist weg gewesen und habe dann bis in den Nachmittag geschlafen.

Zeuge Ersin S. (39) beschrieb als Erster, wie man am 21. Mai gegen 21 Uhr plötzlich in die Schießerei in Würselen geriet. Man habe eigentlich „Essen fahren wollen“, erzählte der Mann, der den zweiten Wagen steuerte. In dem Wagen fuhr der Onkel von Serda K. mit, Ibrahim K., der im Moment in der Kölner JVA sitzt.

Ibrahim K. habe die Fahrt nach Würselen angeordnet, sagte Ersin S., den Grund kenne er bis heute nicht. Der Vorsitzende Richter Arno Bormann sah ihn nur ungläubig an: „Wenn Sie solchen Hunger hatten, warum haben Sie denn dort angehalten?“ Auf die Frage gab es nie eine befriedigende Antwort. Der Prozess wird am 19. Januar fortgesetzt.

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